
Viele Schweizer wollen vom Boom um Künstliche Intelligenz profitieren. Doch beim Gang aufs Börsenparkett von Anthropic gilt es, Emotionen zu zügeln.
Bei Börsengängen wollen Alteigentümer anderen Investoren etwas verkaufen.
Dabei spielt der Börsenprospekt eine grosse Rolle, dem jedoch nur die wenigsten ihre Aufmerksamkeit schenken.
Einblick in Zukunftspläne
Der Boom bei Künstlicher Intelligenz KI erfordert neben Anwendungen zunächst hohe Investitionen, wie muula.ch unlängst zur Wirkung des technischen Fortschritts eindrücklich zeigte.
Die Anbieter um Grok, Perplexity, Claude, Gemini & Co. gehen mittlerweile sogar an den Anleihemarkt, um die Ausgaben zu finanzieren.
Doch am Montag gab auch die KI-Firma Anthropic etwas Einblick in die Zukunftspläne.
Das Unternehmen hinter der App Claude will an die Börse gehen und publizierte über die US-Börsenaufsicht SEC einen Prospekt, der es in sich hat.
Gigantische Milliardenverluste
Im Jahr 2023 machte das Unternehmen erst 41 Millionen Dollar an Umsatz. Daraus entstand ein Verlust von 1,5 Milliarden Dollar.
Ein Jahr später stiegen die Erlöse auf 386 Millionen Dollar und die Fehlbeträge weiteten sich auf 8,3 Milliarden Dollar aus.
2025 generierte Anthropic bereits einen Umsatz von 4,6 Milliarden Dollar, doch die Verluste summierten sich auf sage und schreibe 42 Milliarden Dollar bei dem 2021 erst in San Francisco ins Leben gerufenen KI-Anbieter.

Das von einstigen Mitstreitern von OpenAI gegründete Konkurrenzunternehmen erwirtschaftete in den ersten 6 Monaten dieses Jahres aber über 80 Milliarden Dollar an Minus.
Hintergrund sind zwar buchhalterische Bewertungsanpassungen bei Wandelanleihen. Doch der Umsatz lag auch gerade einmal bei 16,3 Milliarden Dollar.
Gesellschaftlicher Zweck
Wie Anthropic jemals Geld verdienen will, steht dabei noch in den Sternen.
Das Unternehmen verkauft nutzungsabhängige Modellanfragen mittels Token und Abos an Private sowie Firmenkunden.
Hinzu kommt, dass der IPO als «Public Benefit Corporation (PBC)» geplant ist.
Dies heisst, dass nicht nur Gewinnziele, sondern auch Forschung und anthroposophische Aufgaben wahrgenommen werden sollen, die wiederum Geld kosten, weil sie einem gesellschaftlichen Zweck dienen.
Streit mit dem Pentagon
Zu den wichtigsten Geldgebern gehören Amazon und Google, die auch einen beachtlichen Teil der zukünftigen Umsätze garantieren, weil laut dem IPO-Prospekt unkündbare Vereinbarungen geschlossen wurden. Die fünf grössten Kunden machen etwa 25 Prozent der Umsätze aus.
Die Risiken, mit denen sich Schweizer Investoren tiefgehend auseinandersetzen sollten, sind gigantisch.
Allein der Streit mit dem US-Verteidigungsministerium Pentagon um Nutzungsmöglichkeiten könnte wesentliche Umsatzeinbussen bescheren.
Ungeklärt ist auch, wie hoch die Haftung von Anthropic ist, weil einige Modelle in Tests in Drittsysteme quasi eingebrochen sind.
Gefahren lauern überall
Fast 100 Seiten des Börsenprospekts beschäftigen sich mit Risikofaktoren.
Dies zeigt, dass Investieren in Anthropic zu einem guten Teil noch «Gambling» ist.
Bei einem Börsengang wollen Alteigentümer den neuen Investoren eben «etwas» verkaufen, an das sie selbst nicht weiter glauben.
Andernfalls würden sie die Aktien wohl selbst behalten.
27.10.2026/kut.




