Holpriger Start für Helvetia mit Baloise

Logo von Baloise an einem Gebäude in Basel
Das neue Logo von Helvetia Baloise sucht man an Firmengebäuden vergebens. (Bild: muula.ch)

Die Fusion von Helvetia und Baloise ist Ende 2025 erfolgt. Nun präsentiert der Versicherer erste Resultate, wobei sich aber vieles noch verbessern lässt.

Das hat es bei einer Analystenkonferenz wohl noch nie gegeben.

Die Finanzanalytiker stellten Helvetia-Baloise-CEO Fabian Rupprecht und Finanzchef Matthias Henny keine einzige Frage und der Anlass war inklusive Präsentation nach nur 7 Minuten zu Ende.

Auftritt in London

Normalerweise dauert so eine Analystenkonferenz von Unternehmen gefühlte Ewigkeiten, und es gibt Dutzende Fragen von den Wirtschaftsexperten bis in jedes Detail.

Dabei waren die Schweizer Versicherungsmanager eigens ins Finanzzentrum London gereist, um im Luxushotel Four Seasons den Jahresabschluss 2025 sowie die neue Firmenstrategie zu präsentieren.

Doch in der englischen Hauptstadt interessierte sich offenbar nicht wirklich jemand für den frisch-fusionierten Schweizer Versicherungskonzern.

Auf starres Bild schauen

Bei der Online-Medienkonferenz, die dann mangels englischsprachiger Journalisten auf Deutsch abgehalten wurde, gab es zwar Fragen, aber nur mässig Antworten.

Bei der spannendsten Erklärung zum Stellenabbau in der Schweiz fiel allerdings der Ton aus.

Generell mussten Teilnehmer auf ein starres Bild der Manager starren, denn eine übliche Live-Übertragung war Mangelware.

Wirrwarr um 500 Arbeitsplätze

Die Kommunikation des Stellenabbaus ging in den vergangenen Wochen ebenfalls schief.

So kritisierte Helvetia Baloise die Berichterstattung von Medien als inkorrekt, weil Journalisten einen noch grösseren als den geplanten Stellenabbau in der Schweiz thematisierten.

Doch den gebe es nicht, machte CEO Rupprecht am Mittwoch in London nun klar.

Märkte von Helvetia und Baloise
Helvetia ist mit Baloise in vielen Ländern Europas tätig. (Screenshot: muula.ch)

Insgesamt fallen 2000 bis 2600 Vollzeitstellen mit der Fusion weg. In der Schweiz seien es 1400 bis 1800 Arbeitsplätze und in Deutschland rund 300.

Der Rest von rund 500 Vollzeitstellen entfalle in Spanien, Österreich und anderen Auslandsmärkten. Die Schweiz sei von dieser Zahl nicht mehr betroffen, wie es einige Medien kolportiert hatten.

Mitarbeiter als wertvolles Kapital

Beim Stellenabbau seien bereits 1100 Arbeitsplätze abgebaut worden, erklärte Rupprecht zum Stand der Dinge.

Dies sei über Vorruhestandsregelungen, dem Streichen von Stellenneubesetzungen sowie freiwilligen Abgängen erreicht worden, hiess es zum sozial verträglichen Vorgehen.

Die Mitarbeiter seien letztlich Grundlage für alles, betonte der Helvetia-Baloise-CEO, ohne in Details zu Standortschliessungen in St. Gallen oder Basel gehen zu wollen.

Viele Baustellen

Ein vollständiger Ausstieg aus Deutschland sei ebenfalls kein Thema.

Auch eine Verkleinerung der üppig fusionierten Geschäftsleitungen komme momentan nicht in frage, hiess es von Helvetia Baloise.

Was etwa mit der Baloise-Bank oder Moneypark passiert, liess der Versicherer zudem offen.

Fehlendes Wachstum

Eine euphorische Börsenreaktion liess am Mittwoch auf sich warten, obwohl der Versicherungskonzern eine Erhöhung der Dividenden um rund 50 Prozent bis 2029 angekündigt hatte.

Die Firma will sich offenbar als «Value» und nicht als «Growth»-Wert positionieren.

Wachstum gibt es in den Hauptmärkten Schweiz, Deutschland, Spanien, Italien, Belgien, Luxemburg & Co. im Versicherungsbereich ohnehin kaum.

Helvetia Baloise CEO Fabian Rupprecht und CFO Matthias Henny am Kapitalmarkttag in London
CEO Rupprecht (links) mit CFO Henny. (Bild: muula.ch)

Helvetia Baloise will sich langfristig mit dem Fokus auf drei Dinge aufstellen, hiess es vom Konzernmanagement: Nähe, Fokus und Exzellenz lauteten dabei die Schlagwörter.

Alte Baloise verschwand

Bis ins kleinste Detail gab es dagegen Finanzkennzahlen.

Die waren für 2025 aber nur eingeschränkt aussagekräftig, weil sich Baloise wegen der Absorptionsfusion durch Helvetia nicht in der Erfolgsrechnung auswirkte.

Lediglich in der Bilanz tauchte die alte Baloise auf.

Europäischer Champion

Eigentlich entstand mit dem Merger von Helvetia und Baloise ein ernstzunehmender europäischer Versicherungskonzern mit einer starken Basis in der Schweiz.

Nur gemerkt haben es mit dem holprigen Start wohl noch nicht viele.

Als Indikator für eine Änderung dieser Situation kann durchaus die Zahl der Fragen bei der nächsten Analystenkonferenz herhalten.

16.04.2026/kut.

Holpriger Start für Helvetia mit Baloise

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