Swiss Re holt zum Marktführer auf

Das Management des Rückversicherers Swiss Re um CEO Christian Mumenthaler und CFO John Dacey
Das Management des Rückversicherers Swiss Re. (Bild: muula.ch)

Das Geschäft von Rückversicherern ist ein Stück weit Glückssache. Swiss Re ereilt nun eine Glückssträhne.

Bisher waren die Resultate des zweitgrössten Rückversicherers der Welt praktisch nur enttäuschend. Marktführer Münchner Rück war stets um Längen voraus.

Allein schon beim Jahresgewinnziel wollen die Münchner 4 Milliarden Euro abliefern. In Zürich bei Swiss Re traut man sich nur 3 Milliarden Dollar im Jahr 2023 zu.

Distanz von einer Milliarde

Während der grösste Rückversicherer der Welt, die Munich Re, im ersten Halbjahr einen Gewinn von 2,425 Milliarden Euro erwirtschaftete, kam der Zweite im Markt, die Swiss Re, «nur» auf einen Überschuss von 1,4 Milliarden Dollar.

Auch da klaffte also eine Distanz von ungefähr einer Milliarde.

Mehr Gewinn auf Anleihen

Doch am Freitag überraschten die Zürcher mit einem Gewinn für die ersten drei Quartale von 2,466 Milliarden Dollar, wozu alle Geschäftsbereiche beigetragen hätten.

Swiss-Re-Konzernchef Christian Mumenthaler lobte in einem Communiqué die konsequente Fokussierung auf die Qualität des gezeichneten Geschäfts.

Swiss-Re-Finanzchef John Dacey hob an einer Medienorientierung die weiter steigenden Zinsen hervor, die für eine Besserung der Umlaufrendite bei den Kapitalanlagen sorgen würden.

Reduktion des Abstandes

Natürlich hatten auch dabei die Münchner, die wie Swiss Re im gleichen Teich fischen, die Nase weiterhin vorne. Ein paar Tage vor der Swiss Re hatten sie einen Gewinn für die ersten drei Quartale von 3,6 Milliarden Euro ausgewiesen.

Allein der Quartalsgewinn für Juli bis September kaum auf 1,2 Milliarden Euro. Zumindest holte Swiss Re mit einer Milliarde Dollar dabei etwas zum Marktführer auf.

Vorsichtige Planung

Auf die Frage, ob Swiss Re angesichts der Besserungen ihr Gewinnziel für 2023 erhöhen würde, sagte Finanzchef Dacey, dass man im Rückversicherungsgeschäft nie so genau wisse, was in den letzten zwei Monaten des laufenden Jahres noch alles an Erdbeben, geopolitischen Spannungen & Co. aufkomme.

Daher wollte Swiss Re an ihrem Gewinnziel von 3,0 Milliarden Dollar festhalten, obwohl rund 80 Prozent davon in den ersten drei Quartalen quasi schon erreicht sind.

Das Management war da also vorsichtig und wollte ihr Glück quasi nicht herausfordern und lieber das Target übertreffen.

Steigende Prämien

Auch dass die Rückversicherungstarife angesichts der steigenden Gewinne wieder in den Keller rauschen könnten, wollte Dacey so nicht bestätigen.

In einigen Sparten, etwa im Casualty Geschäft in den USA, müsste die Kundschaft noch mit weiteren Preiserhöhungen rechnen, weil die Tarife noch nicht adäquat seien, obwohl die Rückversicherer die Preisschraube schon gehörig angezogen haben.

Die verdienten Nettoprämien und Honorareinnahmen der Gruppe waren in den ersten neun Monaten um 4,2 Prozent auf 33,7 Milliarden Dollar gestiegen.

Auch Inflation bleibe weiterhin ein Thema, so der Swiss-Re-Finanzchef. Gerade bei Geschäftsunterbrechung, Autoreparaturen und bei Häusern, die von Naturkatastrophen zerstört wurden, schlüge die Teuerung noch deutlich zu.

Wiederanlagerendite top

Am Kapitalmarkt hatte Swiss Re ebenfalls ein gutes Händchen. Die Gruppe erzielte in den ersten neun Monaten 2023 eine Rendite auf Kapitalanlagen von 3,5 Prozent, verglichen mit 1,6 Prozent im Vorjahreszeitraum.

Im dritten Quartal war die Rendite auf Kapitalanlagen mit 4,8 Prozent sogar aussergewöhnlich hoch, vor allem dank realisierter Nettogewinne aus Immobilienverkäufen.

Mit der Reinvestitionsrendite festverzinslicher Wertschriften bei 4,9 Prozent im dritten Quartal zeigte sich der Rückversicherer zufrieden und sah auch keinen Engpass am Markt bei gut rentierenden Anleihen.

Das ist doch auch wieder ein Glück, denn die Börsen hätten angesichts der weltweiten Krisen und Konjunktursorgen auch einbrechen können.

Verbrennen der Finger

Und von noch einer Front gab Dacey gewisse Entwarnung. Auf die Frage von muula.ch, ob alternatives Kapital von Venture-Capital & Co. in den Rückversicherungsmarkt ströme, erklärte Swiss Re, dass sie dies nicht beobachte.

In der Vergangenheit hätten sich solche Risikokapitalgeber gehörig die Finger verbrannt und hohe Verluste verzeichnet. Das diszipliniere die Marktteilnehmer.

Ausserdem gebe es genug Investitionsmöglichkeiten, die eine bessere Rendite versprächen, als dass etwa Hedgefunds in das Geschäft mit Rückversicherung einsteigen müssten.

Letztlich zeigt für Swiss Re im Vergleich mit dem Marktführer, dass die Munich Re immer noch einen gehörigen Vorsprung zu den Zürchern aufweist. Aber in zwei Monaten kann eben auch noch viel passieren.

03.11.2023/kut.

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