
Obwohl der Gewinn bei Swisscom eingebrochen ist, erhöht der Staatsfirma die Ausschüttung. Grund ist ein Deal um Milliarden mit dem Bund als Haupteigner.
In einem überraschenden Schachzug hat der Telekomgigant Swisscom für das Geschäftsjahr 2025 ein Ergebnis vorgelegt, das weniger nach Triumph als nach Drahtseilakt aussieht.
Wachstumsarmes Geschäft
Der Gewinn des Schweizer Branchenführers brach 2025 um fast 20 Prozent auf 1,3 Milliarden Franken ein, belastet durch hohe Kosten im Zusammenhang mit der schuldenfinanzierten Milliardenübernahme von Vodafone Italia.
Gleichzeitig schlägt der Verwaltungsrat aber eine Erhöhung der Dividende vor – von bisher 22 auf 26 Franken pro Aktie, wie Swisscom am heutigen Donnerstag bekanntgab.
Reserven schmilzen
Dies ist die erste Anhebung der Ausschüttung in dem eigentlich wachstumsarmen Geschäft seit 2010 und die Erhöhung um 18 Prozent erstaunt, wenn der Gewinn eingebrochen ist.
Schliesslich sind Dividenden eine Verwendungsmöglichkeit für Gewinn. Firmen könnten auch ihre Reserven stärken.
Mit der Dividendenanhebung schüttet Swisscom mehr als die bisher üblichen 1,14 Milliarden Franken aus und greift damit diesmal in die Rücklagen.
Bundesrat gelockt
Die Dividendenerhöhung geht bei Swisscom aber darauf zurück, dass mit der Milliardenübernahme von Vodafone Italia über Synergien zu den bestehenden Fastweb-Aktivitäten in Italien längerfristig mehr Geld verdient werden soll.
Dem Bund als Mehrheitseigentümer wurde der umstrittene Deal von Swisscom-CEO Christoph Aeschlimann genau damit schmackhaft gemacht und die Zustimmung abgerungen.
Finanzministerin Karin Keller-Sutter trug die Erhöhung der Swisscom-Dividenden sogleich auch in ihren Finanzplan ein, wie muula.ch berichtete.

Die Absegnung des Vorschlags zur Anhebung der Ausschüttung seit über einem Jahrzehnt an die Generalversammlung dürfte auch nur eine Formalie sein.
Der Bund mit den 51 Prozent als Mehrheitsbesitzer der Swisscom dürfte kaum gegen die Dividendenerhöhung stimmen, die er in seinem Finanzplan quasi schon verbraten hat.
Viele Negativentwicklungen
Bei Swisscom selbst stehen aber viele Zeichen auf «rot». Die Umsätze gehen sowohl in der Schweiz als auch in Italien zurück.
Der Schweizer Umsatz sank um 1,4 Prozent auf 7,9 Milliarden Franken. Selbst die Investitionen und den Personalbestand fährt Swisscom in der Schweiz deutlich nach unten. Festnetzanschlüsse brachen fast 10 Prozent innerhalb eines Jahres ein.
Breitbandanschlüsse gingen aber sowohl in der Schweiz als auch in Italien spürbar zurück.
Riskantes Vorgehen
Einzig gut läuft das sogenannte Wholesale-Geschäft, wo der Swisscom-Konzern seine Infrastruktur anderen Marktteilnehmern zur Verfügung stellt und diese verkaufen damit eigene Angebote am Markt.
Dabei sei an günstigere Produkte, wie Aldi Mobile oder Coop Mobile, gedacht. Für Swisscom sieht dies auf den ersten Blick lukrativ aus.
Doch langfristig dürften die eigene Kundschaft der teuren Swisscom damit den Rücken kehren.
Ziele nur knapp erreicht
Swisscom erhöhte aber sowohl Privat- als auch Firmenkunden in der Schweiz beispielsweise im Mobilfunkbereich die Tarife, um der Erosion der Umsätze und Gewinnmargen entgegenzuwirken.
Mit anderen Worten: Die Schweizer Kundschaft darf nun für das neue Milliardenabenteuer in Italien – nach dem Milliardendesaster Fastweb – wieder blechen.
Die Risiken trägt letztlich ohnehin der Schweizer Staat und nicht irgendwelche anderen Aktionäre.

Eine grosse Gefahr stellt dabei der Euro dar, der gegenüber dem Schweizerfranken noch deutlicher einbrechen könnte.
Das Umsatzziel 2025 erfüllte Swisscom auch nur knapp – mit einem etwas schwächeren Euro-Kurs hätte es der Staatskonzern wohl verfehlt.
Zu hinterfragen wäre in diesem Zusammenhang auch, ob Swisscom bewusst Wholesale-Deals einging, um der knappen Zielerreichung quasi auf die Sprünge zu helfen.
Riskante Luft in den Büchern
Swisscom hat zudem rund 6,6 Milliarden Franken an Goodwill und rund 5,7 Milliarden Franken an immateriellen Vermögensgegenständen in der Bilanzsumme von 36 Milliarden Franken.
Damit sind ein Drittel nicht greifbar und quasi riskante «Luft», weil sie nach der Dividendenausschüttung das Eigenkapital übersteigen dürften.
Beeinflussung der Öffentlichkeit
Die Dividende ist aber nicht der einzige Kniff, wie sich der Staatsbetrieb mittlerweile vorwärtsbewegt.
Medienmitteilungen schreibt der Swisscom-Mediensprecher im Stil eines positiven Zeitungsartikels, was Medien und die Systeme der Künstlichen Intelligenz ganz im Sinne der Swisscom beeinflussen dürfte.
Da setzt die Gehirnwäsche beim Volk und vor allem bei den Politikern an, die nur auf die Swisscom-Dividendenerhöhung schauen.
Realisieren sich die Milliarden-Risiken, tun aber alle gleich erstaunt.
12.02.2026/kut.





