IMF warnt vor Dollarisierung über Stablecoins

Logos von Stablecoins um USDC, Tether & Co.
Stablecoins haben viele Vorteile. (Bild: Coinware / unsplash)

In vielen Ländern sind Stablecoins auf dem Vormarsch. Doch nun mehren sich Sorgen, dass der Dollar einen zu grossen Einfluss erhält.

Die Krypto-Welt hat sich in den vergangenen Jahren rasant entwickelt und meist geht es vorwärts, indem einzelne Probleme gelöst werden.

Ist ein Netzwerk zu langsam oder sind die Transaktionen zu teuer, findet jemand eine Lösung dafür.

An Fiat-Währung gebunden

Eines der grössten Probleme von Bitcoin, Ethereum & Co. ist, dass diese Kryptowährungen enormen Schwankungen ausgesetzt sind.

Daher ersannen kluge Köpfe die sogenannten Stablecoins, also Token, die so konstruiert sind, dass ihr Wert möglichst stabil bleibt.

Eine Besicherung mit Kryptos, wie es sie auch gibt, macht deshalb nicht so viel Sinn.

Ein- und Auszahlungen entfallen

Grösstenteils sind sie an eine Länderwährung, wie Dollar, gekoppelt. Doch es gibt auch Stablecoins, die etwa den Goldwert so gut wie möglich abbilden.

Die Vorteile liegen auf der Hand.

Innerhalb der Krypto-Welt können Gewinne rasch in solchen Stablecoins geparkt werden, ohne dass das Geld über einen Anbieter des traditionellen Finanzsystems in Fiat-Währungen getauscht werden muss.

So manche Krypto-Firma bezahlt ihre Angestellten auch nicht selten in Stablecoins.

Asien ist führend

Gleichzeitig sind länderübergreifend schnelle und meist sehr günstige Transfers möglich, etwa auf Blockchains von Solana, Ethereum & Co.

Stablecoins können aber auch im De-Fi-Bereich zum Stakeing oder für Kredite genutzt werden. Aufgrund der Vielfalt ist das Volumen extrem gestiegen.

Entwicklung von Stablecoins laut IMF
Stablecoins gibt es für hunderte von Milliarden Dollar. (Screenshot: muula.ch)

Der Internationale Währungsfonds IMF zeigt in seinem neuesten Jahresbericht rund 300 Milliarden Dollar bereits an Stablecoins.

Asien sei seit Langem führend im Bereich Digital Finance, hiess es weiter. Da viele Menschen zwar ein Mobiltelefon, aber kein Bankkonto besässen, seien digitale Zahlungen und mobiles Geld weit verbreitet.

Schleichende Währungssubstitution

Weil sie aber meist auf Dollar lauten, warnen die Experten vor einer vermehrten Dollarisierung des Finanzsystems.

In Ländern mit hoher Inflation oder Kapitalverkehrskontrollen, wie der Türkei oder Argentinien, basiert bereits die ganze Volkswirtschaft auf solchen Stablecoins um USDT, USDC & Co.

Politische Entscheidungsträger müssten sich regelrechte Sorgen um eine Währungssubstitution machen, hiess es weiter vom IMF.

Kommerzialisierung steigt

Der Einsatz der Tokenisierung, also die digitale Darstellung und Übertragung von Vermögenswerten auf einem dezentralen, vertrauenswürdigen, programmierbaren Ledger, stehe zwar noch am Anfang, erklärten die Geldspezialisten weiter.

Doch die kommerzielle Nutzung rücke immer näher.

USDT oder USDC werden regelrecht zu Zahlungsmitteln im täglichen Gebrauch.

Saudiarabien überrundet

Problematisch seien dabei vor allem zwei Risiken. Länder, auf deren Währungen diese Stablecoins lauten – derzeit vor allem die USA –, profitierten davon,
dass die Nachfrage nach deren Staatsanleihen und damit deren Liquidität steige.

Genau dies forciert US-Präsident Donald Trump auch gerade.

Die beiden grössten Stablecoin-Emittenten halten zusammen mittlerweile mehr US-Schatzwechsel als der Erdölstaat Saudiarabien, der traditionell ein grosser Investor in US-Treasuries ist.

Flash-Crashs möglich

Wenn Stablecoins allerdings in grossem Umfang eingelöst werden, könnte das ein Risiko für die Märkte der von Stablecoin-Emittenten gehaltenen Staatsanleihen darstellen.

Andererseits bestehen technische Gefahren. Token könnten Transaktionen allzu sehr beschleunigen und sogenannte Flash-Crashes verursachen, bei denen es zu so raschen und starken Kursschwankungen kommt, dass menschliches Eingreifen unmöglich ist.

Unter turbulenten Marktbedingungen sinkt aber die Fähigkeit zur Währungssteuerung.

Schweiz verschläft Chancen

Daher braucht es dringend weitere Lösungen für solche Probleme und eine Diversifikation von Stablecoins. Die USA bauen gigantische Rechenzentren, um technischen Problemen vorzubeugen.

In Europa arbeitet die Europäische Zentralbank EZB daran, einen digitalen Euro herauszugeben.

Und die Schweizerische Nationalbank SNB hält sich bisher bei diesem Thema vornehm zurück, obwohl der Wert des Schweizerfrankens bei jeder Krise auf der Welt durch die Decke geht.

Damit wird ein klarer Bedarf nach Schweizer Stablecoins signalisiert. Doch die Entwicklungen gehen rasant an der Schweiz vorbei.

28.09.2026/kut.

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