Personalknappheit legt markant zu

Arbeiter auf dem Bau
Das Baugewerbe sucht händeringend nach Fachkräften. (Symbolbild: pixabay)

Die Schweizer Wirtschaft gewinnt deutlich an Fahrt und Firmen planen, Personal aufzubauen. Doch dabei stellt sich ein altes und ein neues Problem.

Die Schweizer Volkswirtschaft erfährt im dritten Quartal eine robuste Wachstumsdynamik.

In der Industrie legten die Umsätze deutlich zu und die dämpfenden Effekte des US-israelischen Angriffskrieges auf Iran sowie der unsicheren
Zollsituation mit den USA liessen nach.

Servicesektor auf Wachstumskurs

Dies erklärte niemand Geringeres als die Schweizerische Nationalbank SNB in ihrem neuesten Bulletin auf Basis von Unternehmensbefragungen.

Die Firmen stellten eine Belebung der Nachfrage aus Europa fest, hiess es weiter. Sie verzeichneten höhere Auftragseingänge aus Deutschland, unter anderem wieder vermehrt aus der Bauwirtschaft.

Auch bei Dienstleistungsunternehmen blieben die Umsätze mehrheitlich auf dem soliden Wachstumspfad der Vorquartale, so die Zentralbank.

Suche nach Mitarbeitern

Die Auslastung der technischen Kapazitäten sei im dritten Quartal deutlich gestiegen, erklärte die SNB zudem. Im Bausektor liege die Auslastung – wie schon im Vorquartal – etwas über dem üblichen Niveau.

Damit kommt ein altes Problem auf die Schweizer Wirtschaft zu. Vielerorts werden händeringend Mitarbeiter gesucht, wie die Umfrage der SNB verdeutlicht. Der Personalbestand werde – erstmals seit mehreren Quartalen – als etwas zu knapp eingestuft, hiess es von der Notenbank.

Personalknappheit laut SNB

In der Bauwirtschaft sei die Personalknappheit besonders ausgeprägt. Im Dienstleistungssektor und in der Industrie bestehe eine leichte Personalknappheit.

Doch läuft es dort noch besser, dürfte der Arbeitskräftemangel auch hier anziehen.

KI hilft nur wenig

Die Künstliche Intelligenz KI hilft Schweizer Firmen auch kaum.

Auf die Frage nach dem Einfluss von KI auf den Personalbedarf gaben knapp ein Viertel der Unternehmen an, dass sich ihre Nachfrage nach Arbeitskräften durch den Einsatz von KI verringert habe.

Die Einsparungen seien jedoch meist gering und beträfen vor allem administrative Aufgaben, erklärte die SNB im Quartalsbericht.

In der Industrie seien die Produktionsschritte häufig schon stark automatisiert.

Auch Unternehmen in der Bauwirtschaft und in Branchen, die stark vom persönlichen Austausch geprägt sind, sähen wenig Potenzial für einen Einsatz von KI in ihren Kerntätigkeiten.

Gehversuche erfordern mehr Personal

Zudem hemmen teilweise datenschutzrechtliche Fragen oder eine fehlende Dateninfrastruktur den Einsatz von KI.

Einige Firmen starteten derzeit Projekte, um in den kommenden Jahren KI effektiv einsetzen zu können.

Doch dadurch steige zunächst der Personalbedarf, hiess es kritisch.

Hochschulabsolventen ohne Jobs

Die Schweiz hat also das alte Problem des Fachkräftemangels zurück.

Die rund 140.000 Arbeitslosen erfüllen meist die Anforderungsprofile nicht, weshalb das Land in sogenannte strukturelle Arbeitslosigkeit hineingleitet, wie muula.ch bereits berichtete.

Arbeitslose nach Ausbildung laut dem KOF Institut der ETH Zürich
ETH-Professor Sturm zeigt die Entwicklung von arbeitslosen Hochschulabsolventen. (Bild: muula.ch)

Doch auch ein neues Phänomen tritt immer stärker auf, was die Forschung so nicht auf dem Radar gehabt hätte, wie Wirtschaftsprofessor Jan-Egbert Sturm vom KOF Institut der ETH Zürich an der Prognosetagung vergangene Woche sagte.

In der Schweiz gibt es immer mehr arbeitssuchende Hochschulabsolventen, wie es hiess. Doch da spielen sicher die fehlende Berufserfahrung und die teils exorbitante Anspruchshaltung mancher Bewerber an die künftigen Arbeitgeber die Hauptrollen.

Lohnwachstum intakt

Alles in allem läuft die Schweizer Volkswirtschaft derzeit rund und dazu gehört auch ein Beschäftigungsaufschwung.

Für das Jahr 2027 erwarten die Unternehmen ein Lohnwachstum von 1,3 Prozent im Schnitt.

Würde es nicht so gut laufen, würde auch niemand dem Personal mehr Gehalt zahlen.

05.10.2026/kut.

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