
Die Finanzprüfer haben vor einer Dekade viele Defizite bei Informatikprojekten gefunden. Doch seither hat die Bundesverwaltung kaum darauf reagiert.
Die Verschwendung von Steuergeld hat in der Schweiz gigantische Ausmasse angenommen.
Beispiele dafür sind IT-Projekte, welche beim Bund regelmässig Millionen verschlingen, ohne auch nur ansatzweise den gewünschten Nutzen zu erbringen.
Anhaltende Missstände
Die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) prüft seit 2013 besonders teure Schlüsselprojekte der Bundesverwaltung. Im Jahr 2016 identifizierten die Finanzprüfer des Bundes zahlreiche Defizite, bei der Umsetzung von IT-Projekten in einem Synthesebericht aus 20 Einzelprüfungen.
Doch nun kommt die EFK zehn Jahre später zum Schluss, dass wesentliche, bereits im Jahr 2016 erkannte Defizite weiterhin bestünden, wie sie am heutigen Donnerstag mitteilte.
Den Verwaltungseinheiten beziehungsweise den Departementen sei es bisher nicht gelungen, Verbesserungen nachhaltig in der Organisation oder in den Folgeprojekten zu verankern, hiess es kritisch.
Mängel in der Projektführung
Kennzahlen und Methoden zur Nutzenmessung fehlten weitgehend, sodass die Wirtschaftlichkeit der Projekte nicht nachgewiesen werden könne, lautete weiterhin ein Fazit.
Optimierungen würden die Bundesbeamten einfach in Folgeprojekte verschieben, mahnten die Finanzprüfer zu den Milliardenausgaben.
Doch selbst in der Projektführung bestehen eklatante Mängel.
Eine unvollständige Gesamtplanung, ein formal ausgerichtetes Risikomanagement und grobe Kostenschätzungen erschwerten die wirksame Planung und Steuerung erheblich, lautete ein weiterer Kritikpunkt.
Fehlende Prozessänderungen
Der Übergang vom IT-Projekt in den laufenden Betrieb sei häufig unzureichend vorbereitet.
Dabei wären Betriebs- und Supportorganisationen nicht vollständig einsatzbereit und Prozesse würden nicht einmal angepasst.
Mit anderen Worten: Es ist vieles für die Katz.
Von der Armee bis BAG
Zahlreiche Schwachstellen liessen sich nicht einmal durch die Projekte selbst beheben, sondern lägen in der Struktur der Schweiz und bräuchten daher durchgängige Prozesse und harmonisierte Daten.
Die ausgewählten Untersuchungen reichen dabei von der Schweizer Armee über das Staatssekretariat für Wirtschaft Seco bis hin zu Digisanté im Gesundheitswesen beim Bundesamt für Gesundheit BAG.
Die Departemente müssten eine aktivere Rolle übernehmen. Doch nachhaltige Verbesserungsmassnahmen in der Stammorganisation und den Projekten würden regelmässig nicht umgesetzt, kritisierte die EFK.
Ablenken vom Problem
Jedes Problem lässt sich beheben, wenn Betroffene anerkennen, dass sie eine Schwachstelle haben.
Doch beim Bund ist das Problembewusstsein noch nicht einmal vorhanden.
Die Bundeskanzlei erklärte in ihrer Stellungnahme allen Ernstes, pro Jahr würden in der Bundesverwaltung durchschnittlich um die 200 Projekte abgeschlossen, die grosse Mehrheit erfolgreich.
Doch die EFK-Kritik betraf Schlüsselprojekte, bei denen der Ressourceneinsatz, die strategische Bedeutung und die Risiken hoch sind. Es wird also einfach abgelenkt.
Grösstmögliche Aufmerksamkeit?
Neben den erfolgreichen Projekten und umgesetzten Empfehlungen werde im EFK-Bericht nicht berücksichtigt, dass in den vergangenen Jahren zahlreiche Massnahmen umgesetzt oder initiiert wurden, um die Lenkung von Informatikprojekten in der Bundesverwaltung zu stärken, rechtfertigte sich die Bundeskanzlei weiter.
Warum nach zehn Jahren die Defizite noch nicht beseitigt sind, verraten die Bundesbeamten nicht.
Der IT-Bereich werde dem Nutzenversprechen bei den eigenen Digitalisierungsprojekten wie auch bei der Mitwirkung in anderen Vorhaben grösstmögliche Aufmerksamkeit schenken, hiess es lapidar.
Und so dürfte die gigantische Verschwendung von Steuergeld bei IT-Projekten des Bundes trotz bekannter Schwachstellen munter weitergehen.
09.07.2026/kut.



