
Der Spezialchemie-Konzern Clariant verkauft seine Mini-Aktivitäten in Venezuela. Doch daraus folgt ein Negativeffekt von 236 Millionen Franken.
Die neueste Medieninformation vom Spezialchemie-Konzern Clariant hat es wieder einmal in sich.
Das Basellandschaftliche Unternehmen veräussert sein Geschäft in Venezuela an die CMV Química, C.A., teile Clariant am heutigen Freitag überraschend mit.
Konzernergebnis sinkt
Der Verkaufserlös beträgt rund 1,8 Millionen Dollar und wäre eigentlich nicht der Rede wert.
Das Unternehmen Clariant Venezuela erwirtschaftete 2024 mit seinen 60 Mitarbeitern auch nur einen Umsatz von rund 3 Millionen Franken.
Doch in der Erfolgsrechnung 2025 schlage sich der Verkauf mit rund 236 Millionen Franken negativ nieder und werde das Konzernergebnis reduzieren, wie Clariant im Communiqué weiter angab.
Die zwischenzeitlich im Eigenkapital erfassten negativen Währungseffekte wirkten sich da gemäss Rechnungslegungsstandard IFRS mit dem grossen Minus im Finanzergebnis aus, so die Erklärung.
Konflikt mit den USA
Es bringt Unternehmen quasi nichts, solche Währungsentwicklungen ewig anzuhäufen, auch wenn Hoffnung auf Besserung besteht.
Irgendwann kommt der Tag der Wahrheit und dann hauen sie doppelt so stark rein. Bei vielen Schweizer Konzernen gibt es diese Positionen in Argentinien, wo über Jahre die Währungsverluste im Eigenkapital gebucht werden.
Der geplante Konzerngewinn 2025 von Clariant soll laut Finanzanalytikern bei rund 210 Millionen Franken liegen.
Mit dem Umbuchen der Währungsverluste aus Venezuela, das derzeit von den USA in die Mangel genommen wird, könnte der Spezialchemie-Konzern aus Muttenz BL sogar in die Verlustzone rutschen.
Sondergewinn verflogen
Clariant gibt sich alle Mühe, die Entwicklungen auf die Jahresrechnung als nicht so dramatisch darzustellen.
Die Reklassifizierung aus dem Eigenkapital habe keine Auswirkungen auf den Cashflow und die operative Gewinnmarge auf Stufe Ebitda bleibe zwischen 17 und 18 Prozent, hiess es.
Wer aber die Gewinn- und Verlustrechnung vor Augen hat, weiss, dass die Währungseffekte aus dem Finanzergebnis in den Betriebsgewinn nicht hineinfliessen.
Bereits zuvor war ein Immobilienverkauf gescheitert, bei dem es positive Bilanzeffekte geben sollte.
Milliardenklagen am Hals
Clariant ist derzeit ohnehin unter Druck, weil viele Firmen gegen die Baselbieter klagen.
Dabei geht es aber um Milliarden und nicht nur um ein Mini-Geschäft in Venezuela, das nun einen dreistelligen Millionenverlust in die Konzernkasse reisst.
19.12.2025/kut./Meldung ausgebaut





