Schweiz leidet unter unzureichendem Wettbewerb

Einige Männer schieben Kugeln und Boxen
In der Schweiz herrscht oft unfairer Wettbewerb vor. (Bild: ai-generiert)

Viele Schweizer fragen sich, warum sie häufig tiefer als andere in die Taschen greifen müssen. Mehrere Studien liefern nun die Antworten.

Am Ende waren die Ökonomen froh, in der Schweiz zumindest einen Bereich gefunden zu haben, wo der Wettbewerb uneingeschränkt spielt.

Behinderung und Abschottung

Das Staatssekretariat für Wirtschaft Seco hatte gleich mehrere Studien in Auftrag gegeben, um die Wettbewerbsintensität, die Konsumentenpreise, den Bankenmarkt nach der Notfusion der Credit Suisse durch die Grossbank UBS und etwa Finanzierungsvorteile staatsnaher Unternehmen zu analysieren.

Die Ergebnisse waren teils ernüchternd, wie am Donnerstagnachmittag an der Universität Bern klarwurde.

Wettbewerbsbehinderungen, Marktabschottungen, unfaire Vorteile, regulierte Preise verteuern das Leben in der Schweiz und zementieren die sogenannte Hochpreisinsel.

Wettbewerb fördere Wohlstand, Innovation und langfristiges Wachstum, hiess es zwar im Seco-Communiqué. Doch davon ist in vielen Lebensbereichen der Schweiz nur wenig zu spüren.

Nett verpackter Protektionismus

Tarifäre Handelshemmnisse, wie Agrarzölle oder nicht tarifäre Handelshemmnisse, wie Einfuhrregeln und Schutzbestimmungen, verteuern Importe, hiess es beispielsweise in einer Forschungsarbeit, die auf einem politischen Vorstoss beruht.

Ausländische Hersteller schotten zudem den Schweizer Markt ab, indem sie Händlern etwa verbieten, Produkte günstiger im Ausland einzukaufen, um sie in der Schweiz zu vertreiben.

All dies trage zum hohen Preisniveau bei, hiess es zur Situation.

Staat greift überall ein

Hinzu kommen administrierte, also staatlich festgelegte Preise, die im Gesundheitswesen oder im Mietmarkt gelten.

Im öffentlichen Verkehr müssen Billettpreise und Abonnemente auch von Bund und Kantonen genehmigt werden. Im Luftverkehr bewilligt das Bundesamt für Zivilluftfahrt die Flughafen- und Passagiertaxen.

Ebenso existieren administrierte Preise im Versicherungs-, Energie-, im Post- oder im Telekommunikationsmarkt.

Von der Ernährung über das Wohnen, der Mobilität und der Energie bis hin zum Telefon, bewegt sich in der Schweiz quasi nichts ohne Regulierung.

Schutzmassnahmen der Schweiz gegen Auslandsimporte
Komplizierte Schutzmassnahmen der Schweiz verhindern Importe. (Screenshot: muula.ch)

Bestes Beispiel ist das seit Jahrhunderten geltende Schweizer Salzregal, bei dem aussschliesslich Kantone mit Salz handeln und dieses gewinnen dürfen.

Wer mehr als 50 Kilo an Salz pro Jahr in die Schweiz importieren möchte, braucht eine Bewilligung.

Aushebeln der Marktkräfte

Doch so geht die von Erdbeeren, Pflaumen, Eiern, Milch, Butter, Fleisch, Kartoffeln, Medikamenten, Briefsendungen bis hin zu Erdgas und staatlichen Versicherungen.

Die dirigistische Wirtschaftspolitik garantiert vielen Branchen und Marktteilnehmern grosse Vorteile, die logischerweise nicht abgeschafft werden sollen, aber letztlich die Verbraucher belasten.

Begründet wird die Situation oft mit Marktversagen. Doch die Eingriffe haben dann wiederum ökonomische Implikationen, weil etwa Knappheitssignale nicht korrekt gesendet werden.

Im Bankenmarkt fehlt Konkurrenz

Mit dem Wegfall der Grossbank Credit Suisse, die mit der UBS fusioniert wurde, förderten die Wissenschafter auch spürbare Verschlechterungen bei manchen Finanzierungen hervor.

In einer Umfrage sahen viele Schweizer Finanzchefs und Pensionskassen sogar nur die letzte verbliebene Schweizer Grossbank UBS als Alternative.

Alternativen für den CS-Wegfall
Die UBS ist die einzige Alternative für CFO. (Screenshot: muula.ch)
Alternativen zur Credit Suisse für Pensionskassen
Pensionskassen sehen nur die UBS als Alternative für die CS. (Screenshot: muula.ch)

Die diktiert aber eben dann als Quasimonopol die Preise.

Selbst Staatsbetriebe, wie die Kantonalbanken, haben Finanzierungsvorteile gegenüber Privaten und verzerren den Wettbewerb, wie die Seco-Studien bestätigten. Doch als Alternative zur CS funktionieren sie nicht.

Etablierte erhalten Kontingente

Die Preise sind sogar 20 Prozent höher aufgrund von Zollkontingenten, fanden die Forscher heraus.

Bei Pflaumen steigen von Juli bis September etwa die Zolltarife von 3 auf 102 Franken je 100 Kilogramm, wenn diese Waren dann ausserhalb von Kontingenten importiert werden.

Neue Akteure haben im Oligopolmarkt von Coop, Migros & Co. ohnehin kaum eine Chance, weil die Zuteilung der Kontingente auf Vorjahreswerten basiert.

Die Kontingentinhaber kaufen zu ausländischen Preisen und verkaufen zu Schweizer Preisen, was zum Abschöpfen von Gewinnen führt.

Statt während der Hauptsaison von Äpfeln, Birnen, Aprikosen, Erdbeeren, Kirschen & Co. zu tieferen Verkaufspreisen zu führen, dürfen sich Schweizer Verbraucher über viel höhere Preise in der Erntezeit ärgern.

Seco beauftragt Auslandsforscher

Die Schweizer Verbraucher leiden also unter fehlender Konkurrenz.

Am Ende fanden die Wissenschafter, dass wohl nur bei Forschungsaufträgen in der Schweiz der harte Wettbewerb so richtig spielt.

Konkurrenz belebt das Geschäft und dann sinken auch die Preise.

Diesen Mechanismus wendete das Seco bei der Auswahl der Studienaufträge an und holte sogar Forscher aus dem günstigeren Ausland.

30.01.2026/kut.

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