
Die Finanzmarktaufsicht Finma ist derzeit von einem Aderlass beim Personal betroffen. Die Auswirkungen davon sind für die Schweiz langfristig fatal.
Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht Finma steht wieder einmal im Mittelpunkt des Geschehens am Schweizer Finanzmarkt.
Nicht in dem Sinne, dass der Regulator zum wiederholten Male irgendwelche Grossrisiken bei UBS, Credit Suisse (CS), Julius Bär, Mirabaud & Co. übersehen hätte.
Für CS-Untergang verantwortlich
Diesmal steht das Personal selbst im Zentrum der Ereignisse.
Der ehemalige Direktor Urban Angehrn heuert beim Bankhaus Julius Bär an und soll dort in den Verwaltungsrat einziehen.
Dort sorgte der Immobilienguru für ein Loch von hunderten Millionen Franken in der Kasse – das Grossrisiko hatte auch der zuständige Finma-Direktor Angehrn übersehen.
Auch beim Untergang der Grossbank Credit Suisse (CS) gestand er letztlich Fehler ein, wie muula.ch berichtete.
Kader verlassen Behörde
Die Bank Julius Bär lobte die Nominierung des einstigen Aufsehers in den Verwaltungsrat mit seinem Wissen um Risikomanagement. Ein Verwaltungsrat, der keine Risiken erkennt, ist für ein Geldhaus aber sicher nicht geeignet.
Doch der Direktor ist nicht der einzige Abgang, den die Finma zu beklagen hat.
Kurz nach dem Weggang von Angehrn war auch die Stellvertreterin des Direktors und Leiterin des Geschäftsbereichs Versicherungen gegangen.
Die Verantwortliche für Bankenabwicklung nahm auch ihren Hut. Von zahlreichen Abgängen weiterer Kader, darunter die Generalsekretärin, war dann in Medien die Rede.
Verstecktes Auftauchen
Nun taucht auf dem Portal «Finews» eine ganz spezielle Werbeanzeige auf, bei der für den einstigen Juristen aus dem Finma-Bereich Enforcement geworben wird.
Nach vielen Jahren arbeitet der Experte Florian Schönknecht nunmehr als Partner bei der privaten Anwaltskanzlei CMS.
Und der Verantwortliche für die Bankenaufsicht, Thomas Hirschi, heuert neu bei Vontobel als Chief Risk Officer an, wie das Geldhaus dieser Tage ohne Hinweis auf seine frühere Finma-Tätigkeit bekanntgab.
Die Angelegenheit wurde mit den Jahresresultaten 2025 kommuniziert.
Mit Beaufsichtigten gutstellen
Wenn aber praktisch alle Finma-Mitarbeiter auf lukrative Posten in der Finanzwirtschaft schielen, darf man durchaus fragen, wie gut sie ihre Aufgaben als Aufsicht über genau diese Firmen erfüllen.
Zwei Varianten sind dabei denkbar. Einerseits könnten Finma-Mitarbeiter den «toughen Regulator» bei den Banken und Versicherern heraushängen lassen. Um diesen leidigen Kontrolleur dann loszuwerden, bietet die Finanzindustrie irgendeinen deutlich besserbezahlten Posten an.
Die andere Variante – und das ist das wahrscheinlichere Szenario – ist, dass man sich mit den beaufsichtigten Instituten über die Zeit gutstellt – denn es könnte langfristig ein guter Posten dabei herausspringen.
Funktion verloren
Langfristig ist dies allerdings für die Schweiz und ihren Finanzplatz fatal. Eigentlich bräuchte die Aufsichtsbehörde eher Mitarbeiter, die nicht auf einen Karriereschritt schielen und sich vom Regulator am besten in die Pension verabschieden.
Wie fatal die «Drehtüre» Finma ist, kann man an den jüngsten Bankenkrisen beobachten.
Obwohl Hunderte Mitarbeiter bei der Aufsichtsbehörde tagtäglich auf den Finanzplatz Schweiz schauen, musste sowohl die Grossbank UBS als auch die Credit Suisse vom Staat gerettet werden und bei Julius Bär übersahen die Auditoren viele Grossrisiken.
Würde man die Finma da ganz abschaffen, wie es böse Zungen sagen, würde es wohl niemand merken. Die Finanzmarktaufsicht hat mittlerweile nur noch eine Feigenblattfunktion.
15.02.2026/kut.





