
Die Schweizerische Nationalbank SNB gibt an, sich nicht in Volksabstimmungen einzumischen. Doch das stimmt nicht, wie ein aktueller Fall verdeutlicht.
Die Schweizerische Nationalbank SNB will nichts dem Zufall überlassen.
Selbst Volksabstimmungen sind ihr nicht egal, wenn sie die Arbeit der Zentralbank betreffen.
Verstecken der News
Dies konnte das Schweizer Volk diese Woche wieder eindrücklich beobachten. Die SNB publizierte die neuesten Resultate ihrer Umfrage zur Verwendung von Zahlungsmitteln.
Das Communiqué ist allerdings so geschrieben, dass ja kein Journalist in den Versuch kommen soll, sich die Dinge genauer anzusehen.
«Bei Zahlungen vor Ort veränderte sich die Zahlungsmittelnutzung gegenüber 2024 nur geringfügig», hiess es, und soll Medienschaffenden sofort suggerieren, hier sei keine News zu holen.
Thema kommt bald wieder
Die Debitkarte blieb das am häufigsten genutzte Zahlungsmittel, gefolgt vom Bargeld und von Bezahl-Apps, erklärte die Nationalbank weiter. Es sei quasi alles wie gehabt, so der Eindruck, den die Notenbank unter der Führung von SNB-Chef Martin Schlegel vermitteln will.
Zudem brachte die Zentralbank gleich zum Beginn der Medienmitteilung einen Hinweis an, dass künftig jährlich und nicht mehr alle zwei Jahre über das Zahlungsverhalten der Schweizer informiert werde.
Für Journalisten soll dies kurz vor Ostern bedeuten, dass das Thema ohnehin bald wieder auf den Tisch kommt, und die Presse es derzeit ignorieren könne.
Debitkarten legen weiter zu
Doch in Wirklichkeit hat das Bargeld weiter an Akzeptanz verloren, wie die SNB-Detaildaten zeigen.
Die Nutzung von Debitkarten legte nochmals zu und kommt auf einen hohen Nutzungsanteil von 37 Prozent, wie aus den Zahlungstagebüchern von fast 20.000 Transaktionen weiter hervorging.

Personen unter 54 Jahren nutzen das Bargeld nur noch sporadisch; Ältere dagegen mehr.
Im Jahr 2017 setzten noch über 70 Prozent der Schweizer auf Bargeld. Es geht also mittlerweile rapide bergab.
Barzahlungen in Quartierläden
Schweizer nutzen Bargeld allenfalls bei kleineren Händlern und bei Dienstleistungen ausser Haus.
Der Quartierladen sowie der Coiffeur bekommen also noch Bares. Die Nutzung von Bargeld ist umständlich, kostspielig und schliesslich auch mit Verlustrisiken verbunden.

Beim Rest, wie Hotels, dem ÖV oder grösseren Detailhändlern, zahlen Schweizer mit Debit- beziehungsweise Kreditkarten oder Bezahlapps.
Paradoxe Situation
Das ist auch der Grund für die Nationalbank, das Bargeld in den Vordergrund zu schieben.
Mit digitalem Geld ist unklar, wie die Geldpolitik und das Zusammenspiel mit Geschäftsbanken wie UBS, ZKB, Postfinance & Co. funktionieren sollen.
Da versuchen die Nationalbanker alles, um das Zukunftsthema hinauszuzögern, und nun, nach der Volksabstimmung zur Bargeldinitiative, wird Bares erst einmal in die Bundesverfassung festgeschrieben, obwohl es Schweizer immer weniger verwenden.
Wichtige Ergebnisse unterschlagen
Die Zahlungsmittelumfrage, die den Bedeutungsverlust von Banknoten und Münzen dokumentiert, publizierte die SNB aber erst nach der Volksabstimmung, obwohl die Umfrage schon im Herbst 2025 stattfand.
Vor dem Urnengang stellte die Nationalbank aber sogar noch ihre neuen Geldscheine vor und machte Werbung für ihre Reliquien aus alten Zeiten, wie muula.ch berichtete.
Das war eine direkte Einmischung in den Abstimmungskampf. Mit der verspäteten Publikation der Resultate der Zahlungsmittelumfrage darf nun nochmals getrost dasselbe unterstellt werden.
Die Ergebnisse wären eigentlich wichtig gewesen und hätten ohne Weiteres auch früher bekanntgegeben werden können.

Künftig müssen Schweizer über Blockchains, mit digitalen Franken und Kryptowährungen bezahlen können. Die Aufgabe einer verantwortungsvollen Nationalbank wäre es, dabei für anonyme Transaktionen zu sorgen.
Doch darin sind die Amerikaner, Chinesen und Russen – ja selbst die Iraner und Nordkoreaner – mittlerweile führend.
Bis 34-jährige Schweizer gaben zu fast 20 Prozent bereits an, über Kryptowährungen sowie Stablecoins zu verfügen. Zumindest die Schweizer Jugend geht also modern voran.
Zelebrieren von Nichtigkeiten
Die Zufriedenheit mit dem Zugang zu Bargeld sei im vergangenen Jahr spürbar gesunken, mahnten die Notenbanker zu ihrer Zahlungsmittelumfrage.
Lediglich 81 Prozent der Bevölkerung seien noch mit den Möglichkeiten, Bargeld zu beziehen, zufrieden, hiess es weiter.
Doch der Rückgang ist also minimal. Im Jahr 2024 waren es 88 Prozent gewesen, dass diese Veränderung eigentlich nicht der Rede wert gewesen wäre.
Klares Ablenkungsmanöver
Mit solchen Angaben versucht die Nationalbank allerdings den Fokus der Öffentlichkeit auf eine falsche Fährte zu verschieben. Fast 100 Prozent der Bevölkerung haben mittlerweile Debitkarten als Zahlungsmittel.
Doch Hauptsache, es fällt dem Volk nicht auf, dass das Hauptarbeitsmittel der SNB, das Bargeld, rasant an Bedeutung verliert und sich die Zentralbank direkt in den Abstimmkampf bei Volksentscheiden einmischt.
04.04.2026/kut.





