
Verbotene Arzneimittelimporte ziehen wieder deutlich an. Doch statt indische Erektionsförderer setzen Schweizer nun auf Mittel aus der EU gegen Haarausfall.
Am Markt für illegale Medikamente können Schweizer sehen, wie Wirtschaft funktioniert.
Nachfrage sowie Lieferwege ändern sich rasch und die Kunden ordern Online.
500 illegale Sendungen freigegeben
Das Schweizer Heilmittelinstitut Swissmedic, das Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG) und weitere Behörden haben es dann schwer, weil sie diesen Handel eigentlich unterbinden wollen.
Dem Zoll gingen 2025 an der Schweizer Grenze 6647 illegale Arzneimittelsendungen ins Netz. Das waren rund 17 Prozent mehr als im Jahr 2024, doch in etwa gleich viel wie 2022 und 2023, wie die Behörden zu den aktuellen Entwicklungen am Montag mitteilten.

Mehr als 500 Sendungen mussten 2025 trotz illegaler Herkunft freigegeben werden, da sie die gesetzlichen Kriterien für eine Beschlagnahmung nicht erfüllten, hiess es weiter.
Potenzmittel-Anteile halbiert
Während die Zahl sichergestellter Sendungen im Mehrjahresvergleich quasi stabil bleibt, zeigten sich deutliche Verschiebungen bei den importierten Produktarten sowie bei den Herkunftsländern.
Die Anbieter reagierten also auf die Abfangtechniken und Schwerpunktkontrollen der Schweizer Behörden, die auf Sendungen mit Potenzmitteln aus Indien quasi schon lauerten.
Der Anteil beschlagnahmter Erektionsförderer sei um 16 Prozentpunkte auf 41 Prozent erneut zurückgegangen.
Im Jahr 2022 lag der Wert noch bei rund 80 Prozent – mittlerweile hat sich dieses Geschäft um falsche Viagra & Co. also halbiert.
USA als Ursprungsland
Gleichzeitig verzeichneten aber andere Produktgruppen einen markanten Anstieg: Präparate gegen Haarausfall legten um 15 Prozentpunkte auf rund 19 Prozent aller beschlagnahmten Sendungen zu.
Hormone einschliesslich Melatonin erreichten einen Anteil von zwölf Prozent, was einem Zuwachs um 8 Prozentpunkte entsprach.
Viele dieser Produkte stammen aus den USA und gelangten teilweise über EU-Transitländer in die Schweiz, erklärten Swissmedic und das BAZG gemeinsam.

Während Indien als Herkunftsland weiter einbüsste und nunmehr nur noch auf einen «Marktanteil» von 20 Prozent kommt, legten Länder Westeuropas um 15 Prozentpunkte auf einen 40-Prozent-Anteil zu. 2022 lag dieser Wert noch bei 9 Prozent der Sendungen.
Frankreich und Deutschland nahmen Schmugglerringen aus Osteuropa auch rund 9 Prozentpunkte ab.
Konsumenten täuschen
Besonders trügerisch seien Angebote ausländischer Webseiten, die sich als vermeintliche Schweizer Online-Apotheken präsentierten, warnten die Schweizer Behörden.
Durch die Verwendung von Schweizer Symbolen, Domain-Endungen oder Logos täuschten sie Konsumenten, um Seriosität und rechtliche Sicherheit vorzugaukeln – obwohl sie keinerlei Bezug zur Schweiz, geschweige denn Bewilligungen für den Versandhandel in der Schweiz hätten.
Angebot und Nachfrage
Um die Bevölkerung vor den Gesundheitsrisiken illegaler und nicht geprüfter Arzneimittel zu schützen, bleibe eine starke Marktüberwachung ebenso zentral wie die Aufklärung über die damit verbundenen Gesundheitsgefahren, hiess es weiter.
Doch es zeigt sich, dass die Wirtschaft flexibel ist und alle Möglichkeiten nutzt, um einer Nachfrage auch ein Angebot gegenüberzustellen.
Im Gesundheitsbereich kann dies jedoch fatale Nebenwirkungen haben.
16.02.2026/kut.





