
Nach seinem Rücktritt als Chef der Schweizer Zentralbank sucht Thomas Jordan plötzlich neue Beschäftigungen. Dabei verirrt er sich aber immer mehr.
Wer Thomas Jordan bei seinem Ausscheiden als Präsident der Schweizerischen Nationalbank SNB gefragt hat, was er denn künftig machen wolle, hat stets die gleiche Antwort erhalten.
Mandat in Finanzindustrie
Ihm werde schon nicht langweilig, sagte er immer mit einem breiten Lächeln und liess sich – wie schon als Notenbanker stets – nicht in die Karten schauen.
Dann zog er kurze Zeit später in den Verwaltungsrat des Versicherungsriesen Zurich Insurance Group ein, was schon für Stirnrunzeln gesorgt hatte.
Wie kann ein Nationalbankpräsident nach seinem Ausscheiden nur in die Privatwirtschaft gehen und sogar noch ein Mandat in der Finanzindustrie annehmen, rümpften viele die Nase.
Der Versicherungskonzern lobte aber Jordans umfangreiche internationale Erfahrung in den Bereichen Finanzmärkte und Geldpolitik, die es im Aufsichtsgremium offenbar brauchte.
Wissenschaftlichem Touch verleihen
Doch damit war es nicht genug.
Das SNB-Eigengewächs Jordan zog unlängst noch in den Stiftungsrat des Instituts für Wirtschaftspolitik IWP an der Universität Luzern ein, wobei von dort öffentlich nicht mal die Finanzierung vollständig bekannt ist und das Ganze dadurch völlig intransparent erscheinen lässt.
Die Einrichtung des IWP ist eine von rechten Kreisen der Schweiz geförderte pseudowissenschaftliche Institution, die versucht, ihre Propaganda mit wissenschaftlichem Touch zu verbreiten.
Was Jordan dort zu suchen hat, fragten sich viele, obwohl der 1963 geborene Professor seit seinem Ausscheiden bei der SNB oft an Vorträgen des IWP gesehen wurde.
Finanzmärkte und Geldpolitik nötig?
Fast sprachlos wurden Wirtschaftsexperten am heutigen Mittwoch.
Der taumelnde Nahrungsmittelkonzern Nestlé gab überraschend bekannt, Ex-SNB-Präsident Jordan an der Generalversammlung vom 16. April 2026 in den Verwaltungsrat wählen zu wollen.
Jordan bringe herausragende Führungserfahrung mit, hiess es zur Begründung.
Mit seinem umfassenden Verständnis der globalen Wirtschaft, würden finanzielle und strategische Kompetenzen bei Nestlé verstärkt.
Kontrollfreak bei der SNB
Wer Jordan kennt, weiss allerdings, dass gerade seine Führungskompetenzen zu wünschen übriglassen.
Er ist ein Kontrollfreak und will sich um jedes Detail selberkümmern.
Für einen Verwaltungsrat geht so etwas eigentlich nicht, denn aus der operativen Tätigkeit hält sich dieser bekanntermassen heraus.
CS-Untergang herbeigeführt
Strategischen Weitblick hat Jordan ebenfalls eher keinen, denn sonst hätte er der Krisenbank Credit Suisse (CS) uneingeschränkt Liquidität gegeben.
Doch er hat die Notfusion der CS mit der UBS forciert und sich dann klammheimlich aus dem Staub gemacht.
Strategische Kompetenz hätte allerdings ergeben, dass die Schweiz dringend zwei Grossbanken braucht.
Jordan liess sich jedoch von Finanzministerin Karin Keller-Sutter quasi am Gängelband führen und die SNB erklärte allen Ernstes, die CS hätte kein tragbares Geschäftsmodell, weshalb die Schweizer Nationalbank den Stecker gezogen habe.
Niemandem Rechenschaft schuldig
Doch dies entspricht keinesfalls dem Mandat der Schweizer Zentralbank.
Nestlé will mit Jordans Einzug in den Verwaltungsrat die Corporate Governance stärken.
Das Gegenteil ist jedoch der Fall, weil Notenbanken durch ihre Unabhängigkeit einen gewissen Grad an Narrenfreiheit geniessen und quasi niemandem Rechenschaft über ihr Tun ablegen müssen.
Ein Ex-Nationalbankpräsident und Akademiker hat aber keinerlei Ahnung, wie man einen internationalen Grosskonzern zu beaufsichtigen hat.
Doch mit dem Pensionärsdasein will sich Jordan nicht zufriedengeben und den Lebensabend nach seiner Herz-Operation gemütlich geniessen.
18.02.2026/kut.




