SNB warnt vor neuer Gefahr am Finanzplatz Schweiz

Gebäude der Schweizerischen Nationalbank in Zürich mit Inschrift
Die SNB bereitet die Finanzwelt auf ein neues Risiko vor. (Bild: muula.ch)

Die Schweizerische Nationalbank SNB hat in ihrem Geschäftsbericht auf ein neues Risiko hingewiesen. Die Finanzinstitute müssen schon handeln.

Die Lektüre von Geschäftsberichten ist zwar in den Hintergrund geraten, weil oft nicht viel Neues drinsteht.

Doch wer den unlängst publizierten Geschäftsbericht 2024 der Schweizerischen Nationalbank SNB genau liest, stösst auf eine Risikowarnung für den Finanzplatz Schweiz.

Verschlüsselung kompromittiert

«Die Nationalbank formulierte in ihren Stellungnahmen u. a. die Erwartung, dass sich alle Finanzmarktinfrastrukturen bereits jetzt mit den Gefahren befassen, die von Quantencomputern ausgehen können», steht auf Seite 107 zu lesen.

Konkret gehe darum, dass deren hohe Rechenleistung die Sicherheit der aktuell verwendeten Verschlüsselungsalgorithmen kompromittieren werde, mahnte die SNB.

Davon sind also nicht nur Kundendaten betroffen, die verschlüsselt auf irgendwelchen Computern liegen, sondern auch Passwörter, selbst 12- oder 24-stellig, könnten binnen Sekunden geknackt werden.

Handelsplätze auch betroffen

Finanz­marktinfrastrukturen sollen deshalb Konzepte erstellen, die aufzeigen, wie sie sich auf die Post-Quanten-Kryptographie vorbereiten, forderte die Schweizer Zentralbank von Geldhäusern, wie der UBS, Raiffeisen, Zürcher Kantonalbank ZKB & Co.

Allerdings sind bei Finanzmarktinfrastruktur auch Versicherungskonzerne oder die Handelsplätze, wie die Schweizer Börse SIX, betroffen.

Die ganze Wertschöpfungskette der Finanzindustrie inklusive Eidgenössische Finanzmarktaufsicht Finma ist also tangiert.

Nordwestschweiz schreitet voran

Im Dezember 2024 wurde auf dem Innovationscampus in Basel der erste Quantencomputer der Schweiz in Betrieb genommen.

Die neue Technologie hat sich also von einem «Science-Fiction-Thema» zu einer wissenschaftlichen Realität entwickelt und wird bald den ersten Schritt vom Labor in die Industrie machen.

Die Gefahr, auf welche die Nationalbank hinweist, ist also keine Zukunftsmusik mehr. Die Finanzinstitute des Landes müssen sich klar darauf einstellen.

Chancen im Portfoliomanagement

Die Schweizerische Bankiervereinigung SBVg griff daher unlängst das Thema Quantencomputing auf und publizierte einen Expertenbericht. Die Technologie stelle sowohl eine Chance als auch eine Herausforderung dar, hiess es dort.

Mit der Fähigkeit, komplexe Berechnungen und Simulationen effizienter und präziser durchzuführen, eröffneten Quantencomputer neue Anwendungsmöglichkeiten, etwa im Risiko- oder Portfoliomanagement, im algorithmischen Trading oder beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz KI.

In Zukunft könnten Quantencomputer in der Lage sein, einzelne Marktakteure oder ganze Teilmärkte nahezu in Echtzeit zu überwachen und zu analysieren, hiess es weiter.

Spätere Auswertung als Problem

Nebst Chancen schaffe Quantum Computing auch neue Risiken, die insbesondere mittels Anpassung an quantensichere Verschlüsselungsverfahren adressiert werden müssten, erklärte allerdings die SBVg weiter.

Aufgrund der Risiken durch sogenannte «Harvest now, decrypt later»-Angriffe und der langen Vorlaufzeit zur Einführung quantensicherer Kryptographie stelle Quantum Computing schon jetzt eine ernstzunehmende Herausforderung dar.

Cyberkriminelle stehlen also jetzt Daten, die sie später mit der neuen Technologie auswerten können.

Gegenwehr in Arbeit

Selbst für die sekundenschnelle Entschlüsselung von Passwörtern, welche wohl die grösste Gefahr für den Finanzplatz Schweiz darstellt, gibt es aber laut dem Expertenpaper bereits Lösungsansätze für quantensichere Kryptographie.

Aus all dem folgt, dass sich manchmal sogar die Lektüre des Geschäftsberichts einer Nationalbank lohnt, um mehr über die Chancen und Risiken von Geschäftsbanken zu erfahren.

23.03.2025/kut.

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