
Die Mobiliar hat den Gewinn mehr als verdoppelt. Der älteste Privatversicherer der Schweiz macht zwei Dinge anders als sonst die Assekuranz.
Der genossenschaftliche Versicherer Mobiliar hat für 2025 aussergewöhnliche Geschäftsresultate präsentiert.
Aussergewöhnlicher Gewinn
Die Bruttoprämien legten teils deutlich über dem Marktwachstum um 4,7 Prozent auf 5,2 Milliarden Franken zu, wie die Mobiliar am heutigen Mittwoch vor den Medien in Bern bekanntgab.
Doch unter dem Strich legte der Gewinn sogar um 111 Prozent auf 825 Millionen Franken zu.
Ein Genossenschaftsversicherer, der fast eine Milliarde Franken an Überschuss generiert, ist schon ungewöhnlich.
Gemächliches Anheben der Prämien
Was ist also passiert?
Die Mobiliar hatte Glück bei der Schadenentwicklung sowie an den Kapitalmärkten.
Bis auf den verheerenden Felssturz in Blatten (VS), der eine Nettobelastung von rund 85 Millionen Franken verursachte, blieb 2025 praktisch Schlimmeres an Schäden aus.
Der kombinierte Schaden-Kosten-Satz verbesserte sich um 0,1 Prozentpunkt auf 97,0 Prozent, was im Marktvergleich eher unterdurchschnittlich ist.
Darin spiegelt sich aber die gemächliche Zeichnungsphilosophie eines Genossenschaftsversicherers wider, der nicht jedes Mal, wenn er könnte, die Prämien erhöht.
Gold und höhere Aktienquoten
Doch die lauteste Musik spielte bei den Kapitalanlagen.
Vor allem Gold und Aktien verzeichneten beträchtliche Wertsteigerungen und führten zu hohen Realisierungsgewinnen, teilte das von CEO Michèle Rodoni geführte Unternehmen sichtlich stolz mit.

Das finanzielle Ergebnis der Gruppe Mobiliar war 2025 mit 902 Millionen Franken mehr als doppelt so hoch, weil atypisch für Versicherer an einem Goldanteil von 6,5 Prozent der Kapitalanlagen festgehalten werde.
Zudem seien die Aktienquoten deutlich höher als sonst in der Schweizer Assekuranz, was der Gesellschaft im vergangenen Jahr erneut entgegenkam.
Anleihen brachten nichts
Bei dem hervorragenden Finanzresultat spielte aber noch ein Effekt hinein.
Es war die Reduktion der Beteiligung an der Swiss Marketplace Group (SMG), welche Mobiliar beim SMG-Börsengang vornahm. Dies spülte rund 300 Millionen Franken an Sondergewinn in die Firmenkasse.

Obligationen, die über 40 Prozent der Kapitalanlagen ausmachten, brachten 2025 jedoch gar kein Geld ein.
3 Tonnen Gold verkauft
Beim Gold will sich der Versicherer auch nicht beirren lassen und am angestammten Vorgehen festhalten, wie es an der Medienkonferenz auf eine Frage von muula.ch hiess.
Bricht der Goldpreis ein, kaufe Mobiliar nach, um wieder auf einen Anteil der Kapitalanlagen von rund 6,5 Prozent zu kommen.
Steigt das Gold im Wert, werde – wie bereits 2024 und nun 2025 – kräftig Gewinn realisiert, hiess es.
2025 verkaufte die Mobiliar immerhin 3 Tonnen Gold und hat noch 13 Tonnen von dem gelben Edelmetall.
Gewinne laufen zunächst ins Eigenkapital
Buchhalterisch (Swiss-GAAP-FER) bilanziert die Mobiliar das Gold zu aktuellen Werten, wobei die positive Differenz zwischen aktuellem Wert und Anschaffungswert erfolgsneutral über die Neubewertungsreserven erfasst werde.
Negative Differenzen zwischen aktuellem Wert und Anschaffungswert bucht der Versicherer sofort als Abschreibung auf Kapitalanlagen in der Erfolgsrechnung, wie die Firma im Geschäftsbericht erklärt.
Spätere positive Wertentwicklungen bis zum Anschaffungswert würden erfolgswirksam als Zuschreibung auf Kapitalanlagen erfasst.
Kein Börsencrash in Sichtweite
Solche Neubewertungsreserven und das hohe Jahresergebnis führten unter anderem zu einem Anschwellen des Eigenkapitals um 23 Prozent auf 8,7 Milliarden Franken.
Die gute Ausstattung bei den Eigenmitteln erlaubt es dem Berner Versicherer, bei seinen rund 23 Milliarden Franken an Kapitalanlagen eben auch in Gold zu investieren und mit deutlich höheren Aktienquoten zu agieren.
Einen Einbruch der Kapitalmärkte erwarte die Mobiliar derzeit nicht, hiess es zudem an der Medienorientierung.
Deutlich mehr Rabatt
In diesem Jahr begeht der Berner Versicherer sein 200-Jahr-Jubiläum.
Die Mobiliar will dabei den Zusammenhalt in der Schweiz fördern und plant zahlreiche Aktivitäten im ganzen Land.
Den Versicherten gibt die Gesellschaft aufgrund des guten Geschäftsresultates diesmal 319 Millionen Franken über Prämienreduktionen zurück.
Im Vorjahr waren rund 214 Millionen Franken an die Versichertengemeinschaft geflossen.
Konstante Dividende
Doch ein genossenschaftlicher Versicherer, der über eine Milliarde Franken an Gewinn in einem Jahr erwirtschaftet, könnte da wahrscheinlich noch anders agieren.
An die Mobiliar Genossenschaft selbst soll trotz des gigantischen Überschusses ohnehin nur eine konstante Dividende von 30 Millionen Franken fliessen.
Bleiben Aktien weiterhin attraktiv und geht der Goldpreis erneut durch die Decke, dürfte 2026 für die Mobiliar mit den zwei Eigenheiten nicht nur ein Jubiläums-, sondern auch wiederum ein Rekordjahr werden.
01.04.2026/kut.





