Bundesstatistiker zaubern Inflation

Ein Mann im Sakko vor einem Tablett mit Grafiken und einer Kaffeetasse sowie einem Taschenrechner
Statistiker finden eine für die Schweiz nützliche Berechnungsweise der Inflation. (Bild: unsplash)

Das Bundesamt für Statistik BFS passt die Berechnung der Schweizer Teuerung an. Damit entkommt das Land der unbeliebten Deflation.

Die Schweiz ist derzeit in der komfortablen Lage, über keinen Preisauftrieb zu verfügen.

Gemessen wird dies durch den Landesindex für Konsumentenpreise LIK, an dem die Statistiker aber gerne herumschrauben, um politisch gewünschte Resultate zu erzielen.

Neue Waren berücksichtigt

«Historisch» seien die Änderungen des LIK, verkündete am heutigen Freitag das Bundesamt für Statistik BFS.

Doch, wer auf die Resultate schaut, erblickt eher Ungewöhnliches als Geschichtsträchtiges.

So weisen die Statistiker künftig Meeresfrüchte separat aus.

Milchersatzprodukte um Hafer & Co. nahmen das BFS genauso wie den Strompreis an öffentlichen Ladesäulen als neue Waren auf, weil sie Einzug ins Leben der Schweizer gefunden hätten.

Willkürliche Anteilsänderungen

Die grösste Änderung und damit der wichtigste Schachzug ist die Berücksichtigung der Langzeitpflege in den Preisindex LIK.

Dafür wurde etwa die Kategorie Wohnen deutlich heruntergefahren, was Mietzinssenkungen, die derzeit wegen niedrigerer Hypothekarzinsen vielerorts anstehen, weniger Niederschlag finden.

Auch den Anteil von Alkohol, der unlängst einen Preisschub verzeichnete, heben die Statistiker im Warenkorb einfach an, obwohl hierzulande immer weniger Alkohol getrunken wird.

LIK laut BFS
Das BFS hält die Preisentwicklung über der Nulllinie. (Screenshot: muula.ch)

Den Anteil von «Freizeit, Sport und Kultur» reduziert das BFS, obwohl die Schweizer immer mehr Teilzeit arbeiten und von diesen Gütern immer mehr nachgefragt werden.

Doch die Preise um Fitnessstudios, Kinobesuche & Co. purzeln, weshalb sie im Warenkorb wohl stören. Klar wird, dass das BFS alles, was zu sinkendem Preisniveau führt, konsequent reduziert.

Negativzinsen vermieden

Die Anteile der Inland- und Importgüter bleiben auch bei 77,8 Prozent beziehungsweise 22,2 Prozent konstant.

Die Schweizer konsumieren mit dem hohen Schweizerfranken aber viel mehr Waren und Dienstleistungen aus dem Ausland beziehungsweise im Ausland.

Das ignorieren die Statistiker komplett. Den Import von noch mehr «Preisnachlässen» aus dem Ausland blendet die Statistik einfach aus.

Die BFS-Realitäten sind insgesamt völlig absurd.

Doch sie helfen, damit die Schweiz offiziell nicht in die Deflationsfalle tappt und die Schweizerische Nationalbank SNB zumindest vorerst nicht die Leitzinsen wieder ins Negative bringen muss.

Krankenkassenprämien aussen vor

Die Statistiker sehen in ihren neuen Zahlen allerdings ein besseres Abbild der Gegebenheiten als vorher, hiess es an einer Medienkonferenz.

Doch die Begründungen des BFS für die Anpassungen waren teils so absurd, dass fachkompetente Journalisten aus dem Lachen gar nicht mehr herauskamen.

Zum höheren Anteil von Alkohol hiess es beispielsweise lapidar, der Wert sei in der Vergangenheit wohl etwas zu tief gewesen.

Die Prämien der Grundversicherung, welche das Volk exorbitant belasten, wolle das BFS auch weiterhin bei der Teuerung unberücksichtigt lassen, weil diese keinem Konsum entsprächen, sondern so etwas wie eine Steuer seien.

Bei Alkoholsteuern bricht die Argumentation dann allerdings schon ein.

Misstrauen angebracht

Wie hoch die Teuerung im vergangenen Jahr mit der neuen Systematik gewesen sei, wollte ein Medienschaffender noch wissen.

Das BFS antwortete, die Zahl habe man nicht, obwohl die Behörde im gleichen Atemzug erklärte, die Indexwerte seien rückwirkend bis 1980 verfügbar.

Immer mehr Schweizer misstrauen der offiziellen Inflationsstatistik, weil sie die Realitäten nicht widerspiegelt.

Dies sind auch keine Abweichungen von Durchschnittsbetrachtungen, wie sie das BFS arrogant abschmettert, sondern die Statistiker dienen nicht der Wahrheit, sondern anderen Zwecken.

Mauscheln beim Mieten

Immer mehr Schweizer ziehen beispielsweise auch in die Städte, die deutlich teurer sind als das Leben auf dem Land.

Dadurch müssten Mieten im Haushaltsbudget eigentlich ein viel höheres Gewicht erhalten, denn neues Wohnen in der City ist teurer als auf dem Land und profitiert auch nicht von niedrigeren Bestandsmieten.

Das BFS reduzierte nun ab Januar 2026 im Warenkorb aber ausgerechnet den Miet-Anteil auf niedrige 18,9 Prozent.

Konsumentenpreise verschiedener Länder an EMS BMK 2026
Die Ems-Chemie zeigte die Deflation in China, welche die Wirtschaft seit 2023 schwächt. (Bild: muula.ch)

Doch welche Kleinfamilie findet in Zürich, Basel, Genf oder Bern für den Schweizer Medianlohn einer Vollzeitstelle von 7000 Franken eine Wohnung für 18,9 Prozent des Gehalts?

Dies wären 1323 Franken an Monatsmiete und damit lautet die Antwort auf die Frage: Wohl niemand.

Handlungsbedarf erst bei Inflation

Mit der Aufnahme der immer teurer werdenden Langzeitpflege in den Index halfen die Statistiker geschickt nach, dass die Schweiz nicht lange in der Deflationsphase wie etwa Japan oder China verharrt.

Langzeitpflege dürfte auch auf absehbare Zeit immer teurer und mit steigendem Anteil älterer Menschen in der Bevölkerung im BFS-Warenkorb auch stärker nachgefragt sein.

Und schlägt die Teuerung in Zukunft heftiger zu, als der Schweiz lieb ist, kann das BFS wieder Anpassungen beim LIK vornehmen.

Auch die werden dann wieder «historisch» sein.

13.02.2026/kut.

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