
Die Schweiz bekommt ihr Gesundheitswesen nicht in den Griff. Das Sterben der Krankenkassen und die Prämienexplosion gehen munter weiter.
Die Schweiz hat erneut eine Erhöhung der Krankenkassenprämien um 5 Prozent im Schnitt auf das nächste Jahr verkündet.
Es ist nichts anderes als das Anheben einer Steuer, dem die Menschen in der Schweiz nicht entkommen können.
Verschleppen der Probleme
Die Zwangsabgabe ist kantonal unterschiedlich, weil das Gesundheitswesen eigentlich kantonal organisiert ist.
Auf dieses Jahr waren die Prämien bereits um 4,4 Prozent im Schnitt gestiegen.
Das war schon viel zu niedrig gewesen, weil der Kostenanstieg viel höher war.
Behörde im Blindflug
Die Gesundheitsministerin Elisabeth Baume-Schneider wirkte am Dienstag völlig hilflos.
Ihr Bundesamt für Gesundheit (BAG) bewilligte die Tarife in der obligatorischen Grundversicherung um Helsana, CSS, Swica, Visana, Assura, KPT, Sympany, Concordia, Assura, Groupe Mutuel & Co. sogar im völligen Blindflug, denn der aktuelle Kostenanstieg ist nicht einmal klar.

Die genaue Kostenentwicklung sei im Jahr 2026 schwieriger abzuschätzen, da es aufgrund der Umstellung auf das neue Tarifsystem im ambulanten Bereich (TARDOC ambulante Pauschalen) zu vielen Rechnungsverzögerungen komme, teilte die Behörde mit.
Zahl der Behandlungen steigt
Dennoch gebe es jedoch aktuell keine Anzeichen für eine Verlangsamung des Kostenanstiegs in der Grundversicherung, hiess es lapidar vom BAG, welches dann die Tarife einfach anzog.
Die Kostenzunahme im Gesundheitswesen habe verschiedene Treiber, wie die Alterung der Bevölkerung und medizinische Innovationen.
Daneben lasse sich ein Anstieg der Kosten pro erkrankte Person beobachten und sei vor allem auf eine gestiegene Zahl von Behandlungen zurückzuführen.
Vom Pflichtwert stark entfernt
Trotz der erneuten exorbitanten Erhöhung der Krankenkassenprämien bekommt die Schweiz das Gesundheitssystem nicht in den Griff.
Das BAG gab versteckt bekannt, das zwei Krankenkassen die gesetzlich vorgeschriebenen Mindestwerten für die Solvenz von 100 Prozent nicht erfüllen.
Bereits in den Vorjahren verschwanden immer wieder Anbieter von der Bildfläche.
Diesmal sind es die Caisse-maladie de la vallée d’Entremont und die AMB Assurances. Diese Firmen kommen lediglich auf unterirdische Werte von 82 beziehungsweise nur 60 Prozent.
Auch Helfer schwach
Beide maroden Krankenkassen würden auf Januar 2027 von der Mutuel Assurance übernommen, also der Groupe Mutuel.
Diese weist mit einer Solvenzquote von 137 Prozent aber auch auf keinen berauschen Wert auf.
Die Finanzsituation war dort auch schon dramatisch, wie muula.ch berichtete.
CSS-Modell angewendet
Während andere Schweizer Krankenversicherer, wie die Krankenkasse Visperterminen, Solvenzwerte von über 300 Prozent vorweisen können, kommt die Billigkasse Assura beispielsweise gerade nur auf 106 Prozent, also fast nur den gesetzlich geforderten Mindestwert.
Die Lösung mit der Übernahme von maroden Krankenkassen hatte einst auch die Luzerner CSS-Gruppe unter der alten Führung von Philomena Colatrella vorgemacht.
Sie fusionierte marode Krankenkassen in die CSS Kranken-Versicherung. Diese kommt diesmal selbst nur auf eine vergleichsweise Solvenzquote von 126 Prozent.
Finanzkraft legt theoretisch zu
Ohnehin schwächte das BAG die Anforderungen für die Solvenzberechnungen unlängst stark ab, sodass sie der Branche entgegenkam, wie muula.ch berichtete.
Die Finanzkraft stieg so auf dem Papier.

Ohne diese Massnahme hätte es wohl ein Massensterben unter Schweizer Krankenversicherern gegeben.
Das BAG gibt an, 2026 hätten fünf Anbieter ihre Prämien knapp kalkuliert und damit dürften die Reserven sinken.
Zehn Versicherer bezogen sogar Kapitalerträge bei der Prämienkalkulation als Gegenmassnahme ein.
Leistungskatalog ausgeweitet
Das Geschrei um die jeweiligen Prämienerhöhungen ist immer gross.
Jeder Akteur im Schweizer Gesundheitswesen schiebt dem anderen die Schuld für das Kostenwachstum in die Schuhe und macht bei anderen Vorschläge, wo sie Einsparungen vornehmen könnten.
Leistungserbringer, Versicherte und Krankenkassen zeigen auf die jeweils anderen. Das BAG schaut munter zu und weitet den Leistungskatalog noch ständig aus.
Zwangsabgaben steigen
Der alte Motor des Schweizer Gesundheitswesens, der den Prämienanstieg noch etwas gedämpft hat, nämlich das Wechseln der Krankenkassen, hat seine Wirkung quasi verloren.
Das BAG passte den Risikoausgleich immer weiter an, bis es kaum noch signifikante Unterschiede zum Wechseln des Anbieters gibt.
Doch es ist wie bei jeder Zwangsabgabe. Die gehen meist nur nach oben.
30.09.2026/kut.




