
Die Axa Schweiz hat sich beim Inferno von Crans-Montana gleich mehrere Grossschäden eingefangen. Der Versicherer reagiert mit einem Vorschlag.
Der neue CEO bei Axa Schweiz hat sich seinen Arbeitsstart wahrscheinlich anders vorgestellt.
Seit 1. Januar leitet der einstige Topmanager von der Berner Mobiliar, Patric Deflorin, den Winterthurer Versicherer.
Rücksprache mit Gemeinde
Doch kurz nach Mitternacht belastete in der Silvesternacht die Brandkatastrophe von Crans-Montana mit 40 Toten und über 100 Verletzten die Versicherungsgruppe Axa gleich in mehrfacher Hinsicht.
AXA Schweiz habe sowohl die Gemeindehaftpflichtversicherung von Crans-Montana als auch die Betriebshaftpflichtversicherung der Bar «Le Constellation» gedeckt. Dies teilte der Winterthurer Versicherer am späten Donnerstagabend nach Rücksprache mit der betroffenen Gemeinde mit.
Axa steht zur Verantwortung
Beide hätten branchenübliche Standardprodukte mit einer vertraglich limitierten Deckungssumme von Axa abgeschlossen, hiess es weiter.
Wer für den entstandenen Schaden haftet, lasse sich aber erst nach Abschluss der laufenden (Straf-)Untersuchung beurteilen.
Bekanntermassen kontrollierte die Gemeinde die Bar jahrelang nicht korrekt. Viele Minderjährige waren in der Silvesternacht auch nach 22 Uhr noch in der Bar, obwohl die Verantwortlichen dafür das Einverständnis eines Erziehungsberechtigten hätten haben müssen.
Selbstverständlich werde Axa Schweiz den Verpflichtungen als Versicherung vollumfänglich nachkommen, hiess es im Communiqué.
Unterdeckung festgestellt
Fest stehe allerdings bereits, dass die Versicherungssummen der Gemeinde und der Bar im Fall einer Haftung bei Weitem nicht ausreichten, um für alle finanziellen Schäden der überlebenden Opfer und Hinterbliebenen aufzukommen.
Mit anderen Worten: Crans-Montana und die Bar waren unterversichert.
Die medizinische Versorgung der Betroffenen sei unabhängig von der Haftung grundsätzlich gesichert.
Bei in der Schweiz wohnhaften Personen kämen die vorleistungspflichtigen Sozialversicherungen, darunter auch die Unfallversicherung der AXA, für die Kosten auf, erklärte der Assekuranz-Konzern.
Terror als Ursache?
Vorleistungspflichtige Sozialversicherer könnten die ihnen entstandenen Kosten ganz oder teilweise von den Haftpflichtigen zurückfordern.
Für Schäden von Betroffenen, welche die Sozialversicherer nicht abdecken, also etwa Genugtuungsansprüche, könnte ein Opferhilfegesuch nach Opferhilfegesetz gestellt werden.
Unklar ist bei der Tragödie allerdings noch, ob Terror-Ausschlüsse in den Policen greifen.
Wie muula.ch berichtete, befindet sich über der Bar in Crans-Montana die örtliche Synagoge und das Feuer könnte somit auch ganz andere Ursachen als profane Wunderkerzen haben.
Die Walliser Behörden wollten aber keine tiefergehenden Untersuchungen vor Ort zulassen, weshalb sie rasch Terror als Ursache ausschlossen.
Tragfähige Lösungen gesucht
Die AXA regte unter der Leitung des neuen CEO Deflorin an, einen runden Tisch für die Versicherungsschäden zu schaffen.
Unter der Leitung des Bundes könnten involvierte Parteien wie Vertreter der Opfer und der öffentlichen Hand sowie die involvierten Haftpflicht-, Sach-, Unfall- und Krankenversicherer unbürokratische und langfristig tragfähige Lösungen definieren, um für die finanziellen Schäden der überlebenden Opfer und Hinterbliebenen aufzukommen.
Dies ist ein weiser Vorschlag, denn sonst müssten Überlebende beziehungsweise Hinterbliebene viele Stellen separat anlaufen.
Über 200 Millionen an Schäden?
Wie hoch die Schäden für die einzelnen Policen sind, lässt sich zwar noch nicht abschätzen.
Rettungsmassnahmen, die medizinische Versorgung, langfristige Pensionen und Lohnausfälle sowie die Schadenersatzansprüche der gerade jungen Opfer sollen aber über 200 Millionen Franken kosten, hiess es bei verschiedenen Schätzungen.
Doch die Höhe lässt sich derzeit nicht verifizieren.
Eventuell Rückversicherer im Spiel
Die Axa ist in der Schweiz ein Grosskonzern, der zuletzt über 6 Milliarden Franken an Geschäftsvolumen verzeichnete und einen Reingewinn von fast 800 Millionen Franken erwirtschaftete. Insofern soll dies kein grosses Problem darstellen.
Normalerweise sind Grossschäden auch noch rückversichert. Dann holt sich der Erstversicherer einen Teil des ausgezahlten Geldes von Firmen wie MunichRe, SwissRe, Neue Rück, Scor & Co. zurück.
Der neue Axa-Schweiz-CEO Deflorin hat sich den Start bei seinem neuen Arbeitgeber sicher anders vorgestellt.
08.01.2026/kut.





