
Obwohl das Kernkraftwerk Gösgen 2025 weniger als halb so viel Strom lieferte als im Vorjahr, stieg der Gewinn. Das Phänomen ist systematisch.
Wie kann man über ein halbes Jahr lang keine Leistung erbringen und doch mehr verdienen?
Dieses Phänomen zeigt das Kernkraftwerk Gösgen-Däniken im Geschäftsjahr 2025.
8 Prozentpunkte im Land weniger
Am 30. Juni 2025 war die 32-tägige Jahresrevision erfolgreich abgeschlossen worden, doch aufgrund eines Befunds zu möglichen Überlastungen im Speisewasser-Rohrleitungssystem blieb das Werk seither in einem abgeschalteten Zustand, wie muula.ch berichtete.
Das Kernkraftwerk Gösgen produzierte im Jahr 2025 mit 3,4 Milliarden Kilowattstunden weniger als halb so viel Energie wie im Vorjahr, wie die Betreibergesellschaft am Montagabend mitteilte.
2024 waren es rund 8 Milliarden Kilowattstunden gewesen.

Während das Atomkraftwerk also in den vergangenen Jahren regelmässig rund 13 Prozent des Schweizer Stroms lieferte, produzierte das Gösgen nunmehr nur noch 5 Prozent des in der Schweiz produzierten Stroms.
Vervielfachung der Kosten
Doch dann kommt das Phänomen, dass der Gewinn für das abgelaufene Geschäftsjahr um rund 1 Prozent auf 28,8 Millionen Franken zulegte.
Die Jahreskosten explodierten förmlich auf 299,8 Millionen Franken, nach 132 Millionen Franken im Jahr 2024.
Der effektive Produktionspreis lag bei 8,75 Rappen je Kilowattstunde, statt bei 1,65 Rappen je Kilowattstunde wie im Jahr 2024.
Kosten auslagern
Als Grund für den Gewinnanstieg gab die Firma die Organisation als Partnerwerk an.
Diese zeichne sich dadurch aus, dass die Aktionäre die gesamte Energieproduktion übernehmen und im Gegenzug die sich ergebenden Jahreskosten anteilig tragen und den entsprechenden Anteil an Strom zu Gestehungskosten erhalten.

Ein Grossteil der Wertschöpfung und der möglichen Verluste findet somit nicht am Standort der Partnerwerke statt, sondern an den Standorten der Aktionäre.
Zu denen zählen laut dem Geschäftsbericht des Vorjahres Alpiq, Axpo, CKW, ewb und die Stadt Zürich. Die aktuelle Jahresrechnung hält das Unternehmen noch geheim.
Verschieben der Wertschöpfung
Der ausgewiesene Gewinn diene am Standortkanton des Werks als Bemessungsgrundlage zur Steuerberechnung, hiess es weiter.
Der Verwaltungsrat beantrage der Generalversammlung, zumindest auf die Auszahlung einer Dividende zu verzichten.
Egal, wie sich also die Stromproduktion im Kernkraftwerk Gösgen entwickelt, die Wertschöpfung findet einfach an einem anderen Ort statt. Trotzdem fallen im Kernkraftwerk ganz normal die Gewinne an, als wäre nichts gewesen.
Es ist alles verschachtelt und vermischt, denn die Eigner sind grösstenteils selbst wieder Energieproduzenten.
Die Intransparenz der Schweizer Stromwirtschaft lässt da also besonders grüssen. Mit der Quasi-Stilllegung des Atomreaktors fällt es nun aber auf.
17.03.2026/kut.





