Lindt & Sprüngli treffen ökonomische Gesetze

Chocolatier von Lindt Sprüngli mit Weihnachtsschokolade
Wird Lindt-Schokolade zum Ladenhüter? (Bild: PD)

Die Schokoladenindustrie leidet unter hohen Rohstoffpreisen und deshalb erhöht sie ihre eigenen Verkaufspreise. Doch dies bleibt nicht ohne Folgen.

Wer derzeit durch Schweizer Detailhändler wie Coop, Migros, Globus, Manor, Denner & Co. geht, wird von den Rabattangeboten auf Weihnachtsschoggi regelrecht überflutet.

Lange Abverkaufszeiten

Überall gibt es 50 Prozent und teils mehr auf Lindor-Kugeln, Lindt-Pralinen, Cailler-Tafeln oder auf die Frey-Schoggi.

Doch laut Experten hätte der Abverkauf der Weihnachtsware schon längst abgeschlossen sein müssen.

Diesmal ziehen sich die Rabattaktionen trotz gigantischer Preisnachlässe aber schon bis Mitte Januar hin, was ungewöhnlich sei.

Rückläufige Verkaufsmengen

Allerdings haben die Schokoladenfirmen im Jahr 2025 auch ihre Verkaufspreise stark erhöht, weshalb die Süsswaren selbst mit 50 Prozent an Rabatten für viele Schweizer immer noch viel zu teuer sind.

Steigen die Preise, geht bei vielen Gütern eben die Nachfrage zurück.

Der Kilberger Schokoladekonzern stellte deshalb auch tiefere Verkaufsmengen in der gesamten Schoggiindustrie fest, wie es zum Jahresauftakt in einer Mitteilung hiess.

Schock an der Börse

Gruppenweite Preiserhöhungen hätten bei 19 Prozent gelegen, erklärte Lindt & Sprüngli zur Preispolitik.

Damit legte der Umsatz 2025 aber «nur» um 8,2 Prozent auf 5,9 Milliarden Franken zu.

Währungsumrechnungen zum starken Schweizerfranken lagen bei -3,9 Prozent, was zeigt, dass mit den Preisaufschlägen die Verkaufsmengen deutlich in die Knie gegangen sind.

An der Börse gaben die Kurse von Lindt Partizipationsscheinen auch gleich um rund 4 Prozent nach.

Tag der Wahrheit im März

Lindt & Sprüngli sei aber zuversichtlich, für das Geschäftsjahr 2025 eine Steigerung der operativen Gewinnmarge auf Stufe Ebit im unteren Bereich von 20 bis 40 Basispunkten zu erzielen.

Im Jahr 2024 lag die Betriebsgewinnmarge immerhin bei 16,2 Prozent.

Rabattschlacht auf Lindt-Schokolade bei Coop
Rabattschlacht bei Coop. (Bild: muula.ch)

Erst Anfang März will der Konzern allerdings genau sagen, wie es unter dem Strich im vergangenen Geschäftsjahr aussah.

Schon jetzt ist aber klar, dass die Verbraucher mit einer geringeren Nachfrage auf die gestiegenen Preise reagieren.

Selbstgemachte Brownies zur Party

Bei Lindt & Sprüngli lässt sich dies besonders gut in den USA beobachten.

Trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten, Inflation und schwacher Konsumentenstimmung wuchs das Geschäft dort organisch um 8,9 Prozent auf umgerechnet 2,18 Milliarden Franken.

Rabattschlacht auf Weihnachtsschokolade bei Denner
Rabattschlacht beim Discounter von Migros, Denner. (Bild: muula.ch)

In erster Linie sei dies auf die erfolgreiche Einführung von Lindt Dubai Style Schokolade und das Backwarensegment bei Ghirardelli zurückzuführen, hiess es im Communiqué.

Letzteres sind hauptsächlich Backmischungen mit sogenannten Schoggi-Chips, etwa für Brownies, auf die Konsumenten dann eben statt teurer Schokolade setzen, wenn sie beispielsweise zu einer Kindergeburtstagsfeier gehen.

Verbraucher substituieren

Drehen Unternehmen zu stark an der Preisschraube, suchen sich die Konsumenten logischerweise Alternativen.

Dies musste unlängst auch der Schweizer Nahrungsmittelriese Nestlé bitter eingestehen, wie muula.ch berichtete.

Rabatt-Aktionen bei Manor in Basel
Rabattschlacht bei Manor (Bild: muula.ch)

Aufgrund exorbitanter Preiserhöhungen bei Nespresso, Cailler, KitKat & Co. gingen die Geschäfte spürbar zurück. Die Verantwortlichen hatten die sogenannte Preiselastizität der Nachfrage falsch eingeschätzt.

Nun muss der Konzern aus Vevey VD mit hohem Marketingaufwand versuchen, die Kundschaft wieder zurückzugewinnen. Doch dies belastet die Margen.

Griff zu günstigeren Produkten

In der Schoggi-Industrie ist nunmehr ein ähnlicher Effekt zu beobachten.

Viele Verbraucher gehen bei Coop, Migros, Globus, Manor, Denner & Co. an den 50-Prozent-Rabattschildern vorbei und greifen direkt zur viel günstigeren No-Name-Schokolade.

14.01.2026/kut.

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