
Die Lebenserwartung der Menschen steigt und steigt, weshalb die Assekuranz solche Risiken meidet. Doch Swiss Re geht nun eine spannende Wette ein.
Die Schweizer haben eine der längsten Lebenserwartungen der Welt.
Bei Geburt entsprechen die Zahlen der durchschnittlichen Lebensjahre von Neugeborenen aktuell 82,4 Jahre bei Männern und 85,9 Jahre bei Frauen.
Noch 20 Jahre bei 65-Jährigen
Vor 20 Jahren lagen diese Werte noch bei 78,6 Jahren bei Männern und 83,7 Jahren bei Frauen, wie das Bundesamt für Statistik BFS vorrechnete.
Selbst die Lebenserwartung von 65-Jährigen erhöhte sich von 10 Jahren um 1900 auf mittlerweile über 20 Jahre bei Männern und auf rund 23 Jahre bei Frauen.


Das Problem für Pensionskassen und Vorsorgeeinrichtungen ist nun bekanntermassen dabei, dass sie deutlich länger Renten zahlen müssen.
Dagegen ist bisher kein Kraut gewachsen.
Arznei gegen Krebs als Risiko
Die Assekuranz meidet nämlich das Langlebigkeitsrisiko, weil unklar ist, ob sich die Lebensjahre der Menschheit weiterhin so verlängern, wie das in den vergangenen Jahrzehnten geschehen ist.
Verbessern sich die Diagnostik beziehungsweise die Medizin um Herzleiden, Krebs & Co. sowie die gesunden Lebensverhältnisse weiter, könnten die Menschen nochmals länger Leben.
Dies wäre schlecht für jene Firmen, die Rentenzahlungen anbieten.
Umfang von 2 Milliarden
Der Schweizer Rückversicherer Swiss Re überraschte allerdings unlängst mit einem Geschäft in den USA.
Swiss Re schliesse erstmals eine Langlebigkeitsrückversicherung zur Deckung US-amerikanischer Pensionierter ab, hiess es in einem Communiqué.
Der Umfang mit der Gegenpartei Athene betrage 2 Milliarden Dollar, erklärte der zweitgrösste Rückversicherer der Welt.
Genaue Bestandsanalyse
Eine Rückversicherung von Langlebigkeit ermöglicht es Pensionskassen und Erstversicherern, ihre Verpflichtungen gegenüber Rentenempfängern zu erfüllen, insbesondere wenn diese deutlich länger leben als erwartet.
Der Rückversicherer will dabei aber kein Verlustgeschäft abschliessen, weshalb er sich die Versichertenbestände genau anschaut und erst dann eine Police ausfertigt, wenn klar ist, dass es sich auch für ihn lohnt.
Bisher nur eine Million Rentner
Seit der Etablierung des Marktes für Langlebigkeitsrisikotransfer vor fast 20 Jahren hat Swiss Re erst rund 30 Langlebigkeitsrückversicherungen in Grossbritannien, den Niederlanden, Singapur und Australien abgeschlossen.
Diese decken für die ganze Welt aber nur Rentenleistungen von 50 Milliarden Dollar und bloss für rund eine Million Rentner, was zeigt, wie zurückhaltend die Assekuranz bei dieser Sache ist.
Amerikaner leben nachweislich kürzer
Bei den Amerikanern ist der Schweizer Rückversicherer nun allerdings zuversichtlich, dass sich die Lebenserwartung mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit zuverlässig prognostizieren lässt.

Wohlgemerkt war die Lebenserwartung in den USA unlängst stark zurückgegangen und liegt laut der US-Behörde CDC nunmehr für Männer bei 76,5 Jahren und für Frauen bei 81,4 Jahren.
Grosse Differenz zu anderen
Die Sterblichkeit erhöhte sich in den USA während der Coronavirus-Pandemie deutlich stärker als in anderen Ländern, wie aus dem US-Healtsystem-Tricker von Peterson-KFF hervorgeht.
Dies hat mit Übergewichtigkeit, viel mehr Drogentoten sowie dem Mix der amerikanischen Bevölkerung um Latinos, Schwarze und Asiaten zu tun.

Der «American Way of Life» mit vielen Burgern, Zuckergetränken, Drogen & Co. sowie höherer Kriminalität haut da bei der Lebenserwartung vieler Bewohner rein.
Bekannt sind in den USA sogar regelmässig Fälle, in denen Menschen von ihren Haustieren erschossen werden, weil diese mit Waffen gespielt haben. Die Haupttodesursache in Amerika sind aber Herzerkrankungen, gefolgt von Krebs.
Lukratives Business
Swiss Re ist sich zumindest bei diesem Portfolio von Athene sicher, dass die Menschen nicht deutlich länger leben werden, denn sonst müsste der Rückversicherer ja die Pensionen überdimensional lange zahlen, was ein Verlustgeschäft wäre.
Geht die Lebenserwartung dieses Versichertenbestandes jedoch überraschend zurück, wird für Swiss Re mit der Zeit ein lukratives Business daraus.
Die Hoffnung liegt also auf einer kürzeren Lebenserwartung der Amerikaner, als in der ursprünglichen Kalkulation des Bestandes von Athene unterstellt.
Klar, kommt es aber noch auf die genauen Konditionen der Police an. Bisher umging die Assekuranz jedenfalls weitestgehend solche Wetten.
Tod der Versicherten abwarten
Würden Amerikaner allerdings wie die Schweizer leben, müsste Swiss Re den Männern rund sechs Jahre lang und den Frauen rund fünf Jahre lang mehr Rente zahlen als bisher angenommen.
Und die Tendenz wäre sogar steigend. Kein Versicherer auf der Welt würde wohl ein solches Risiko eingehen.
Ob die Wette von Swiss Re bei der Langlebigkeit von Amerikanern aufgeht, dürfte sich allerdings erst in einigen Jahrzehnten zeigen, nämlich dann, wenn alle Versicherten der Athene-Police tatsächlich gestorben sind.
Die Verantwortlichen für dieses Geschäft beim Schweizer Rückversicherer geniessen dann aber schon längst ihre Pension.
12.04.2026/kut.





