Siemens und Stadler raufen sich plötzlich zusammen

S-Bahn-Züge für Kopenhagen
Die Dänische Staatsbahn gibt Milliardenauftrag an zwei Firmen. (Bild: PD)

Zwischen Siemens Mobility und Stadler Rail herrscht eigentlich erbitterte Rivalität. Doch nun zeigen die Firmen, dass es auch anders geht.

Die Medieninformation zum weltgrössten Bahnsystem mit automatisiertem Zugbetrieb hatte es in sich.

Zwei Konkurrenten, nämlich Siemens Mobility und Stadler Rail, schlossen sich plötzlich zu einem Konsortium zusammen, wie es im Communiqué vom Freitag hiess.

226 Triebzüge plus Option

Die beiden Anbieter von Zügen kämpfen derzeit um einen Grossauftrag von den Schweizer Bundesbahnen SBB im Wert von 2 Milliarden Franken.

Stadler Rail klagt dabei sogar vor dem Bundesverwaltungsgericht, weil der Entscheid von den SBB nicht mit rechten Dingen zugegangen sein soll.

Mitten in diesem «Zürcher Kleinkrieg», weil es bei dem Streit hauptsächlich um die S-Bahn in Zürich geht, formieren sich nun allerdings beide Konkurrenten urplötzlich als Partner.

Die Dänischen Staatsbahnen (DSB) unterschrieben einen Rahmenvertrag mit dem Konsortium aus Siemens Mobility und Stadler Rail über die Lieferung von 226 vollautomatisierten vierteiligen Triebzügen in ikonischem Design, hiess es in der Medieninformation.

Hinzu komme eine Option auf bis zu 100 weitere Züge, hiess es sogar.

Endmontage bei Stadler Rail

Die Flotte werde das weltweit grösste offene Bahnsystem mit automatisiertem Zugbetrieb schaffen und das Gesamtvertragsvolumen für das Konsortium liege bei rund 3 Milliarden Euro.

Siemens Mobility übernimmt laut den Angaben als Konsortialführer die elektrische Ausrüstung, einschliesslich Antriebs- und Bremstechnik, Bordstromversorgung, Fahrzeug- und Zugsteuerung, Fahrgastinformationssystem sowie Drehgestelle.

Stadler Rail liefert die Wagenkästen, die Kupplungen, die gesamte Innenausstattung und Sitze, Klimaanlagen sowie Türen und übernimmt zudem die Endmontage der Züge.

DSB kauft neue S-Bahn-Züge für Kopenhagen
Neue S-Bahn-Züge für Kopenhagen von Siemens und Stadler. (Bild: PD)

Siemens Mobility sei zudem mit einem Service- und Wartungskonzept beauftragt, das Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit für mindestens 30 Jahre sicherstelle, sowie die Bereitstellung aller IT-Anforderungen umfasse.

Präsenz in Nordeuropa stärken

Die ersten Fahrzeuge sollen ab 2032 in Betrieb gehen. Anschliessend würden alle weiteren Fahrzeuge kontinuierlich bis 2040 an DSB ausgeliefert.

Die 56 Meter langen Züge verfügen über 120 Sitzplätze, 36 Klappsitze und etwa 300 Stehplätze. Sie bieten damit ausreichend Kapazität für das stark frequentierte S-Bahn-Netz in Kopenhagen.

Der Auftrag habe grosse strategische Bedeutung und werde Stadler Rail dabei unterstützen, die Präsenz in Nordeuropa weiter auszubauen, erklärte der Zugbauer aus Bussnang TG.

Gleich Schweizer bevorzugen?

Die ganze Klagerei von Stadler Rail unter der Führung von Unternehmer und Ex-SVP-Nationalrat Peter Spuhler über den «verlorenen» SBB-Auftrag sorgte ohnehin für viel Stirnrunzeln.

Die SBB sollen mit dem Theater laut Beobachtern wohl dazu gebracht werden, beim nächsten Grossauftrag keine Lust mehr auf solche Wellen in der Öffentlichkeit zu verspüren und dem Schweizer Anbieter den Vortritt zu geben.

Doch statt erbittert vor Gericht zu kämpfen, zeigen die beiden Konzerne nun ein anderes Bild.

Einmal gewinnt der eine, einmal gewinnt der andere und manchmal gewinnen sie eben zusammen.

07.02.2026/kut.

Siemens und Stadler raufen sich plötzlich zusammen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert