
Die US-Strafzölle von Trump prallen an der exportorientierten Schweiz völlig ab. Dennoch muss das Land auf einen Industriezweig stark aufpassen.
Egal, wie weit man in den offiziellen Berichten zum Schweizer Aussenhandel zurückgeht, die Situation bleibt immer die gleiche.
Die kleine Schweiz beglückt die Welt mit vielen Produkten und kauft anderen Ländern aber nur deutlich weniger Waren ab.
Gigantische Exportüberschüsse
Im Jahr 2025 betrug dieser Handelsüberschuss rund 54,3 Milliarden Franken, wie das Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit BAZG diese Woche zu den neuesten Entwicklungen bekanntgab.
Doch im Jahr 2024 lag der Wert schon bei hohen 60,4 Milliarden Franken und im Jahr 2023 immerhin bei 48,3 Milliarden Franken.
In den Jahren 2022, 2021 und 2020 lag der Schweizer Exportüberschuss jeweils konstant bei rund 43 Milliarden Franken.
Verdopplung innerhalb einer Dekade
Selbst vor der Coronavirus-Pandemie kam der Schweizer Handelsbilanzüberschuss auf 37 Milliarden Franken.
Im Jahr 2014 belief sich der Saldo zwischen den Aus- und Einfuhren der Schweiz auf rund 30 Milliarden Franken.
Innerhalb von 10 Jahren verdoppelte sich also der Exportüberschuss des Landes. Die Schweizer Volkswirtschaft floriert mit Ausfuhren.
USA nehmen auch 2025 mehr ab
Im Jahr 2025, als US-Präsident Donald Trump das Land kräftig in die Mangel nahm, konnten die US-Strafzölle auf Schweizer Waren der Volkswirtschaft nicht wirklich etwas anhaben.
Der Aussenhandel legte insgesamt in beiden Handelsrichtungen zu. Die Gesamtexporte nahmen um 1,4 Prozent auf 287,0 Milliarden Franken zu und erreichten damit einen neuen Rekordstand.

Auch die USA kauften der Schweiz wieder mehr Waren ab. Das Schweizer Exportvolumen erhöhte sich im vergangenen Jahr um rund 3,9 Prozent auf rund 55 Milliarden Franken.
Chlorhühner und F-35 helfen kaum
Die Gesamtimporte in die Schweiz stiegen 2025 – nach zwei Vorjahren im Minus – um 4,5 Prozent auf 232,7 Milliarden Franken. Dies entspreche dem zweithöchsten Wert in der Geschichte, erklärte das BAZG zu den Entwicklungen.
Die Importe aus den USA sanken dagegen um 5,7 Prozent auf nur noch 13,3 Milliarden Franken, was stark auf den Wertzerfall des Dollars zurückgeführt werden dürfte.

Letztlich betrug der Handelsbilanzüberschuss der Schweiz mit den Amerikanern trotz viel Tamtam um US-Strafzölle weiterhin rund 40 Milliarden Franken.
Ein paar Chlorhühner oder Rind- beziehungsweise Bisonfleisch können der Schweiz da auch nicht wirklich helfen. Selbst weitere Milliardenbestellungen von F-35-Kampfjets durch Bundesbern wären nur einmalig und nicht dauerhaft.
Chemie und Pharma im Fokus
Ein Blick in die Details zum Schweizer Aussenhandel verrät zudem, dass sich die Hauptbewegungen im internationalen Gütertausch praktisch nur um chemische- und pharmazeutische Waren von Novartis, Roche, Sandoz, Lonza & Co. drehen.
Sie kamen in den vergangenen Jahren auf ein Exportvolumen von zirka 150 Milliarden Franken pro Jahr.
Bei allen anderen Import- wie Exportprodukten um Maschinen, Fahrzeugen, Uhren, Nahrungsmitteln & Co. geht es über die Jahre mal eine Milliarde rauf oder runter.
Dies dürfte teils auch an den Währungsverschiebungen zum Schweizerfranken liegen.
Doch fällt all dies nur wenig ins Gewicht.
Slowenien gewinnt an Bedeutung
Aberwitzig ist dabei in den vergangenen Jahren, dass Slowenien mit zuletzt je 26 Milliarden Franken an Exporten und Importen quasi zu Deutschland und den USA als wichtigste Handelspartner der Schweiz aufstieg.
Das Land profitierte aber «bloss» von Investitionen der Basler Pharmaindustrie um Novartis, Sandoz & Co.
Doch die Wirkungen von Investitionen können sich mit der Zeit gigantisch auswirken.

Indien, der Staat, auf welchen die offizielle Schweiz viel Hoffnung beim Aussenhandel setzt, kommt gerade mal auf je 2 Milliarden Franken an Exporten und an Importen.
Es sind mit Blick auf die Gesamtausfuhren von 287 Milliarden Franken und Gesamteinfuhren von 233 Milliarden Franken also Peanuts, die sich auf Jahressicht nicht deutlich auswirken werden.
Ohne Investitionen dürfte sich da auch künftig mit der indischen Volkswirtschaft nicht viel bewegen. Genauso verhält es sich mit dem neuen Freihandelsabkommen mit Malaysia.
Das Land taucht bisher nicht einmal in der Statistik des BAZG einzeln auf.
Schweiz sagt Investitionen zu
Bei den USA ist das dagegen anders.
US-Präsident Trump liess sich am WEF 2026 in Davon von seinen Leuten vor den versammelten Bundesräten nämlich erklären, die 40 Milliarden Franken an Handelsbilanzüberschuss seien kein Problem mehr, wenn die Schweizer Chemie- und Pharmaindustrie endlich ihre Produktion wie geplant in die USA verlagere.
Doch dann hat die kleine exportorientierte Schweiz ein Problem mehr.
Druck am WEF
Wie weit der Prozess bereits fortgeschritten ist, zeigt das Kräfteverhältnis im Management.
Novartis wird bereits von den Amerikanern vollständig dominiert, wie muula.ch unlängst über die Zeitenwende nach Austritt von Verwaltungsratspräsident Jörg Reinhardt berichtete.
Bei Roche ist es noch nicht so.
Doch im Board vom WEF sitzen Blackrock-Gründer Larry Fink und Roche-Vizepräsident André Hoffmann nun gemeinsam an der Spitze.
Und da wird der Roche-Erbe sicher gut von den Amerikanern «bearbeitet».
01.02.2026/kut.





