Zwei Megatrends lassen Orell Füssli schweben

Druck von Geldscheinen bei Orell Füssli
Der Druck von Schweizer Banknoten bei Orell Füssli. (Bild: PD)

Die Orell-Füssli-Gruppe hat stabile Resultate für das Geschäftsjahr 2022 publiziert. Zwei Megatrends geben dem Unternehmen deutlichen Auftrieb.

Die Produkte von Orell Füssli haben die meisten Menschen jeden Tag in der Hand. Sei es das gedruckte Geld oder irgendein Buch.

In beiden Segmenten, dem Sicherheitsdruck und der Bildung, soll es weiter aufwärtsgehen und dafür scheint der kleine Schweizer Konzern gut positioniert.

Akquisition hilft

Orell Füssli steigerte im Geschäftsjahr 2022 den Umsatz in einem anspruchsvollen Umfeld um 3,3 Prozent auf 217,3 Millionen Franken.

Dazu beigetragen habe eine stärkere Nachfrage im Buchhandel sowie die Akquisition des hep-Verlages, teilte die Firma am heutigen Freitag mit. Über den Zukauf des hep-Verlages berichtete auch muula.ch.

Der Reingewinn von Orell Füssli sank im abgelaufenen Geschäftsjahr um 3,3 Prozent auf 11.7 Millionen Franken, weil höhere Kosten für Energie und Rohstoffe belasteten.

Lebenslanges Lernen

Doch generell ist der kleine Konzern gut für die Zukunft gerüstet, weil er sich genau für zwei Megatrends positioniert hat.

Die Rede ist einerseits von immer höheren Sicherheitsanforderungen, etwa beim Geld oder Dokumenten. Und andererseits gilt ein lebenslanges Lernen, was Bildung, Buchverlagen und dem Buchhandel weiteren Schwung in Zukunft geben dürfte.

Orell Füssli ist beispielsweise an der Entwicklung des neuen Schweizer Führerausweises mitbeteiligt und beim neuen Schweizer Pass war die Division mit der Erstellung des Designs als auch mit der Herstellung des Umschlags und dem Druck der Inhaltsseiten betraut.

Banknote mit QR-Code

Das internationale Geschäft konnte weiter ausgebaut werden und neue Beratungsdienstleistungen wurden erfolgreich lanciert. 2022 tätigte der Sicherheitsdruck grössere Investitionen in neue Produktionssysteme und trieb Innovationen weiter voran.

So präsentierte Orell Füssli unter anderem einen international ausgezeichneten Prototyp einer «hybriden» Banknote, welche mit einem QR-Code versehen ist.

Digitales Geld

Der Markt ist insofern attraktiv, als es hohe Eintrittsbarrieren gibt. Nationalbanken und Regierungen vertrauen nicht so schnell ihren Geld- und Sicherheitsdruck einer neuen Firma an.

Ausserdem werden in Zukunft Geldscheine und Dokumente neben der physischen gedruckten Version auch in digitalen Ausführungen verfügbar sein, was für Orell Füssli weitere Geschäftsfelder mit hohen Markteintrittsbarrieren eröffnet.

Nach vier grossen Anbietern De La Rue aus Grossbritannien, Giesecke and Devrient aus Deutschland, Oberthur Fiduciaire SAS aus Frankreich und Crane Currency aus den USA kommt schon bald Orell Füssli am «Geldmarkt», wie aus einer aktuellen Investoren-Präsentation der Firma hervorgeht.

Projekt mit Swisscom

Das Tochterunternehmen Procivis trieb zudem das Geschäft mit digitalen Identitätslösungen weiter voran, indem neue Projekte auf kantonaler, nationaler und europäischer Ebene gewann.

Mit der Swisscom wurde eine strategische Partnerschaft im Bereich digitale Nachweise lanciert und erste Pilotprojekte mit namhaften Schweizer Organisationen umgesetzt.

Fokus auf Bahnhöfe

Und beim zweiten Standbein, der Bildung, legte Orell Füssli auch deutlich zu. Im vergangenen Jahr konnte Orell Füssli Thalia nämlich seine Position als Marktführer im Buchhandel weiter festigen.

Das stationäre Geschäft wuchs mit 15,4 Prozent kräftig und erreichte fast das Niveau von vor der Coronavirus-Pandemie. Das Wachstum sei auf den Ausbau des Filialportfolios und die dabei verfolgte Strategie zurückzuführen, sich auf Standorte an hoher Frequenzlage wie Bahnhöfe, Einkaufs- oder Stadtzentren zu fokussieren.

Stationär und im Internet

Die breit abgestützte Omnichannel-Strategie habe sich auch 2022 bewährt, hiess es weiter. Das E-Commerce Geschäft konnte nämlich den Umsatz von 2021 nahezu halten und liegt damit immer noch sehr deutlich über dem Vor-Corona-Niveau.

Mitte 2022 übernahm Orell Füssli den hep Verlag in Bern, ein führender Anbieter von Schweizer Lernmedien.

Mit dem Zusammenschluss vermochte Orell Füssli ihr Verlagsangebot deutlich auszubauen und wurde zum grössten privaten Schweizer Lernmedienverlag. Gemeinsam werden künftig verstärkt hybride und rein digitale Lernmedien entwickelt und angeboten.

Inflation frisst Gewinn

Angesichts der Fortschritte bei der Strategieumsetzung, der Auftragslage im Sicherheitsdruck und der geplanten Erweiterung des Filialnetzes im Buchhandel rechnen Verwaltungsrat und Geschäftsleitung für das laufende Geschäftsjahr 2023 mit einem weiteren Umsatzwachstum.

Inflationsbedingt höhere Kosten und Investitionen in den Ausbau der digitalen Geschäftsfelder werden das Ergebnis jedoch belasten, hiess es zum Ausblick.

Die Gewinnmargen sind also noch nicht dort, wo sie sein sollen. Aber die Strategie ist bis zum Jahr 2028 ausgerichtet.

Gute Dividendenrendite

Die Investoren vertrauen der Firma mit seiner Position für die zwei Megatrends. Der Aktienkurs blieb zumindest nach Bekanntwerden der Informationen in etwa konstant – genauso wie die vorgeschlagene Dividende.

Das gibt auf den aktuellen Aktienkurs eine Dividendenrendite von immerhin 4,25 Prozent

10.03.2023/kut.

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