Statistiker verdeutlichen Feuerdrama von Crans-Montana

Schuhe eines Rettungshelfers in einem Feuer
Vielen Opfern von Crans-Montana hätte bestimmt besser geholfen werden können. (Symbolbild: pixabay)

Das Inferno von Crans-Montana schockte die Welt. Nun zeigen Daten, wie aussergewöhnlich das Ereignis für das Schweizer Gesundheitswesen war.

Viele Schweizer glauben, ein gutes Gesundheitssystem in ihrem Land vorzufinden.

Gewiss ist vieles besser als so mancherorts.

Über 100 Verletzte auf ein Mal

Doch für Grossereignisse, wie das Inferno in der Silvesternacht in Crans-Montana, ist die Schweiz alles andere als gerüstet.

Dies verdeutlichte nicht nur das Rettungschaos in der Walliser Gemeinde, bei dem Verletzte laut Meldungen stundenlang in eisiger Kälte auf Hilfe ausharren mussten.

Die traurige Bilanz zum Jahresauftakt lautet bisher 41 Todesopfer sowie 115 Verletzte.

Für die Opfer ist es nur ein kleiner Trost, aber wie die neuesten Zahlen des Bundesamtes für Statistik BFS zum Schweizer Gesundheitswesen zeigen, war das Ereignis durchaus aussergewöhnlich.

Gesundheitssystem überfordert

So wurden in der Schweiz im ganzen Jahr 2024 exakt 844 Personen wegen Verbrennungen im Spital behandelt, hiess es.

Davon hätten 90 Personen schwere Verbrennungen aufgewiesen und seien durchschnittlich 27 Tage hospitalisiert gewesen, teilte das BFS mit.

Wenn also in einer Nacht über 100 Personen mit teils schwersten Verbrennungen behandelt werden müssen, sprengt das den Rahmen des Schweizer Gesundheitswesens.

In der Schweiz gibt es ohnehin nur zwei Zentren für Brandverletzte – eins am Universitätsspital in Lausanne (CHUV) und eins am Universitätsspital in Zürich (USZ).

Verbrennungsopfer im Jahr 2024 in der Schweiz laut BFS

Doch es hat ohnehin viel zu lange gedauert, bis Bundesbern die Verletzten auf andere Länder verteilte, wie muula.ch berichtete.

Eigentlich hätte sofort klar sein müssen, dass die Schweiz für eine solche Feuerkatastrophe wie in der Bar «Le Constellation» nicht gerüstet ist. Doch zugeben wollte dies offiziell wohl niemand.

Viele Behandlungsplätze für Kinder

Kinder unter 5 Jahren würden fünfmal häufiger wegen Verbrennungen im Spital behandelt als Erwachsene, fanden die BFS-Zahlenexperten weiter heraus.

Insofern gibt es in den auf Verbrennungen spezialisierten Kliniken viele Plätze für Kinder.

Behandlung von Brandopfern in der Schweiz im Jahr 2024 laut BFS

Doch diese passten häufig für die vielen Erwachsenen des Infernos von Crans-Montana nicht. Dies kam erschwerend hinzu.

In Deutschland gibt es eine zentrale Stelle für solche Brandverletzten des ganzen Landes, die alle sofort über die Feuerwehr Hamburg alarmiert werden können.

Zahlreiche Todesfälle

Wer sieht, wie schwierig selbst die Situation für die Betroffenen nach dem Spitalaustritt im Jahr 2024 war, dem wird das Ausmass der Walliser Brandkatastrophe noch mehr klar.

Statistik zur Situation von Brandopfern nach Spitalaustritt im Jahr 2024

So brauchten 450 der 844 Brandverletzten im Jahr 2024 ambulante Pflege.

Bei 80 war sogar stationäre Pflege nötig und 12 Personen erlagen ihren Verletzungen.

Zahlen müssen wachrütteln

Die Gesamtkosten der Spitalbehandlungen wegen Verbrennungen beliefen sich im Jahr 2024 laut dem BFS aber lediglich auf rund 32 Millionen Franken.

In der reichen Schweiz, wo jedes Jahr über 100 Milliarden Franken für das Gesundheitswesen ausgegeben werden, wären also ein paar Millionen Franken mehr für Spitalplätze von Verbrennungsopfern durchaus nützlich für das Inferno von Crans-Montana gewesen.

Klar, hinterher ist man bei Katastrophen immer schlauer. Aber für die Zukunft muss die Schweiz unbedingt für Grossereignisse aufrüsten.

Die BFS-Zahlen müssten das Land für die ungenügenden Gegebenheiten im Gesundheitssystem sensibilisieren.

07.04.2026/kut.

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