
Die Schweizer Börse SIX muss sich Ersatz für den langjährigen CFO suchen. Daniel Schmucki geht nach Verlusten in Milliardenhöhe nun überraschend.
Die Schweizer Börse SIX hat mit André Helfenstein seit Jahresanfang einen neuen Verwaltungsratspräsidenten und dieser hat bereits eine sichtbare Amtshandlung vorgenommen.
Einvernehmliche Lösung
Daniel Schmucki werde nach neun Jahren als Chief Financial Officer (CFO) und Mitglied der Konzernleitung von SIX von seinem Amt zurücktreten und sich neuen beruflichen Herausforderungen ausserhalb von SIX widmen.
Dies teilte der grösste Schweizer Börsenbetreiber am heutigen Montag überraschend mit.
Schmucki werde seine Funktion als CFO bis zur Regelung der Nachfolge und Sicherstellung eines nahtlosen Übergangs ausüben, hiess es weiter.
Dies zeigt, dass es eine einvernehmliche Lösung mit dem aktuellen Finanzchef gibt. Andernfalls wäre er sofort freigestellt.
Goodwill ungeschickt verteilt
Schmucki kam im Jahr 2017 zu SIX und spielte somit eine wichtige Rolle in den Verlustjahren der SIX Group.

Diese hatten teils die Milliardenhöhe überschritten und betrafen die Beteiligung auf den Zahlungsdienstleister Worldline, aber auch die Übernahme der spanischen Börse in Madrid BME.
Bei Spanien waren die sogenannten Cashgenerating Units so festgelegt worden, dass dem Betreiber von Finanzinfrastruktur der Goodwill von 340 Millionen Franken um die Ohren flog.
Wertverlust von 90 Prozent
Einstiger Verwaltungsratspräsident Thomas Wellauer hatte mit der Worldline-Transaktion praktisch nichts zu tun, weil sein Vorgänger Romeo Lacher dafür verantwortlich war.
Doch 2018, also genau in der Zeit von Finanzchef Schmucki, beteiligte sich SIX an dem französischen Zahlungsdienstleister Worldline.
SIX verkaufte den Franzosen ihr umsatzstarkes Kartengeschäft für 2,3 Milliarden Euro und zahlte aber teils in eigenen Aktien, die nun stark an Wert verloren.
Im Sommer 2021 lag der Wert bei über 80 Euro je Titel, nunmehr liegt der Kurs bei 1.50 Euro je Aktie.
Mandat in Paris bleibt vorerst
Die SIX war zunächst Grossaktionär mit 27 Prozent bei Worldline und reduzierte den Anteil später.
Eine Kapitalerhöhung machte SIX zuletzt auch nicht mehr mit, womit gleich nochmals Verluste von 550 Millionen Franken anfielen, weil die Beteiligung nicht mehr als strategisch angesehen wird.
Bei Worldline darf Schmucki aber noch weiter einen der zwei SIX-Sitze im Aufsichtsrat behalten, wie Medien berichteten.
Von CS zur SIX
Der neue Verwaltungsratspräsident Helfenstein, der von der Krisenbank Credit Suisse (CS) kommt, räumt nun aber die «Altlast» CFO bei der SIX auf.
Beobachter hatten sich ohnehin gewundert, dass Schmucki nach all den hohen Verlusten über Jahre immer noch weiter im Amt verblieben war.
19.01.2026/kut.





