Novartis verliert Glauben an Indien

Logo von Novartis am Campus in Basel
Novartis verkauft seine Beteiligung in Indien. (Bild: PD)

Die offizielle Schweiz will die Wirtschaftsbeziehungen mit Indien verbessern. Die Realität sieht anders aus und Beteiligte haben kaum Hoffnung.

Ist Indien ein Zukunftsmarkt?

An dieser Frage scheiden sich derzeit die Geister.

Viel Bürokratie und harter Wettbewerb

Die einen sagen, ja, weil über 1,4 Milliarden Menschen ein grosses Potenzial darstellen. Der neueste Aussenwirtschaftsbericht der Schweiz lobt Indien förmlich in den Himmel.

Doch andere sagen, nein, weil Indien in den vergangenen Jahren nur von der Schwäche Chinas profitierte, hart umkämpft und langfristig mit seiner Bürokratie sowie dem wenig vertrauenswürdigen Rechtssystem für westliche Anbieter unattraktiv ist.

Finanzinvestoren kaufen

Nun reagiert ein namhafter Schweizer Anbieter auf dem Markt.

Es ist der Basler Pharmakonzern Novartis, der sich von seiner Beteiligung in Indien trennt.

Novartis India Limited, immerhin an der Börse in Bombay kotiert, werde veräussert, teilte Novartis am Freitag zu seinem einen Anteil von 70,68 Prozent mit.

Der Verkauf erfolge an ein Konsortium und für den Anteil erhalte Novarts rund 159 Millionen Dollar von Finanzinvestoren, hiess es weiter.

Zum Käuferkonsortium gehören WaveRise Investments, ChrysCapital und Two Infinity Partners. Zudem wurde umgehend ein Pflichtangebot für den Erwerb der 26 Prozent ausstehender Anteile angekündigt.

Auch Holcim kehrte Rücken

Novartis begründete den Marktausstieg mit der neuen Firmenstrategie.

Bekanntermassen wollen sich die Basler nur noch auf innovative, hochpreisige Medikamente konzentrieren und spalteten das Generika-Geschäft um Sandoz ab.

In dem asiatischen Land hat der Schweizer Pharmariese ohnehin keine Produktion, sondern vertreibt dort seit 1947 vor allem seine Medikamente.

Doch wer an das Potenzial eines Marktes glaubt, würde kaum eine Börsenbeteiligung veräussern.

US-Imports of Smartphones laut WSJ
Die USA substituieren China- durch Indienimporte. (Quelle: WSJ)

Damit wird auch klar, weshalb die Basler Pharmabranche kein Veto zum Freihandelsabkommen mit Indien einlegte, was Beobachter verwundert hatte. Produkte verkaufen ja, aber nicht produzieren, lautet also das Credo.

In Indien sind ohne viele Produktfälscher am Werk und Patente lassen sich nur schwer schützen beziehungsweise verlängern. Damit ist der Markt insgesamt für Schweizer Topprodukte uninteressant.

Der Zementhersteller Holcim ging unlängst auch aus dem indischen Markt heraus.

Für Schweiz unattraktiv

Wie muula.ch berichtete, ist für die Schweiz in Asien ohnehin nur China von Bedeutung.

Der Nahrungsmittelriese Nestlé verlor unlängst in Indien auch einen Gerichtsfall und damit Steuervorteile.

Im Freihandelsabkommen sollen Schweizer Firmen zusammen mit den anderen Efta-Staaten rund 100 Milliarden Dollar in Indien investieren und rund 1 Million Arbeitsplätze schaffen.

So etwas ist für viele Schweizer Unternehmen mit ihren hochpreisigen Waren und Dienstleistungen wenig attraktiv.

Und an welchem Importschlager aus Indien sollte die Schweiz interessiert sein? Es fällt selbst auch mit längerem Nachdenken nichts ein.

21.02.2026/ena.

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