
Der starke Franken gefährdet aus Sicht der Swatch Group den gesamten Werkplatz Schweiz. Der Konzern sieht die Nationalbank in der Pflicht.
Uhrenpatron Nick Hayek hat wieder einmal auf den Tisch gehauen und sich zur Schweizer Wirtschaftspolitik geäussert.
«Das Problem für den Schweizer Industrieplatz allgemein sind nicht die US-Zölle, sondern der starke Franken», sagte der CEO der Swatch Group am Mittwoch vor den Medien in Biel.
Ausweichen auf andere Länder
Selbstverständlich sei ein starker und stabiler Franken erwünscht, betonte der Uhrenmanager.
Im vergangenen Jahr habe der Franken jedoch derart zugelegt, dass «wir dies nicht kompensieren können».
Und wenn der Franken stark bleibe, werde die Schweizer Industrie in anderen Ländern produzieren. Die Swatch Group habe versucht, ein Bewusstsein dafür zu schaffen.
«Man muss die Leute dafür sensibilisieren», so Hayek. Zuerst hätten die KMU der Romandie darauf hingewiesen; sie seien jedoch nicht gehört worden.
«Devisenkäufe reichen nicht»
Nach Meinung von Hayek reichen Devisenkäufe der Schweizer Nationalbank SNB nicht aus, um den Franken zu stabilisieren beziehungsweise zu schwächen.
Die SNB könne aber signalisieren, dass der Franken keine Währung für kurzfristige Spekulationen sei.
«Wenn die Nationalbank etwas unvorhersehbarer wäre, würde das schon helfen», sagte Hayek.
Boom in den USA
Wie der Bieler Uhrenhersteller bereits im Januar mitteilte, brach der Gewinn der Swatch Group um Uhrenmarken wie Tissot, Omega, Blancpain, Mido oder Breguet 2025 um 90 Prozent auf nur noch 25 Millionen Franken ein.
Der Umsatz sank im abgelaufenen Geschäftsjahr um 5,9 Prozent auf 6,3 Milliarden Franken. In der Bilanz schlummern aber Tonnen an Gold zu Anschaffungskosten.
Der Konzern verzichte laut Hayek vor allem auf Gewinn, um Kundschaft nicht zu verprellen. Und hierbei sei er für die Zukunft auch optimistisch.
Nordamerika, angeführt von den USA, habe 2025 ein Rekordjahr mit einem Umsatzwachstum von fast 20 Prozent in Lokalwährungen verzeichnet, unabhängig vom Chaos der US-Zolltarife, hob die Swatch Group zu positiven Entwicklungen hervor.
Kein Grund zur Markenkonsolidierung
Mehrere wichtige Märkte steigerten sich 2025 erheblich. So legten Indien, der Mittlere Osten, Mexiko und Polen zweistellige Umsatzzuwächse in allen Preissegmenten hin.
Hayek sieht aber keinen Grund für eine Konsolidierung seines doch üppigen Markenportfolios, wie er auf eine Frage von muula.ch hervorhob.
Die Swatch Group habe seit Jahren dieselbe Strategie, nämlich sich auf Marken aller Preissegmente zu fokussieren.
Alle Marken des Konzerns hätten ihre Möglichkeiten, die teureren wie die billigeren.
Auch die Mittelklasse, beispielsweise in Indien, wolle davon profitieren. «Wir wollen für gewisse Marken in den Handel mit Endkonsumenten investieren, aber es gibt keinen Grund für eine Konsolidierung», betonte Hayek.
Ausdauer für Golfregion
Mit Blick auf den aktuellen Irankrieg sagte Hayek, in den Golfstaaten würden zunächst keine Änderungen vorgenommen.
Die Swatch Group verfügt in den Golfstaaten ohne Saudiarabien über 208 Läden, die bis zum US-israelischen Krieg auf Iran rund 5 bis 10 Prozent des Umsatzes des Konzerns ausmachten, und zurzeit geöffnet bleiben.
Die Lieferkette sei durch den Krieg nicht beeinträchtigt. Doch es brauche Geduld für die Märkte.
Die Region lebe vom Tourismus, der nun zu 80 Prozent ausbleibe.
«Wenn wir sehen, dass keine Möglichkeit für Dubai besteht, auf das frühere Niveau zurückzukommen, werden wir Anpassungen vornehmen.»
Bis dahin sehen die Uhrenfabrikanten Hayek die Nationalbank erst einmal für einen schwächeren Franken in der Pflicht.
18.03.2026/mat.





