Lehren aus dem Super-Merger des Walter Fust

Unternehmer Walter Fust
Unternehmer Walter Fust ist Verwaltungsrat und Grossaktionär bei StarragTornos. (Bild: PD)

Zwei Beteiligungen vom Unternehmer Walter Fust waren zu klein und schlossen sich zusammen. Was lässt sich aus der Fusion lernen?

Der Prospekt zur Fusion ist 322 Seiten lang und doch steht da nicht alles drin. Das Wichtigste für andere Firmen ist nämlich, was sie aus dem Zusammenschluss der zwei Hersteller von Werkzeugmaschinen Starrag und Tornos lernen können.

Vereint rund 2000 Vollzeitstellen

Der Hintergrund des Mergers ist rasch erzählt. Firma Starrag ist an der Schweizer Börse SIX kotiert und erwirtschaftet aus einem Jahresumsatz von rund 320 Millionen Franken einen Gewinn von 11 Millionen Franken.

Die Firma Tornos ist ebenfalls an der SIX gelistet und macht aus zirka 180 Millionen Franken an Umsatz einen Gewinn von 15 Millionen Franken. An beiden Unternehmen, die rund 1300 beziehungsweise 700 Vollzeitstellen aufweisen, ist Walter Fust ein Ankeraktionär – bei Starrag mit rund 54 Prozent und bei Tornos mit fast 50 Prozent.

Viele Vorteile erzielen

Formell absorbierte Starrag rückwirkend per 1. Juli 2023 die Firma Tornos. Die Verwaltungsräte stimmten dem Vorhaben zu und seit wenigen Tagen werden die Titel der fusionierten Firma StarragTornos an der SIX gehandelt.

Aus dem Zusammenschluss lassen sich logischerweise Synergien erzielen. Es ergeben sich aber auch weitere Vorteile beim Kundenfokus, bei Konjunkturzyklen, Jahresabschlüssen & Co., wie auch muula.ch bereits berichtete.

Doch was sind die Lehren aus dem Prozess der Fusion? Dieser Frage ging muula.ch bei Stéphane Pittet nach, der Finanzchef der fusionierten Firma StarragTornos, der ursprünglich CFO bei Tornos war.

Nicht sparen bei Spezialisten

Zunächst sei die Situation mit unterschiedlichen Stichtagen sehr anspruchsvoll gewesen, sagte Pittet. Steuerlich sei die Fusion zum 1. Juli, rechtlich zum 7. September und buchhalterisch zum 1. Dezember vollzogen worden, hiess es. 

Für den Zusammenschluss seien mindestens drei bis viertausend externe Beraterstunden angefallen, weil viele Sachverhalte auf unterschiedlichen Ebenen sehr komplex gewesen seien. International war StarragTornos beispielsweise gefragt, da Registrierungen der Fusion im Ausland zwingend notwendig waren.

Da sollte man auf keinen Fall an den Spezialisten sparen, so der Rat.

Drei Schritte bei Beratern

Extrem aufwendig sei aber die Erstellung der vielen Dokumente gewesen. Zwar hätte es dazu meist dieselben Informationen gebraucht, allerdings seien diese oft in einer leicht anderen Form nötig gewesen, was viel Zusatzarbeit bereitet hätte, so Pittet.

Mit den externen Beratern gab es praktisch immer einen gleichen Ablauf bei der Fusion. In einem ersten Schritt musste man die Beratungsfirmen zunächst einmal auswählen, was bei Spezialthemen manchmal gar nicht so leicht gewesen sei.

Stéphane Pittet
Finanzchef von StarragTornos Stéphane Pittet (Bild: PD)

In einem nächsten Schritt seien die Consultants dann meist mit hunderten von Fragen auf Pittet und sein Team zugekommen, deren Beantwortung sodann wieder viel Aufwand verursacht habe. Und letztlich gab es für die Dokumente und Abschlussreports der Berater eine dritte Runde mit viel Arbeit.

Denn bis zur endgültigen Abstimmung der Unterlagen brauchte es jeweils viele Runden zwischen Firma und Berater.

Keine Ruhe mehr nach Startschuss

Besonders belastend sei dabei der Zeitdruck gewesen, erklärte der Finanzchef. Ständig habe man Termine vor der Nase, sagte er. Dies sei auch eine Warnung an andere – wenn Firmen einmal den Ablauf starteten, gehe es ständig Schlag auf Schlag.

Manchmal müsste man auch innerhalb von 24 Stunden kommunizieren, wenn ein wichtiger Entscheid getroffen wurde. «Es gibt keinen Vorsprung auf all die Themen», mahnte er.

Personenkreis eingrenzen

Noch etwas sei StarragTornos bei der Fusion gut gelungen und da müssten auch andere Firmen darauf achten. Die Rede ist davon, dass man nur einen kleinen Personenkreis um die Verwaltungsräte und um die Finanzabteilungen für die Arbeit am Zusammenschluss involviert habe.

Im operativen Bereich sollte der Merger nicht zu grossen Diskussionen führen und von der eigentlichen Arbeit abhalten. Laut Finanzchef Pittet besteht bei solch einem Projekt die Gefahr, dass beide Unternehmensgruppen den operativen Fokus verlieren.

Doch mit der Fusion habe man ja keine Werkzeugmaschine zusätzlich verkauft, machte der Manager es bildlich klar.

Spielen mit Kennzahlen

muula.ch interessierte sich noch für die Fairness Opinion, welche ein externes Gutachten zur Bewertung darstellt. Leser reiben sich da schon die Augen, wenn der Gutachter IFBC den Hauptsitz von Tornos mit Moutier schon im Kanton Jura angibt, obwohl dies erst im Jahr 2026 der Fall sein wird.

Auch so manche Annahme bei der Discounted Cash-Flow-Methode zur Bewertung der beiden Firmen dürfte Fragezeichen hervorrufen.

So unterscheiden sich die Eigenkapitalkosten von Starrag und Tornos mit 11,55 beziehungsweise 12,49 Prozent doch erheblich, wenn man an den hohen Einfluss des Diskontsatzes auf die Bewertung denkt.

Rein theoretisch hätte man wahrscheinlich bei der Bestimmung der Werte auch auf viel niedrigere Zinssätze abstellen können und damit deutlich höhere Firmenwerte erhalten.

Wenige Stellschrauben

Auch der Wachstumswert beim Umsatz in der ewigen Rente liegt bei Starrag bei 1,5 Prozent und bei Tornos bei 1,6 Prozent, was zwar wie ein kleiner Unterschied aussehen mag. In der Bewertung hat dies aber einen grossen Einfluss, weil dies den sogenannten Terminal Value in alle Ewigkeiten bestimmt und einen grossen Hebel hat.

Es habe bezüglich all dieser Angaben keine Erklärungen oder Transparenz gegeben, sagte StarragTornos-Finanzchef Pittet lediglich, als ihn muula.ch auf diese Fairness Opinion ansprach.

Zahlreiche Annahmen getroffen

Letztlich steckten in alldem viele Annahmen drin, erklärte der Finanzexperte weiter. Nur schon bei den Cash-Flows, welche die Firma in den kommenden drei Jahren laut der Bilanzsimulation erzielen werde, könnte man einige Werte hinterfragen.

Doch auch dies ist eine schöne Lehre aus dem Merger. Letztlich kochen trotz der Komplexität auch die Berater alle nur mit Wasser.

Finanzchef Pittet gönnt sich nach dem Fusionsstress nun erst einmal eine kleine Erholungspause. Auch das ist vielleicht eine Lehre für andere.

18.12.2023/kut.

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