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Die Finanzmarktaufsicht Finma soll über die Schweizer Finanzindustrie wachen. Doch Behördenkader finden gerne Jobs bei Beaufsichtigten.
Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht Finma hat nach dem Untergang der Credit Suisse (CS) just den zuständigen Direktor Urban Angehrn verloren.
Doch dieser hat nun einen neuen Job gefunden.
Nützliches Knowhow
Der Hauptzuständige bei der Aufsichtsbehörde für das CS-Desaster heuert bei der Private-Equity-Firma Partners Group an, wie das Unternehmen am heutigen Donnerstag überraschend bekanntgab.
Angehrn werde der Generalversammlung zur Wahl in den Verwaltungsrat von Partners Group vorgeschlagen, hiess es weiter.
Der einstige Chef des Schweizer Finanzplatzregulators, der früher für die Zurich Insurance Group gearbeitet hat, solle das Geschäft im Versicherungsbereich forcieren, erklärte die Private-Equity-Firma zu den Hintergründen der Personalie.
Ausserdem gebe es immer mehr Regulierung, weshalb das Knowhow von Angehrn nützlich sei.
Jordan als Paradebeispiel
Solche Wechsel sind in der kleinen Schweiz nicht ungewöhnlich, aber rufen regelmässig Stirnrunzeln hervor.
Wenn Mitarbeiter der Aufsichtsbehörden eigentlich nur auf gutdotierte Jobs in der Privatwirtschaft scharf sind, machen sie möglicherweise ihre kritische Beobachtung der Finanzinstitute nicht gut genug, so die Kritik.
Unlängst war ja der Chef der ehrwürdigen Schweizerischen Nationalbank SNB, Thomas Jordan, für den Verwaltungsrat der Zurich Insurance Group nominiert worden, wie muula.ch berichtete.
Besser wäre es für die Schweiz und wohl auch für den Ex-SNB-Präsidenten Jordan selbst gewesen, eine gemeinnützige Tätigkeit anzunehmen.
Swiss Re wechselt Spitzenposition
Am heutigen Donnerstag gab es aber noch eine andere Personalie bezüglich eines Ex-Finma-Direktors.
Patrick Raaflaub, Group Chief Risk Officer von Swiss Re, werde bis Ende September 2025 in den Ruhestand treten, teilte der Rückversicherer überraschend mit.
Raaflaub war 2014 von der Aufsichtsbehörde zu Swiss Re gewechselt.
Davor war er bereits einmal für den zweitgrössten Rückversicherer der Welt tätig gewesen.
Interne Lösung
Swiss Re hat bezüglich Risikoselektion bekanntlich kein allzu gutes Händchen und braucht durchaus Knowhow auf dieser wichtigen Position des gruppenweiten Risikomanagements.
Während der jüngsten Finanzkrise musste der Konzern vom Starinvestor Warren Buffett sogar gerettet werden.
Raaflaub ist auch Verwaltungsrat beim strauchelnden Krankenversicherer CSS aus Luzern.
Der Rückversicherer Swiss Re setzt statt Raaflaub nunmehr aber auf eine andere Lösung. Welche, will er noch bekanntgeben.
Vielleicht setzt der neue Swiss-Re-CEO Andreas Berger wieder auf eine Person von der «Kaderschmide» des Schweizer Finanzplatzes, der Aufsichtsbehörde Finma.
27.02.2025/kut.