Grösstes Museum der Schweiz findet Gemälde nicht mehr

Im Kunsthaus Zürich passiert Unglaubliches. (Bild: PD)

Das flächenmässig grösste Museum der Schweiz, das Kunsthaus Zürich, vermisst zwei Altmeister. Der Skandal dürfte den einstigen Präsidenten der Schweizer Nationalbank Philipp Hildebrand in schlechtes Licht stellen.

Manchmal gibt es Medienmitteilungen, deren Inhalt die Leser kaum glauben können. So geschah es mit dem Communiqué des Kunsthauses Zürich vom Dienstag.

Zwei Kunstwerke seien unauffindbar, hiess es darin lapidar.

Polizei eingeschaltet

Seit Anfang 2023 seien zwei von über 700 Werken verschwunden, welche das Kunsthaus nach dem Brand im August abgehängt und der internen Reinigung zugeführt habe. Interne Suchen seien erfolglos geblieben.

Da Diebstahl nicht mehr ausgeschlossen werden könne, habe das Kunsthaus am 13. Januar eine Anzeige «gegen unbekannt» erstattet und die Polizei gebeten, Ermittlungen aufzunehmen, erklärten die Verantwortlichen zu dem Vorfall.

Es ist kaum zu glauben, dass es bald zwei Wochen dauert, bis das Museum die Polizei einschaltet. Und, dass es dann nochmal fast zwei Wochen dauert, bis die Öffentlichkeit informiert wird, ist auch nicht besser.

Hoffnung der Direktion

Bei den «Vermissten» handelt es sich um die kleinformatigen Gemälde «Soldaten im Lager» von Robert van den Hoecke aus der Mitte des 17. Jahrhunderts (18,8 x 24,7 cm) sowie um das Bild von Dirck de Bray «Narzissen und andere Blumen in Glasvase auf einer Marmorplatte» von 1673 (30,9 x 23,5 cm).

Verschwundenes Gemälde «Soldaten im Lager»
Vermisstes Gemälde von Robert van den Hoecke (Bild: PD)
Verschwundenes Gemälde «Narzissen und andere Blumen in Glasvase auf einer Marmorplatte»
Vermisstes Gemälde von Dirck de Bray (Bild: PD)

Die Jahrhunderte alte Kunstwerke sind private Dauerleihgaben. Beide auf Eichenholz gemalte Bilder sind gerahmt und verglast.

Die Direktion hofft laut der Mitteilung, dass die Gemälde unbeschadet den Weg zurück ins Zürcher Kunsthaus finden.

Geschenke von Privaten

Das Kunsthaus unterstützt die Polizei bei den Ermittlungen, hat die vermissten Werke in das berühmte «Art Loss Register» eintragen lassen, der weltweit grössten Datenbank verlorener und gestohlener Kunstwerke.

Seit Generationen vertrauen Sammlerinnen und Sammler dem Kunsthaus Zürich ihre Schätze an.

Fast drei Viertel des Bestandes der Gemälde und Skulpturen sind Dauerleihgaben oder Geschenke von privater Seite. «Die Möglichkeit, dass trotz grosser Sicherheitsvorkehrungen Werke derzeit nicht zu finden sind, erschüttert uns», sagte die Direktorin des Kunsthauses Ann Demeester zu dem Vorfall.

Hildebrand tangiert

Das Museum habe einen Krisenstab eingerichtet, der den Vorgang akribisch untersuche, hiess es weiter. Alle übrigen Werke, die im Moment des Brandes ausgestellt waren, seien vollzählig vorhanden, versicherte das Museum.

Letztlich dürfte die Misere auch auf den ehemaligen Präsidenten der Schweizerischen Nationalbank SNB, Philipp Hildebrand, zurückfallen (siehe Bild).

Philipp Hildebrand
Philipp Hildebrand (Bild: PD)
Ausstellungsraum im Kunsthaus Zürich
Kunsthaus Zürich (Bild: PD)

Er ist nämlich seit 2022 der Präsident der Zürcher Kunstgesellschaft, also dem Trägerverein des Kunsthauses. Zu seiner Wahl mit bloss 63 Prozent der Stimmen sagte er, die Tätigkeit sei eine spannende und sozial wertvolle Aufgabe. Dies soll bestimmt auch die 100-prozentige Sicherung von Dauerleihgaben beinhalten.

Dalí verschwunden

Wie der Zürcher «Tages-Anzeiger» in seiner heutigen Printausgabe schreibt, sei das Kunsthaus Zürich bereits einmal Opfer eines Kunstraubes geworden.

Im Jahr 1968 sei das Werk «Frau mit Rosenhaupt» von Salvador Dalí verschwunden. Ein paar Jahre später sei das Kunstwerk aber in Frankreich wieder aufgetaucht und dem Museum zurückgegeben worden.

Auf solch ein «Happy End» hofft das Kunsthaus Zürich nun auch in diesem unglaublichen Skandal.

25.01.2023/kut.

Grösstes Museum der Schweiz findet Gemälde nicht mehr

One thought on “Grösstes Museum der Schweiz findet Gemälde nicht mehr

  • Januar 29, 2023 at 11:28 am
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    Manchmal suche ich meine Brille, bis ich bemerke, dass sie auf meiner Nase sitzt.
    Ich empfehle den Verantwortlichen, mal in der Sammlung im Keller nachzusehen. Vielleicht ist es derzeit ja sogar ausgestellt.

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