
Das Unispital Zürich räumt nach Jahren schwere Vergehen rund um seine Herzchirurgie ein. Drei Personen treten zurück und ermöglichen den Neuanfang.
Die Schweizer Spitäler sind nicht immer so gut wie ihr Ruf.
Dies erfährt die Öffentlichkeit nun bezüglich des Universitätsspitals Zürich (USZ) auch amtlich.
Deutliche Übersterblichkeit
Erst nach Jahren arbeitete die Gesundheitseinrichtung merkwürdige Todesfälle auf.
Hinweise auf die zwischen 2016 und 2020 auffällig überhöhte Mortalitätsrate an der Klinik für Herzchirurgie haben den Spitalrat im August 2024 veranlasst, eine Administrativuntersuchung durch eine unabhängige Untersuchungskommission einzuleiten.
Nun liegen die Ergebnisse dieser Untersuchung nach langem Warten endlich vor und bestätigen das Unvorstellbare.

Die Mortalität an der Klinik für Herzchirurgie ergab auf der Basis von 4500 Operationen eine statistisch ausgewiesene Übermortalität von 68 bis 74 Todesfällen, teilte das USZ am heutigen Dienstag selbstkritisch mit.
Gemäss der individuellen Analyse kam es in diesem Zeitraum zu 75 chirurgisch problematischen Eingriffen. Der Untersuchungsbericht ist öffentlich.
Bündel an Kollektivversagen
Die Ursachen für diese Vorfälle lägen im Wesentlichen in der überhasteten Ernennung des damaligen Leiters der Klinik für Herzchirurgie, Professor Francesco Maisano, im Jahr 2015.
Ihm und der Klinik habe es aber auch an Führungskompetenzen gefehlt. Zudem hätten Interessenskonflikte bestanden, hiess es weiter.
Seitens der damaligen Spitaldirektion habe es obendrein an Aufsicht gefehlt und der damalige Spitalrat habe die festgestellten Verfehlungen ungenügend untersucht, so das USZ selbstkritisch.
Strafanzeige eingereicht
Spitalrat und Spitaldirektion seien von den Ergebnissen der Untersuchungen tief betroffen, zeigen sie doch ein inakzeptables Verhalten der seinerzeitigen Verantwortlichen. Die Vorwürfe, in der Herzchirurgie würden Patienten als Versuchskaninchen benutzt, werden damit also bestätigt.
Zur strafrechtlichen Beurteilung der festgestellten Verfehlungen und der entsprechenden Verantwortlichkeiten hat der Spitalrat entschieden, die 11 nicht erwartbaren Todesfälle sowie die 13 unangemessenen Einsätze von Medizinprodukten der Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich anzuzeigen.
Das Krankenhaus stellte die Ergebnisse der Administrativuntersuchung zur Verfügung.
Gesundheitsdirektion im Fokus
Drei Mitglieder des Spitalrats, welche dem Gremium bereits während der untersuchten Zeitperiode angehörten, entschieden, ihre Mandate niederzulegen.
Damit solle ein personeller Neuanfang ermöglicht werden.
Die Aufarbeitung ist damit allerdings noch nicht vorbei, denn die kantonalen Gesundheitsbehörden müssen sich beispielsweise auch Vorwürfe gefallenlassen.
Der Kanton würdigte die Missstände und gab in einer Stellungnahme lediglich bekannt, vom Spitalrat zur Patientensicherheit getäuscht worden zu sein.
Neues Bewusstsein nötig
Schweizer Spitäler sind oftmals nicht so gut wie ihr Ruf und auf der Welt nur Mittelmass, hatte muula.ch unlängst auf Basis eines weltweiten Rankings berichtet und einen Aufschrei unter den Lesern ausgelöst.
Doch die Missstände sind hierzulande teils ungeheuerlich, wie das USZ nun eindrücklich zeigt.
Dass, die erfolgreiche Schweiz dann noch Jahre für die Aufarbeitung solcher Angelegenheiten braucht, spricht ebenfalls nicht für den hohen Qualitätsstandard.
Rasche Aufklärung statt «unter den Teppich kehren» wäre vielerorts als neues Bewusstsein angebracht.
05.05.2026/kut./Meldung um Stellungnahme Kanton ergänzt





