
Die Schweiz hat den Überblick über ihre Militärausgaben vollkommen verloren. Dies zeigt sich besonders bei der Beschaffung des US-Kampfjets F-35.
Wer die Transparenz einer Sache verschleiern will, greift zu einer Schere.
Diesen alten Kniff wendet die Schweiz mittlerweile regelmässig an.
Ein Puzzle produzieren
So zerschnipselt die Schweiz die Aufarbeitung der Corona-Pandemie, die Analyse zum Untergang der Credit Suisse, die Veräusserung von alten Leopard-1-Panzern an Deutschland durch den Rüstungsbetrieb Ruag, das neue EU-Verhandlungspaket und nun auch die Beschaffung der Kampfjets F-35.
Damit versteht kaum noch jemand alles, doch es suggeriert Transparenz. Brisantes wird dabei nicht selten in Unterdokumente ausgelagert.
Die Medien haben ohnehin kaum noch Ressourcen, ein Puzzle, das hunderte Kommunikationsbeauftragte über Tage und Wochen zerkleinert haben, wieder zusammenzusetzen, um das Volk korrekt zu informieren.
Zu nächtlicher Stunde publizieren
Wie viel kostet die Schweiz insgesamt der Kauf der Kampfjets von den USA? Auf diese Frage gibt es keine einfache Antwort.
Die Transparenz fehlt für die Öffentlichkeit, wie eine Präsentation für die Bevölkerung rund um die Militärflugplätze Meiringen, Payerne und Emmen eindrücklich zeigt.
Diese wichtigen Informationen publizierte der Bund am Montagabend nach 21 Uhr, was eine sehr ungewöhnliche Zeit ist.
Gleichzeitig gab das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) einige Details zum raumplanerischen Verfahren für das Betriebsreglement und zum Sachplan für die Beschaffung des F-35A bekannt.
Jahresbetrachtung entscheidet
Die Luftwaffe rechnet beim F-35A pro Jahr mit durchschnittlich 4200 Starts/Landungen in Payerne, 2040 Starts/Landungen in Meiringen und 1090 Starts/Landungen in Emmen.
Der F-35A ist zwar bei einem Einzelereignis wie einem Start lauter als die bisherigen Flugzeuge F/A-18 und F-5.
Die Jahresbelastung bleibt laut dem VBS aber in etwa auf dem bisherigen Niveau, da die Flugbewegungen mit dem F-35A aufgrund der Nutzung von Flugsimulatoren und längerer Flugzeiten für bestehende Flüge rund um die Hälfte reduziert werden können.
Infos an vielen Orten
Doch wegen der höheren Lärmbelastungen müssen bei den Anwohnern vielerorts Schallschutzfenster eingebaut werden, deren Kosten der Bund zu tragen hat.
Die Planungen zum Einbau erfolgten voraussichtlich ab dem Jahr 2027, hiess es nun.
Den Verpflichtungskredit von 30 Millionen Franken dazu habe der Bundesrat beim Parlament mit der Armeebotschaft 2026 beantragt. Die Betonung liegt auf «mit».

Wer nämlich in die Armeebotschaft 2026 schaut, um die Kosten zu suchen, stösst nur auf ein Puzzle.
Die ursprüngliche Beschaffung von 36 F-35 Kampfjets von Lockheed Martin ist zwar als ein Punkt angegeben. Doch die Massnahmen zum Schallschutz sind nicht explizit der F-35-Beschaffung zugeordnet, weil sie andern Orts geplant werden.
Ein Zusatzkredit von 394 Millionen Franken betraf unlängst zudem bloss die Preiserhöhungen der reduzierten Zahl von 30 Kampfflugzeugen.
Dies, damit das vom Volk genehmigte Finanzvolumen eingehalten werden kann.
Salamitaktik pur
Hinzu kamen Mehrkosten bei den Umbauten an den Militärflughäfen, wie die Eidgenössische Finanzkontrolle EFK warnte.
Der überarbeitete Kostenvoranschlag des Bauprojekts vom März 2025 zeige prognostizierte Kosten von 200 Millionen Franken, hiess es von den Finanzprüfern, obwohl der Bund nur mit 120 Millionen Franken gerechnet hatte.
Die EFK identifizierte zusätzliche Projekte im Umfang von über 50 Millionen Franken, die in sachlichem und zeitlichem Zusammenhang mit dem Vorhaben stünden, hiess es sogar kritisch.
Da kommen also noch weitere Belastungen nach.
Hebelwirkung über Dollarkurs
Und so geht das bei der Drohnenbeschaffung aus Israel, bei den Patriot Luftabwehrsystemen und und und.
Ohnehin hatte der Bundesrat beim F-35A mit einem Wechselkurs von 0,95 Franken pro Dollar gerechnet, wie aus der Armeebotschaft 2022 hervorgeht. Doch wer weiss das schon noch.
Mittlerweile rechnet die Eidgenossenschaft mit 0,80 Franken je Dollar, was eigentlich schon 20 Prozent an Mehrkosten bei der Beschaffung des F-35A bedeuten.
Die Währungsverschiebung mit dem stärkeren Schweizerfranken hätte den Kauf aus den USA eigentlich günstiger machen müssen.
Aufwand lange bekannt
Und nun kommen nochmals 30 Millionen Franken für den Schallschutz der Anwohner der Schweizer Militärbasen hinzu, die vom F-35 betroffen sind.
Im Februar 2022 war allerdings in einem Gutachten der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Empa mit dem Hersteller Lockheed Martin zur Lärmbelastung des F-35A schon längst vom Einbau von Schallschutzfenstern die Rede gewesen.
Die Kosten dafür hätten dem Volk also viel früher unter die Nase gerieben werden müssen.
Doch der Bund will die Beschaffung der Kampfjets so intransparent wie nur möglich gestalten, weshalb die Bundesbeamten bei diesem Thema regelmässig zur Schere greifen.
21.04.2026/kut.





