
Ein Bericht offenbart Schwächen bei der Fluggesellschaft Swiss. Dabei kommen Erinnerungen an die Notlandung in Graz hoch, bei dem ein Mensch starb.
Die Notleuchte zum Kabinendruck ging während des Steigfluges im Cockpit von Flug LX 18 an.
An Bord der Linienmaschine von Zürich nach New York waren an jenem 13. September 2024 in dem Swiss-Airbus A330-343 zwei Piloten, zehn Crewmitglieder und 205 Passagiere, die knapp einer Katastrophe entkamen.
Zwei Schweizer Piloten
Die Cockpitbesatzung setzte nach Aufblinken der Notleuchte sofort ihre Sauerstoffmasken auf und leitete einen Notabstieg ein.
Die zwei Schweizer Piloten lösten zudem manuell die Sauerstoffmasken in der Kabine für Passagiere und Kabinenbesatzung aus und entschieden sich kurz hinter Basel auf französischem Staatsgebiet zur Umkehr nach Zürich.
Der Start des Airbus mit Baujahr 2010 und der Steigflug seien ohne Auffälligkeiten verlaufen, schrieb die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle Sust in ihrem Abschlussbericht, der am heutigen Montag zu der Beinahe-Katastrophe publiziert wurde.
Die Cockpitbesatzung habe auch keine ungewöhnliche Druckempfindung in den Ohren verspürt, was auf Probleme mit dem Kabinendruck hätte hinweisen können.
Nach «PAN PAN» auch «MAYDAY»
Obwohl beide Auslassventile als vollständig geschlossen angezeigt wurden, war das Kabinendrucksystem dennoch nicht in der Lage, einen ausreichenden Kabinendifferenzdruck aufzubauen.
Die Notleuchte zeigte den Piloten an, dass der Kabinendruck immer weiter stieg, woraufhin die Besatzung eine Dringlichkeitsmeldung («PAN PAN») mit Angabe eines Kabinendruckproblems absetzte.
Rund 20 Sekunden später übermittelte die Besatzung dann sogar den Notruf («MAYDAY») mit der Angabe, dass sie einen Notabstieg einleiten würde.
Beide Cockpitbesatzungsmitglieder konnten sich nicht erklären, was für ein technisches Problem vorliegen könnte.
Problem seit Jahren bekannt
Die Notlandung in Zürich glückte zwar und alle kamen mit dem Schrecken davon.
Doch nach dem schweren Vorfall wurde das Flugzeug untersucht und die Befunde kratzen nun am Image einer Fluggesellschaft, die auf Premium setzt.
Es fanden sich nämlich Beschädigungen an Elementen des Kabinendrucksystems im Bereich des Niederdruckverteilers.
Das Problem war dem Hersteller bereits bekannt, weshalb Airbus im November 2016 empfahl, zum frühestmöglichen Zeitpunkt die ursprünglichen Bauteile durch andere zu ersetzen, um erhebliche Betriebsstörungen zu vermeiden.
Druckabfall in Kabine
Das sogenannte Skin Check Valve muss gemäss Luftfahrzeughersteller alle 24 Monate einer Inspektion unterzogen werden, wofür es ausgebaut werden muss.
Eine Betriebszeit-Limite bis zu einer Grundüberholung oder eines Austausches eines solchen Skin Check Valve bestünde zwar nicht, erklärte die Sust.
Das Bauteil war in der Unglücksmaschine letztmals am 24. November 2022 einer Inspektion unterzogen worden.
Die Service Bulletins von Airbus weisen allerdings darauf hin, dass solch ein defektes Bauteil zu Beschädigungen führen kann, was einen Druckabfall in der Kabine und eine Umkehr während des Fluges zur Folge hätte.
Die Fluggesellschaft Swiss wusste also um die Schwächen.
Einfacher Austausch
Beim Unglücks-Airbus war dieses Service Bulletin aber nicht ausgeführt worden.
«Dieser Entscheid ist aus sicherheitstechnischer Sicht nicht nachvollziehbar, da das Nichtausführen dieses Service Bulletins auch die Flugsicherheit betreffen kann», schrieb die Sust in ihrem Untersuchungsbericht.
Dies sei besonders unverständlich, weil das entsprechende Bauteil seit 2016 mindestens dreimal aus- und wieder eingebaut werden musste.
Bei einer dieser Gelegenheiten hätte das modifizierte Bauteil ohne erheblichen Mehraufwand einfach ersetzt werden können.
Knallhartes Fazit der Ermittler
Der schwere Vorfall, bei dem während des Steigflugs des Verkehrsflugzeuges die Kabinendruckhöhe einen Wert von 10 000 ft überschritt und die Cockpitbesatzung einen Notabstieg einleiten musste, sei darauf zurückzuführen, dass als Folge eines defekten Skin Check Valve das Kabinendrucksystem nicht in der Lage war, einen ausreichenden Kabinendifferenzdruck aufzubauen.
Ein vom Luftfahrzeughersteller im Jahr 2016 veröffentlichtes Service Bulletin, in dem Airbus das frühestmögliche Ersetzen des Skin Check Valve durch ein modifiziertes Bauteil empfiehlt, hatte Swiss nicht ausgeführt.
Dies war ursächlich für den schweren Vorfall, so das Fazit der Unfallermittler.
Fehlerbehafte Atemschutzmasken?
Dabei kommen unweigerlich mulmige Gefühle zu einer Notlandung mit einem Swiss-Airbus A220 in Graz hoch.
Dabei war ein Crewmitglied verstorben, weil problematische Atemschutzmasken noch nicht vollständig ausgetauscht worden sein sollen. Die Untersuchung dazu ist allerdings noch nicht abgeschlossen. Insofern ist das Spekulation.
Doch das Image, dass die zur Lufthansa-Gruppe gehörende Swiss keinerlei Abstriche bei der Sicherheit macht, dürfte mit den Vorfällen leiden.
19.01.2026/ena.





