
Die Schweiz wundert sich über die stärkere Zuwanderung. Doch die Probleme dafür liegen bei ihr und nicht im Ausland, wie ein Lohnvergleich zeigt.
Das Vorstellungsgespräch bei einem Basler Pharmakonzern nahm eine rasche Wendung, als der Bewerber aus Portugal nach seinen Gehaltsvorstellungen gefragt wurde.
Zu niedrige Lohnforderungen
Wenn er in der Schweiz 1000 Franken pro Monat bekäme, würde er seine Forschungsstelle an der portugiesischen Universität sofort verlassen, erklärte der promovierte Naturwissenschafter.
Der Portugiese machte zudem klar, dass er mit einem Schweizer Jahresgehalt von rund 13.000 Franken glücklich wäre, denn dies seien rund 40 Prozent mehr, als er momentan in seiner Heimat verdiene.
Die Firmenverantwortlichen rieben sich schon die Hände.

Unklar schien dem Bewerber dabei wohl, dass er mit einem solchen Minisalär, in der Schweiz weder eine kleine Bleibe noch die obligatorische Grundversicherung bezahlen könnte.
Doch Schweizer Firmen nutzen solches Unwissen derzeit nicht selten aus, wie muula.ch aus zahlreichen Schilderungen weiss.
Diskriminierung bei Entlohnung
Klar werden die Arbeitgeber beim Jahresgehalt schon noch etwas drauflegen, damit Mitarbeitern überhaupt ein Leben in der Schweiz möglich ist.
Doch an die Gehälter der bestehenden Mitarbeiter kommen neue Mitarbeiter selten heran.
Schweizer Firmen zahlen Ausländern sogar nachweislich weniger, wie das Bundesamt für Statistik BFS vor wenigen Tagen bekanntgab.
Rund 20 Prozent weniger
In der Gesamtwirtschaft sei der monatliche Medianlohn der Arbeitnehmer mit Schweizer Staatsangehörigkeit im Jahr 2024 höher als jener von Ausländern gewesen, teilten die Statistiker mit.
Konkret betrug das Schweizer Salär 7480 Franken pro Monat, während ausländische Arbeitnehmer hierzulande nur 6235 Franken monatlich nach Hause trugen.
Diese Lohndifferenz von fast 20 Prozent zugunsten der Schweizer Arbeitnehmer sei bei sämtlichen Aufenthaltskategorien um Grenzgänger, B- und Kurzaufenthalter beziehungsweise Niedergelassene (C-Bewilligung) zu beobachten gewesen, hiess es weiter.
Firmen schauen auf Kosten
Lediglich bei Stellen mit hohem Verantwortungsniveau sei der Lohn ausländischer Arbeitnehmer höher ausgefallen als bei Schweizer Arbeitnehmenden, machte das BFS klar.
Die Rede ist dabei jedoch von CEOs, Finanzchefs & Co., die oft Hollywoodgagen nach Hause tragen und Einzelfälle sind.

Bei Stellen ohne Führungsverantwortung verdienten Schweizer mit 6765 Franken auch mehr, als ausländische Grenzgänger und solche mit einer Aufenthaltsbewilligung, die lediglich 5970 beziehungsweise 5421 Franken pro Monat bekamen.
Auch hier liegen die Unterschiede um die 20 Prozent.
Lohndiskriminierung besteht in der Schweiz also selten zwischen Männer und Frauen, weil Arbeitgeber sonst logischerweise nur Frauen einstellen würden.
Lohndiskriminierung besteht bei gleichen Qualifikationen zu Ausländern.
Wandel auf Kosten der Sozialwerke
Nun stiegen zuletzt die Arbeitslosenquoten von Ausländern stärker als jene von Schweizern, wie muula.ch berichtete.
Schweizer Firmen stellen also mit dem liberalen Arbeitsmarkt vermehrt ausländische Arbeitnehmer auf die Strasse. Doch genau daran zeigt sich das Problem der Schweizer Volkswirtschaft.
Firmen substituieren bestehende Arbeitsverhältnisse durch neue Ausländer, die noch günstiger sind, und stellen teures Stammpersonal dann langfristig in die Sozialwerke.
Karussell dreht sich weiter
Damit dies nicht passiert, muss sich die Schweiz neue Mechanismen bei der inländischen Beschäftigung überlegen.
Schweizer wollen ohnehin immer weniger arbeiten, weshalb praktisch nur das Ausland als Lösung für die Wirtschaft bleibt.
Einzelne Firmen sollen sich aber nicht auf Kosten der Allgemeinheit noch günstigeres Personal aus dem Ausland holen können.

Den Bewerbern, wie den Portugiesen bei dem Basler Pharmakonzern, kann man nicht verübeln, dass sie mit Gehaltserhöhungen von 40 Prozent im Vergleich mit ihren Heimatländern zufrieden sind.
Schweizer Unternehmen müssen dagegen Verantwortung übernehmen oder der Schweizer Staat sollte sie für die verursachten Gesamtkosten ihres Tuns zur Kasse bitten.
08.07.2026/kut.



