
Der Schweizer Staatssender SRG hat aus einem vertraulichen Gespräch eine grosse Story gemacht. Doch dies wirft den Journalismus gewaltig zurück.
Von Rico Kutscher
Damit irgendwo Vertrauen entsteht, müssen verschiedene Bedingungen erfüllt sein.
Eine Voraussetzung für Vertrauen zwischen Personen lautet, dass die Möglichkeit zu einem Geheimnis besteht.
Für bessere Einordnung geschaffen
Daher gibt es im Journalismus die «off-the-record»-Regel, bei der Medienschaffende erhaltene Informationen nicht publizieren dürfen.
Davon zu unterscheiden ist das Hintergrundgespräch, welches es Journalisten erlaubt, die Informationen zu verwenden, aber die Quelle nicht preiszugeben.
Diese Regeln wurden eingeführt, um Medienschaffende zu besseren Kommentaren zu befähigen, weil oftmals Informationen zum Gesamtbild fehlen, um eine Situation korrekt zu erfassen.
Daher gehen Journalisten zu «off-the-record»-Anlässen, um etwas besser zu verstehen und einordnen zu können.
Kopfschütteln über Nationalbank
Klar, wird dieses Regelwerk von den Kommunikationsverantwortlichen mittlerweile ad absurdum geführt.
Sie klassifizieren immer mehr Anlässe als strikt «off-the-record», um eine kritische Berichterstattung zu verhindern.
Dies ist beispielsweise am vergangenen Freitag bei der Schweizerischen Nationalbank SNB passiert, welche ihre Repro-Tagung überraschenderweise für einige, aber nicht alle Journalisten kurz vor Beginn als einen solchen «off-the-record»-Event klassifizierte.
Mängel bei der Nationalbank
Warum die Schweizer Zentralbank dies tat, weiss niemand so genau. Teils erfolgte der Maulkorb sogar erst nach dem Anlass, was ein Unding ist.
In den vergangenen Jahren war diese regelmässig stattfindende Veranstaltung nicht als geheim eingestuft, und auch diesmal gab es in der Einladung keinen Hinweis auf einschränkende Bedingungen für die Presse.
Vielleicht hatte die SNB auch einfach nur keine Lust, jemanden von der Medienstelle an einem Freitag in ein Zürcher Luxushotel zu entsenden und auf ein paar interessierte Journalisten aufzupassen.
Nationaltrainer verliert Job
Für den Schweizer Staatssender SRG ist die Sache um «off-the-record» nun allerdings zu einem Fiasko ausgeartet.
Ein SRG-Journalist machte aus einer «off-the-record»-Information um ein gefälschtes Covid-Zertifikat einen öffentlichen Skandal, sodass der Schweizerische Eishockeyverband den Eishockey-Nationaltrainer Patrick Fischer wegen der Urkundenfälschung entliess.
Strafbefehl nach Treffen angefordert
Dafür hätten die Staatsjournalisten aber korrekterweise nachweisen müssen, dass sie das Vergehen mit dem gefälschten Covid-Zertifikat auf anderen Wegen als dem vertraulichen Treffen mit dem Betroffenen erfahren haben.
Die SRG-Journalisten nutzten allerdings das Eingeständnis von Fischer zu einer praktisch unwesentlichen Straftat aus der Zusammenkunft und forderten bloss den Strafbefehl bei den Justizbehörden an.
Damit haben sie die Einladungsregel zum Treffen klar verletzt.
Journalisten als Geheimnisträger
Was heisst dies für die künftige Pressearbeit?
Das Vertrauen in Journalisten ist wieder ein Stück abhandengekommen. Vertrauen entsteht, wo die Möglichkeit zu einem Geheimnis besteht. Das ist für die SRG nun aber für immer zerstört.
Gute Journalisten tragen viele Geheimnisse und plaudern diese nicht leichtfertig für eine Story aus.
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19.04.2026/kut.





