
Die Schweiz ist eigentlich ein reiches Land. Doch trotz gigantischer Staatshilfe für einkommensschwache Personen steigt die Armut markant.
Die Schweiz hat sich als eines von 17 Zielen bis 2030 gesetzt, keine Armut mehr im Land zu haben.
Doch wie der Länderbericht 2026 zu den strategischen Zielen zeigt, ist das Ziel in weite Ferne gerückt.
Fast eine Million Personen
Dies musste der Bundesrat in seiner Sitzung vergangene Woche zur Kenntnis nehmen.
Zwar hat jeder Mensch hierzulande das Recht auf ein würdiges Leben und soll über einen ausreichenden Handlungsspielraum verfügen, um materielle und immaterielle Bedürfnisse zu decken.

Doch im Jahr 2024 waren in der Schweiz 8,4 Prozent der Bevölkerung beziehungsweise rund 743.000 Personen von Einkommensarmut betroffen.
Nach einem kontinuierlichen Anstieg von 2014 von 6,7 Prozent habe sich die Quote nun bei 8,4 Prozent stabilisiert, hiess es im statistischen Anhang zum Länderexamen vom Bundesamt für Statistik BFS.
Bildung zählt
Die Zahl der Personen, die unter der Armutsgrenze leben, sei innert zehn Jahren um 209.000 gestiegen, erklärten die Statistiker.
Innerhalb der Bevölkerung sei das Thema aber unterschiedlich verteilt.

Menschen in Einpersonenhaushalten mit minderjährigen Kindern, in Haushalten ohne Erwerbstätige oder ohne nachobligatorische Ausbildung seien generell am häufigsten von Armut betroffen und hätten mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen.
Aber auch Altersarmut ist laut den Daten nicht von der Hand zu weisen.
Ein Drittel in Armut
Sozialtransfers tragen in der Schweiz aber wesentlich dazu bei, Armut zu verhindern.
So wäre ohne diese Transfers sage und schreibe nahezu ein Drittel der Schweizer Bevölkerung armutsbetroffen. Die Quote würde horrende 31,9 Prozent betragen.

Werden die Alters- und Hinterlassenenleistungen als Teil des Einkommens angerechnet, landet die Armutsquote in der reichen Schweiz immer noch bei 16,5 Prozent.
Nach Berücksichtigung aller Transfers beträgt sie schliesslich noch besagte 8,4 Prozent, hiess es vom BFS zu den Berechnungen.
Ausländer stärker betroffen
Im Jahr 2024 waren in der Schweiz sogar rund 1,5 Millionen Menschen armutsgefährdet, also nahezu jede sechste Person beziehungsweise 16,4 Prozent der ständigen Wohnbevölkerung.
Bei Schweizer Staatsangehörigen lag diese Armutsgefährdungsquote 2024 bei 13,8 Prozent, bei ausländischen Staatsangehörigen dagegen bei 23,5 Prozent.
23.800 Franken pro Kopf
Die Gesamtausgaben für die soziale Sicherheit seien von 21,4 Prozent des Bruttoinlandprodukts BIP im Jahr 2000 auf 26,9 Prozent im Jahr 2023 gestiegen.
In absoluten Zahlen lagen die Ausgaben für die soziale Sicherheit im Jahr 2023 bei rund 214 Milliarden Franken, was einen Anstieg gegenüber 2022 um 2,8 Prozent bedeutete.
2022 entsprach dies aber schon 23.800 Franken pro Kopf beziehungsweise einem Anstieg um 6000 Franken im Vergleich zum Jahr 2005.
Ziel aus Sichtweite geraten
Trotz der hohen Transfers an die ärmere Bevölkerung nimmt ihr Anteil deutlich zu.
Das strategische Ziel der Schweiz, die Armut bis 2030 in dem reichen Land eigentlich bekämpft zu haben, rückt damit in weite Ferne. Es braucht daher neue Lösungsansätze, als das Problem nur mit Geld zu überdecken.
18.05.2026/kut.






Besten Dank, das erstaunt mich sehr und ich habe noch gewisse Hemmungen, den Wahrheitsgehalt so zu „verinnerlichen“. Gibt es denn detaillierte Angaben über die Ursprungsquelle der Daten?
Die Datenquelle ist bei allen unseren Artikeln jeweils direkt verlinkt. Ausserdem ist im Text das Bundesamt für Statistik BFS angegeben, wo Sie sogar die genaue Datenerhebung erfahren können. Die Datenreihe heisst Erhebung über Einkommen und Lebensbedingungen SILC. Die Beamten haben sich alle Mühe gegeben, die Angaben zu verstecken.
Freundliche Grüsse
kut.