
Hartnäckig hält sich die Vorstellung, dass Börsengänge in den USA besser als in Europa seien. Doch die Schweizer Börse SIX hält da mit Argumenten dagegen.
Der Entscheid zu einer Börsenkotierung fällt schon nicht leicht.
Wer auf das raue Parkett der Finanzmärkte geht, muss sich dies wegen der Kosten, der Komplexität und des regelmässigen Reportings gut überlegen.
Zusammenfassung wesentlicher Punkte
Doch hinzu kommt allerdings noch die schwierige Frage, wo sich der Emittent kotieren soll.
Dafür hat die Schweizer Börse SIX zusammen mit der renommierten Anwaltskanzlei Homburger einen Leitfaden erstellt, wie der grösste Börsenbetreiber des Landes am heutigen Mittwoch bekanntgab.
Es soll neben Kotierungsvoraussetzungen unter anderem aber auch bei Mythen aufräumen, dass es in den USA einen besseren Zugang zu Investoren gebe und auch die Liquidität sowie die Abdeckung durch Analysen besser wäre.
Indirekter Zugang zu US-Investoren
Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass die Schweiz im Vergleich zu den USA für ein Initial Public Offering (IPO) sehr gut abschneide, hiess es etwas eigennützig.
Um Zugang zu US‑Investoren zu erlangen, sei nicht einmal eine Kotierung in den USA erforderlich, hiess es beispielsweise weiter.
Eine Kotierung bei SIX Swiss Exchange ermögliche es Firmen, institutionelle Käufer in den USA über ein Angebot nach Rule 144A anzusprechen.
Dies erlaube den Verkauf von Wertschriften an Institutionelle, ohne aber eine Registrierung bei der US‑Börsenaufsichtsbehörde SEC zu haben.
Bessere Handelseffizienz
Gleichzeitig verfüge die Schweiz über einen der grössten Kapitalpools von Investoren in Europa – mit einem Volumen von 207 Milliarden Dollar.
Dies liege nach Grösse lediglich hinter Grossbritannien, klopfte die SIX der Schweiz auf die Schultern.
Ein weiteres Missverständnis sei, dass die USA im Vergleich zu Europa eine unerreichte Liquidität bieten.

In Wirklichkeit werde der Unterschied der Liquidität zwischen den führenden US‑Börsen und ihren europäischen Pendants überschätzt.
Europäische und Schweizer Märkte liefern zudem durchgängig engere Spannen zwischen Geld- und Briefkursen als US‑Börsen – ein wesentlicher Indikator für die Handelseffizienz.
Mythos höherer Bewertungen
Die Differenz bei der Analyseabdeckung zwischen den USA und Europa sei ebenfalls gering.
Auswertungen zeigten, dass kleinere ausländische private Unternehmen in den USA nicht automatisch von einer breiteren Abdeckung von Finanzanalysten profitierten.

Ohnehin seien die Bewertungen in den USA auch nicht höher als in der Schweiz.
Gute Konzerne könnten gerade an der SIX auch ein Premium bei der Unternehmensbewertung erzielen, hiess es. Europäer verstehen da oftmals das Geschäftsmodell besser und greifen vermehrt zu.
Weniger Regulierung bedenken
And last, but not least: Auch wenn die Schweiz zu den teureren Ländern der Welt zählt, seien die Kosten für einen Börsengang bei SIX Swiss Exchange im Vergleich zu anderen führenden Märkten relativ gering.
Die Emissionsgebühren lägen – trotz jüngster Preiserhöhungen an der SIX – in der Schweiz zwischen 2 und 5 Prozent des Bruttoerlöses, während sie in den USA im Durchschnitt zwischen 4 und 7 Prozent betragen.
Kosten für Rechtsberatung und Aufwände für die Einhaltung regulatorischer Vorschriften würden zudem durch den verhältnismässigen, prinzipienbasierten Regulierungsrahmen der Schweiz begrenzt.
Geringere Haftungsrisiken
All dies führe zu einem vorhersehbareren und emittentenfreundlicheren Weg an die öffentlichen Märkte, hiess es weiter.
Gleichzeitig sinken laut SIX und der Wirtschaftskanzlei Homburger dadurch die Ausführungs- und Haftungsrisiken für die Emittenten.
Die Frage, ob in der Schweiz oder in den USA kotieren, ist also nicht so leicht zu beantworten. Doch dabei dürfen sich Firmen nicht von Mythen leiten lassen.
Wie muula.ch unlängst berichtete, ging ein kleines Unternehmen aus der Ostschweiz unlängst sogar in Saudiarabien erfolgreich an die Börse.
04.02.2026/kut.





