
Das Staatssekretariat für Wirtschaft Seco lügt das Volk ständig über ein IT-Desaster an. Klar wird, dass die Behörde einen personellen Neuanfang braucht.
Die Schweiz ist das Versagen von IT-Projekten bei staatlichen Institutionen eigentlich gewöhnt.
Doch selbst hartgesottene Gemüter sind über das Vorgehen des Staatssekretariats für Wirtschaft Seco beim neuesten Software-Desaster des Landes erstaunt.
Jahrelange Missstände
Während der Wirtschaftsminister Guy Parmelin, der dieses Jahr auch Bundespräsident ist, in der Weltgeschichte herumreist und in Kuwait sowie Dubai viele Hände schüttelt, funktioniert im eigenen Haus quasi nichts.
Zahlreiche Arbeitslose müssen auf ihr Geld warten, weil seit Jahren ein IT-Projekt nicht korrekt umgesetzt wird.
Wie muula.ch bereits früher berichtete, dehnt das Seco die Wahrheit zu dieser Softwareeinführung «ASALfutur» zu stark, indem völlig falsche Medienmitteilungen über den Ist-Zustand herausgegeben werden.
Diesmal ist es wieder genauso.
Versteckt mit Arbeitslosenzahlen
Vor wenigen Tagen hatte die Behörde noch bestätigt, dass es praktisch keine Schwierigkeiten bei der Auszahlung von Taggeldern in der Arbeitslosenversicherung gebe.
Dann meldeten sich jedoch Betroffene, Arbeitnehmervertreter und Gewerkschaften bei Medien und erklärten, es gebe doch massive Probleme. Erst daraufhin räumte das Seco tatsächlich Auszahlungsprobleme ein.
Am heutigen Freitag gab es weitere Informationen – wie gewohnt weichgespült – im Rahmen der neuesten Arbeitslosenzahlen.
Bis zum 31. Januar 2026 haben nur rund 85 Prozent der erwarteten Auszahlungssumme für den Monat Januar ausbezahlt werden können, erklärte das Seco.
Bei der Auszahlung der Arbeitslosenentschädigung an neu angemeldete Arbeitslose bestünden Rückstände.
Optimistische Antwort zur EFK
«Das Seco und die Projektleitung von ASALfutur setzen alles daran, das Schlüsselprojekt des Bundes zur Erneuerung des Systems zur Abwicklung und Auszahlung der Leistungen der Arbeitslosenversicherung (ALV) zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen.»
Dies hatte die Behörde schon im April 2024 als Stellungnahme zur vierten Begutachtung der Misere durch die Eidgenössische Finanzkontrolle EFK erklärt.
Doch auch das stimmte offensichtlich nicht.
Unterschiedliche Ansprüche
«Der Bericht zur IT-Sicherheit und derjenige zur Architektur, der seit Ende Juni ebenfalls vorliegt, ergaben keine relevanten Risiken, die dem Go-Live im Januar 2026 entgegenstehen würden», hiess es noch im Juli 2025 einer sprachlich entstellten Stellungnahme des Seco.
Auch das stimmte angesichts der desaströsen Softwareeinführung nicht.
Machen Arbeitslose dagegen einen Fehler und verpassen eine Frist, sind das Seco und die Regionalen Arbeitsvermittlungszentren RAV gnadenlos und kürzen die Taggelder.
Nun erwarten die Beamten, dass Betroffene für das IT-Desaster der Behörden ein gewisses Verständnis aufbringen.
Funktionalitäten abgespeckt
Dabei waren die Probleme längst bekannt.
Mit dem Projekt wird seit 2017 die IT-Infrastruktur bei Taggeldern um Kurzarbeit, Insolvenz & Co. erneuert.
Im Dezember 2025 bis Anfang Januar wurde eigens die gesamte Software um die Stellen- und eServiceplattform Job-Room pausiert, um alles für die Auszahlung der Leistungen in der Arbeitslosenentschädigung (ALE) sowie der Leistungen im Bereich Internationales (INTR) vorzubereiten.
Doch all dies funktioniert nicht, obwohl das Seco felsenfest das Gegenteil behauptet. Von Internationalem ist schon gar nicht mehr die Rede.
Zeitnah informieren?
«Nach dem Systemwechsel ist es zu Verzögerungen beim Bearbeiten der Dossiers gekommen. Die Auszahlung der Arbeitslosenentschädigung ist stets gewährleistet», behauptete das Seco noch am 20. Januar 2026, wohl wissend, dass das nicht stimmt.
«Sollten sich relevante Änderungen ergeben, würde das Seco zeitnah informieren», versicherte die Behörde.
Die Betonung liegt da wohl auf «relevant». Tage später verpackt das Seco die Missstände mit den Arbeitslosenzahlen.
Nicht zur Tagesordnung übergehen
Die Lügen müssen nun zu personellen Konsequenzen führen, weil das Dehnen der Wahrheit gegenüber dem Volk, den Finanzprüfern des Bundes und sogar gegenüber politischen Aufsichtsgremien so nicht mehr geht.
Es ist ein Stadium erreicht, in dem Millionen und Abermillionen an Steuergeldern verschwendet und die Missstände schöngeredet werden.
Der Bund kann da nicht einfach zur Tagesordnung übergehen.
Bauernopfer finden
Doch der verantwortliche Wirtschaftsminister Parmelin, der seit 2019 dem Wirtschaftsdepartement vorsteht, schüttelt lieber Hände in der Welt.
Den Arbeitslosen in der Schweiz dürfte das völlig egal sein.
Der SVP-Bundesrat und Weinbauer wird wegen des Desasters sicher nicht selbst über die Klinge springen.
Doch ein hochrangiges Bauernopfer wird sich in der Behörde mit hunderten Mitarbeitern sicher finden.
06.02.2026/kut.





