
Alle Unternehmen versuchen, viel Umsatz zu machen. Doch in den Zahlen stecken nicht immer richtige Verkäufe, wie einige Beispiele zeigen.
Das Angebot an die Redaktion unseres Wirtschaftsnews-Portals klang verlockend.
Fünf Business-Lizenzen würden für die neueste Version von ChatGPT gratis offeriert, hiess es in einer E-Mail.
Offizielle Firmenrechnung
Dies stellt für einen Monat immerhin ein Geschenk von 170 Franken dar, denn der Lizenzpreis für die Künstliche Intelligenz der Firma OpenAI kostet 34 Franken je Arbeitsplatz.
Doch wer darauf eingeht, kann in den Details viel Interessantes entdecken. Der Konzern sendet über seine irische Tochter OpenAI Ireland Limited eine offizielle Rechnung.

Zwar lautet der Betrag 0.00 Franken, doch brutto fallen für 5 Lizenzen immerhin 170 Franken an Aboumsatz an.
Danach wird ein Gutscheincode angewendet, der für das Unternehmen in dieser Form einen Aufwand darstellt, weil sonst der Kunde tatsächlich zahlen müsste.
Millionen möglich
Würden nun 1000 Firmen auf der ganzen Welt die ChatGPT-Offerte annehmen, ergäbe es für OpenAI 170.000 Franken an Umsatz und 170.000 Franken an Marketingaufwand in nur einem Monat.
Bei 100.000 neuen Business-Kunden wären es schon 17 Millionen Franken. Schliesslich ist die Rechnungsstellung mit der Buchhaltung verzahnt.
Schwierige Kündigung
Klar, die Privatfirma hofft, dass der eine oder andere Gefallen an ChatGPT findet und sein Probeabo nicht kündigt.
Dies ist ohnehin nicht so einfach. Nicht mal die KI selbst sagt korrekt, wie der «Free Trial» wieder beendet werden kann.
Viele Probeabos verwandeln sich so langfristig eventuell in richtigen Umsatz. Und geht die Firma eventuell an die Börse, sind viele Kunden und «Umsatz» allemal wichtig.
Kniff bei Coop
Doch nicht nur Firmen um Künstliche Intelligenz nutzen solche Gratisprodukte, um ihre Zahlen aufzuhübschen.
Wer beispielsweise von der Import-Parfumerie, die zum Detailhändler Coop gehört, den Gutschein für eine Produktprobe erhält, kann auf den Kassenbons auch hier Spannendes entdecken.
So tippt Coop für einen Mini-Rasierschaum der Marke Biotherm sage und schreibe 50 Franken an Umsatz in die Kasse.

Bei weiteren «Testkäufen» von muula.ch um Duftproben waren es 23.30 Franken oder 8.90 Franken.
Mit nur drei Gratisprodukten kreiert die Coop-Gruppe über 80 Franken an Kassenumsatz.
Damit die Kunden nichts bezahlen müssen, braucht es noch den «Geschenk-Bon», der quasi in den Marketingaufwand einfliesst.
Kreative Buchhaltung
So geht es auch mit Produkten bei den Kinder-Sammelmarken in den Coop Supermärkten selbst.
Der Detailhändler tippt da 19.90 Franken oder 24.90 Franken an Bruttoumsatz in Registrierkassen, und nimmt die Beträge für die Gratisprodukte etwa über Gutscheine oder «Trophy»-Boni wieder heraus.


Nutzen Tausende solche Angebote, generiert der Detailhändler viele Millionen an Luftbuchungen, welche die Coop-Gruppe aber grösser aussehen lassen.
Beim Kopf-an-Kopf-Rennen zum Konkurrenten Migros wird mit harten Bandagen gekämpft.
Selbst bei Sonderangeboten erhöht Coop den ursprünglichen Verkaufspreis und bucht mehr in die Kasse, wie das Beispiel in den obigen Bildern verdeutlicht. Tausend solche Artikel, generieren 1000 neue Umsatzfranken.
Gratis auch bei Zeitungen
Auch Medien könnten all solche Dinge tun und Kunden monatlich Gratisabos zur Verfügung stellen.
Unser Wirtschaftsnews-Portal muula.ch wäre damit wohl bereits ein Millionenkonzern – tausende zahlen monatlich nichts, doch in der Bilanz landet viel Geld, das letztlich als Umsatz «hereinkommt» und gleich wieder als Marketingaufwand hinausgeht.
Durchlaufende Posten machen Firmen eben grösser. Der Kreativität sind da kaum Grenzen gesetzt.
Wer Buchhaltung versteht, kann kreativ werden, genauso wie ChatGPT, Coop & Co.
22.02.2026/kut.




