Neues System für Nationalbank-Aussschüttungen gefordert

Logo der SNB am Sitz in Bern
Die SNB schüttet derzeit völlig willkürlich Geld an die Eigentümer aus. (Bild: muula.ch)

Kritiker der Schweizerischen Nationalbank entfachen eine Diskussion um die Ausschüttungen der SNB. Doch die Ökonomen müssen nachsitzen.

Die Ausschüttungen der Schweizerischen Nationalbank SNB stehen erneut in der Kritik.

Glättung über die Jahre

Wie muula.ch unlängst berichtete, verstösst das aktuelle System sogar gegen die Bundesverfassung, wonach dem Bund ein Drittel und den Kantonen zwei Drittel des SNB-Gewinns zustehen.

Die Zentralbank definiert dann einfach mit dem Eidgenössischen Finanzdepartement EFD den Begriff Gewinn um und legt willkürlich Reserven fest, damit sie in guten Jahren nicht dutzende Milliarden ausschütten muss.

Die Vereinbarung spricht von einer Glättung der Ausschüttungen.

Fester Satz der Bilanzsumme

Nun ist derzeit genau diese Abmachung der SNB mit dem EFD in Diskussion, wie SNB-Chef Martin Schlegel an der jüngsten Medienkonferenz der Nationalbank bestätigte.

In diese Diskussion schalten sich nunmehr drei regelmässige Kritiker der SNB ein.

Sie forderten einen festgelegten Prozentsatz der Bilanzsumme als Ausschüttung, wie das sogenannte SNB-Observatory um die Ökonomen Stefan Gerlach, Yvan Lengwiler und Charles Wyplosz am Donnerstag bekanntgaben.

Mehr Geld für Eigentümer

Die SNB nutze derzeit die Vereinbarung mit dem Finanzdepartement, um jedes Jahr die Reserven um 10 Prozent aufzustocken – selbst in Verlustjahren.

SNB-Kennzahlen über die Jahre
Die SNB hortet immer mehr Geld. (Screenshot: muula.ch)

Würden dagegen beispielsweise 0,5 Prozent der Bilanzsumme ausgeschüttet, hätten in den vergangenen Jahren die Ausschüttungen durchschnittlich bei 3,8 Milliarden Franken gelegen, rechneten die Ökonomen in ihrem Bericht vor.

Mit der aktuellen Regel gab es im Schnitt 2,2 Milliarden Franken – wohlgemerkt aber auch Zeiten, wo Bund und Kantone leer ausgingen.

Geringere Schwankungen

Die Befürworter nennen in ihrem Paper mehrere Vorteile ihres Vorschlages, weil es ja nicht sein könne, dass sich Bund und Kantone verschulden müssten, während die Nationalbank willkürlich Reserven hortet.

Erstens wären die neu festgelegten Ausschüttungen weitaus weniger volatil als heute, da sie nur aufgrund von Veränderungen der Bilanzsumme der SNB schwanken würden.

Jubel der Politik?

Zweitens könnten die Ausschüttungen, je nach Grösse des Ausschüttungsfaktors, im Durchschnitt höher ausfallen als bisher. Die Gewinnausschüttung erhielt im Gegensatz zur aktuellen Regel klar Vorrang.

Zurzeit reserviert die SNB zulasten der Ausschüttung willkürlich Kapital für sich selber, ohne dass ein Ende in Sicht sei.

Und drittens würden die Ausschüttungen niemals null betragen, hiess es euphorisch.

Dies würde den Politikern und den Aktionären der SNB-Aktiengesellschaft sicher gefallen.

Bundesverfassung als Nebenbedingung

Das System, das derzeit zur Festlegung der Ausschüttung verwendet wird, sei unnötig kompliziert und verschleiere die fast vollständige Kontrolle, welche die SNB über die Festlegung der endgültigen Ausschüttung geniesse, lautete die Kritik.

Mit der neuen Regel vom SNB-Observatorium wäre das Problem der Bundesverfassung aber nicht gelöst, denn die besagt, dass der Bund ein Drittel und die Kantone zwei Drittel des SNB-Gewinns erhalten.

An diese Grundlage der Schweiz haben die SNB-Observatory-Volkswirte wohl nicht gedacht.

09.04.2026/kut.

Neues System für Nationalbank-Aussschüttungen gefordert

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert