Sinkender Nutzen beim Schweizer Freihandel

ein Containerschiff auf offenem Meer
Der Handel erfolgt oft mit Containerschiffen über die Weltmeere. (Bild: A. Kliem / pixabay)

Die Schweiz schliesst derzeit viele Handelsverträge. Doch der Nutzen wird überschätzt, wie Indonesien und ein Staatsgeheimnis um China zeigen.

Die Zolleinsparungen beim Im- und Export dank Freihandelsabkommen (FHA) sind eingebrochen.

Dies geht aus dem jüngsten FHA-Monitor des Staatssekretariats für Wirtschaft Seco hervor, den die Behörde vor wenigen Tagen publizierte.

Sichtlicher Schwund

Demnach sank der Betrag, den Schweizer Unternehmen 2023 durch Freihandel sparen, auf 2,2 Milliarden Franken.

Im Jahr davor waren es noch 2,4 Milliarden Franken gewesen, wie muula.ch aus den Vorjahreszahlen herausfand.

Der Einbruch des Nutzens von Freihandelsabkommen betrug somit fast 10 Prozent. Das Seco hat diesen Rückgang nicht kommuniziert.

Nutzungsraten variieren

Doch wie kann das sein, wo doch der Eindruck vorherrscht, der Handel der Schweiz boomt?

muula.ch erkundigte sich bezüglich des Rückgangs beim Seco. Im Jahr 2023 seien die Importe in die Schweiz ohne Gold um 3,8 Prozent niedriger als im Jahr 2022 gewesen, erklärte eine Mediensprecherin die Entwicklungen.

Zudem variiere die Nutzungsrate der FHA je nach Handelspartner, Produktgruppen, Zeit, Firma und Lieferung sehr stark, hiess es weiter.

Ausser Spesen nichts gewesen

Die Schweiz hat nun zum 1. April 2025 das Freihandelsabkommen mit Moldau in Kraft gesetzt.

Bundesrat, Parlament und viele Beamte waren dafür involviert.

2023 exportierte die Schweiz Güter im Wert von 56 Millionen Franken und importierte 22 Millionen Franken aus Moldawien.

Viele Einsparungen durch den Wegfall von Zöllen kann man da also nicht erwarten.

Wahrscheinlich hat die Verhandlung mehr gekostet, als der Vertrag an Nutzen bringen wird.

Indonesien dümpelt vor sich hin

Das Freihandelsabkommen mit Indien, das derzeit in der Mache ist, dürfte da deutlich mehr Potenzial bieten

Doch angesichts der Entwicklungen, die aus dem neuesten FHA-Monitor hervorgehen, darf die Euphorie nicht allzu sehr steigen.

Die Schweiz hat nämlich seit 2021 – nach langem Tauziehen und einer Volksabstimmung – das sogenannte Palmöl-Freihandelsabkommen mit Indonesien.

Freihandel der Schweiz mit Indonesien
Von Freihandel kann bei Indonesien kaum gesprochen werden. (Screenshot: muula.ch)

Die Importe aus dem Land in die Schweiz betrugen 2023 rund 2,4 Milliarden Franken, wie es im neuesten Report hiess.

Allerdings betrug der Anteil des zollfreien Handels keine 5 Prozent.

Sinkende Ausfuhren

Auch bei den Schweizer Exporten in das asiatische Land sieht es nicht viel besser aus. Jahre nach dem Inkrafttreten des Freihandelsabkommens sind über 70 Prozent der Ausfuhren aus der Schweiz noch mit Zöllen belegt.

Indonesien galt als Hoffnungsträger für die Schweizer Wirtschaft.

Das Exportvolumen in den Vielvölkerstaat betrug 2023 aber nur 0,67 Milliarden Franken.

Das Freihandelsabkommen hat die Ausfuhren sogar zurückgehen lassen – im Jahr 2022 waren es fast 1 Milliarde Franken an Schweizer Exporten gewesen.

Staatsgeheimnis um Exporte

Wie überschätzt der Nutzen von Freihandelsabkommen teilweise ist, kann man auch am Beispiel China sehen.

Dies hat muula.ch bereits mehrfach thematisiert, weil das Abkommen bereits zehn Jahre existiert und als Hoffnungsträger für die Schweiz galt.

Schweizer Handel mit China
Auf fast die Hälfte der Importe aus China fallen Zölle an. (Screenshot: muula.ch)

Die zwei Länder trauen sich nicht einmal, den Nutzen des Abkommens bei den Schweizer Exporten anzugeben.

Die Seite «Exporte nach China» fehlt im FHA-Monitor. Laut Seco hat es da vom Partnerland keine Daten gegeben.

Doch selbst kleinste afrikanische Länder oder Inselstaaten liefern solche Angaben, wie die Studie zeigt. Und würde es positiv sein, hätten die Beamten es längst publiziert.

Rückläufiges Einkaufen der Schweiz

Bei den Importen von China in die Schweiz sind über 40 Prozent der Waren noch mit Zöllen versehen.

Und die Gesamtexporte Chinas in die Schweiz brachen innert Jahresfrist um rund 11 Prozent ein.

EU dominiert klar

Mit einem Handelskrieg hat all dies noch gar nicht zu tun. Dieser beginnt erst jetzt. Und der wichtigste Handelspartner der Schweiz ist und bleibt die EU.

Die wichtigsten Zahlen der Schweiz lauten gemäss Seco: Exportvolumen 131 Milliarden Franken und die Importe betrugen fast 170 Milliarden Franken.

Indonesien, China, Indien und vielleicht Moldawien kommen da in den nächsten Jahrzehnten wohl kaum heran. 

24.03.2025/kut.

Sinkender Nutzen beim Schweizer Freihandel

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