NZZ rutscht erneut tief in die Verlustzone

Das Logo der NZZ auf dem Verlagsgebäude in Zürich bei Nacht
Bei der NZZ-Gruppe läuft es nicht besonders gut. (Bild: PD/Andreas Bodmer)

Die «Neue Zürcher Zeitung» hat für 2025 einen Jahresfehlbetrag von 35 Millionen Franken ausgewiesen. Viel besser läuft es dagegen bei den Wanners.

Die «Alte Tante» an der Zürcher Falkenstrasse, wie die «Neue Zürcher Zeitung» gerne genannt wird, hat erneut zahlreiche Rückschläge erlitten.

Printgeschäft belastet

Die Zahl der Abonnenten sank 2025 um weitere Tausende und kam nur noch auf 208.800, wie das Zürcher Medienhaus in der Nacht auf den heutigen Donnerstag bekanntgab.

Die Erlöse gingen innerhalb eines Jahres um rund 5 Prozent beziehungsweise 12 Millionen auf nur noch 236 Millionen Franken zurück.

Das Printgeschäft sei weiterhin rückläufig und für die Kompensation dieser Entwicklung durch das Digitalgeschäft seien bedeutende Investitionen notwendig, hiess es zu den Herausforderungen.

Absturz im 2. Halbjahr 2025

Das Konzernergebnis rutschte ins Minus und kam bei -34,5 Millionen Franken zu erliegen.

Im Jahr 2024 war noch ein Gewinn von 14,8 Millionen Franken angefallen.

Und im ersten Halbjahr 2025 war mit einem Gewinn von 7 Millionen Franken auch noch alles im Lot.

NZZ-Finanzkennzahlen
Im Jahr 2022 erlitt die NZZ fast 200 Millionen Franken an Verlust. (Screenshot: muula.ch)

Positiv trugen die Entwicklungen beim Medienhaus CH-Media der Verlegerfamilie Wanner bei, von denen die NZZ-Gruppe mit 35 Prozent partizipiert.

Da CH-Media mit der «Aargauer Zeitung», «Schweiz am Wochenende», «St. Galler Tagblatt», dem Online-Portal Watson, Radio, TV & Co. aus einem Umsatz von rund 400 Millionen Franken fast einen Gewinn von 40 Millionen Franken erwirtschaftete, erhält die «Alte Tante» rund 14 Millionen Franken.

Ohne diesen Effekt von den Wanners sähe das Resultat von der «NZZ» noch viel schlechter aus.

Goodwill-Abschreiber belasten

Das Zürcher Medienhaus NZZ führt die Verluste, welche das Ausmass von 2022 nochmals deutlich überschreiten, hauptsächlich auf Goodwill von rund 43 Millionen Franken im Zusammenhang mit der Veräusserung des Zürcher Film Festivals und von Architonic zurück.

Im Anhang des Geschäftsberichtes finden sich viele Architektur-Engagements von Chile über Mexiko bis Hongkong und den USA in Liquidation.

Es zeigt sich, dass die NZZ-Gruppe für all solche Abenteuer viel zu viel gezahlt hat und bei der Beendigung dieser Kapital nun zu Verlusten in der Erfolgsrechnung führen.

Offizielle Schweiz stützt

Ohnehin ist das Medienunternehmen nur noch ein halber Zwerg und versinkt in der Bedeutungslosigkeit, wie muula.ch berichtete.

Und dies, obwohl Behörden, wie das Schweizer Verteidigungsdepartement, jährliche NZZ-Abos für Hunderttausende Franken abgeschlossen haben, wie das VBS unlängst bekanntgab.

Reserven sinken weiter

Während also bei den Wanners eine Gewinn-Marge von rund 10 Prozent herausschaut, produziert die «Alte Tante» wieder einmal einen Millionenverlust.

Je Aktie beträgt dieser Fehlbetrag über 800 Franken, dennoch schlägt der Verwaltungsrat der Generalversammlung eine Dividende von 200 Franken je Titel vor.

Damit sinken die Reserven der Gesellschaft weiter.

Schwierige Deutschland-Expansion

Wie schwierig die Situation aber teilweise ist, verdeutlicht der Personalaufwand, der jährlich bei rund 120 Millionen Franken liegt.

Die Ausgaben für die Mitarbeiter sind im Verhältnis zu den Einnahmen sehr zu hoch, denn IT-, Vertriebs- und Materialaufwand & Co. kommen zum Personal noch obendrauf.

Die Expansion nach Deutschland, wo der Medienmarkt hart umkämpft ist, wird obendrein durch den Zerfall des Euro belastet.

Und auch die publizistische Strategie von Chefredaktor Eric Gujer mit dem Verfall der Wirtschaftskompetenz des Blattes kommt nicht überall an.

Abenteuer Aussenwerbung

Auch 2026 bleibe das Marktumfeld anspruchsvoll, erklärte das von NZZ-CEO Felix Graf geführte Medienunternehmen.

Für 132 Millionen Franken baute die NZZ-Gruppe ihre strategische Beteiligung an der Aussenwerbefirma APG aber bereits von 25 auf 45 Prozent aus und verlässt damit wieder klar den Bereich von Qualitätsjournalismus.

Verkauf von Tafelsilber?

Mit anspruchsvoll ist aber wohl auch gemeint, dass das Medienhaus in diesem Jahr ein Darlehen über 40 Millionen Franken zurückzahlen muss.

Doch auch dabei hilft die Verlegerfamilie Wanner.

Per 1. April 2026 verkauft die «Alte Tante» ihre 35 Prozent an der CH Media Holding AG an die AZ Medien, teilten beide Firmen mit ihren Jahresabschlüssen mit.

Damit können die Wanners bei weiteren Rückschlägen die NZZ aber künftig nicht mehr stützen.

26.03.2026/kut.

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