
Der Krankenkasse CSS ist die Grundversicherung ein paar Nummern zu gross. Das Bundesamt für Gesundheit BAG drückt sich aber vor dem Einschreiten.
Die Luzerner Krankenkasse CSS hat erneut einen dreistelligen Millionenverlust in der Grundversicherung erwirtschaftet.
Das Minus im KVG lag diesmal bei 129,2 Millionen Franken, wie die CSS am heutigen Mittwoch bekanntgab.
Zehntausende Kunden gehen
Als Grund dafür gab die Krankenkasse die anhaltend steigenden Leistungskosten an.
Die von Philomena Colatrella geführte Krankenversicherungsgruppe hatte 2023 aber bereits im KVG-Bereich einen Verlust von 181 Millionen Franken ausgewiesen. Im Jahr 2022 betrug der Fehlbetrag in der Grundversicherung schon 79,2 Millionen Franken.
Trotz gigantischer Prämienerhöhungen kommt die CSS also auf keinen grünen Zweig.
Die verdienten Prämien der Gruppe legten 2024 immerhin um 8,3 Prozent zu, obwohl über 60.000 Grundversicherte dem Luzerner Unternehmen den Rücken kehrten.
Verletzung gesetzlicher Vorgaben
Der Schaden-Kosten-Satz, der unter 100 Prozent liegen muss, betrug im abgelaufenen Geschäftsjahr 102,7 Prozent. Dies ist zwar 1,4 Prozentpunkte besser als im Jahr 2023.
Doch 2022 lag der Wert laut dem Geschäftsbericht bei 102,0 Prozent. Somit steht die CSS eigentlich schlechter da.

Eine aktuelle Solvenzquote weist die Krankenkasse nicht aus. Wie muula.ch aber berichtete, lagen die Werte zuletzt weit unter den gesetzlichen Vorgaben.
Behörde schaut weg
Dies müsste eigentlich die Aufsichtsbehörde für die Grundversicherung, das Bundesamt für Gesundheit BAG, auf den Plan rufen. Die Prämien sind bei der CSS nämlich viel zu günstig.
Doch der Regulator winkte die Missstände über einen längeren Zeitraum einfach durch. Auch das entspricht nicht dem Gesetz.
Ein Jahr kann mal danebengehen; wohl auch zwei. Doch bei drei Jahren in Folge stimmt klar etwas strukturell nicht.
Verluste von heute sind bekanntermassen die Prämienerhöhungen von morgen.
Boom der Zusatzerträge
Der CSS-Gruppe kamen 2024 aber zwei Entwicklungen entgegen, welche die Misere in der Grundversicherung überdeckten.
Einerseits waren dies die Kapitalerträge. Die Anlagerendite verbesserte sich um 1,8 Prozentpunkte auf 4,7 Prozent.
Andererseits sprudeln weiterhin die Gewinne in der Zusatzversicherung.
Im Zusatzversicherungsgeschäft belief sich im Jahr 2024 der Überschuss auf 190,0 Millionen Franken.
Unter dem Strich resultierte für die CSS-Gruppe ein Jahresergebnis von 62,7 Millionen Franken.
CSS versucht alle Kniffe
Doch Quersubventionierungen, wie es die CSS schon probiert hat, sind nicht zulässig. Da stemmte sich das BAG zumindest harsch dagegen.
Auch die Aufsichtsbehörde für die Zusatzversicherungen, die Finma, fand bei der CSS schon Missstände und verdonnerte die Krankenkasse zu Millionenanpassungen.
Und wenn Kunden mehr über die CSS wissen wollen und den Geschäftsbericht 2024 auf der Webseite suchen, greifen sie ins Leere. Dies wird wohl seine Gründe haben.
02.04.2025/kut.