
Das Uhrenlabel Kollokium rüttelt die Schweizer Uhrenindustrie wach. Drei Macher zeigen, dass es für Erfolg weder Tradition noch ein Filialnetz braucht.
Die Schweizer Uhrenindustrie ist an Superlative gewöhnt: Tradition, Präzision und Luxus.
Doch immer wieder tauchen Marken auf, die das eingespielte Gefüge durcheinanderbringen.
Auf der Höhe der Zeit
Eine davon ist Kollokium, ein junges Markenlabel, das sich in erstaunlich kurzer Zeit einen Namen gemacht hat und in der Uhrenbranche zunehmend für Unruhe sorgt.
Dabei trifft Kollokium den Nerv einer neuen Generation von Uhrenkäufern. Die Modelle sind eigenständig im Design, technisch auf der Höhe der Zeit und bewusst anders positioniert als viele andere Schweizer Uhrenmarken.

Statt sich auf jahrhundertealte Geschichten zu stützen, setzt Kollokium auf klare Formsprache, avantgardistisch, moderne Materialien und eine Direktansprache von Uhrenliebhabern, die sich stark mit der Marke identifizieren.
Eigene Community aufbauen
Hinter Kollokium stehen seit 2019 drei Uhrennarren, nämlich der bekannte Manuel Emch, Bart Nussbaumer und Amr Sindi, wie muula.ch bereits berichtete. Letzterer organisierte beispielsweise für den Schweizer Uhrenpapst Jean-Claude Biver bei Hublot das clevere Marketing.
Nun bauen die drei, die keine Uhrmacher sind, sich aber bei Branchengrössen um Rado, Jaquet Droz, Romain Jerome, Tag Heuer, Blancpain & Co. grosse Namen gemacht haben, stückweise eine neue Community auf, was bei grossen Schweizer Uhrenkonzernen wohl kaum möglich wäre.
Uhrwerk aus La Chaux-de-Fonds
Die Luxusuhren sind in schlichtem Design ohne viel Branding gehalten und werden im Internet für ein Mehrfaches ihres Originalpreises gehandelt.
Die junge Uhrenmarke setzt beim Uhrwerk auf Automatik von La Joux-Perret G101 aus La Chaux-de-Fonds. Saphirglas sowie eine kleine Wasserdichtigkeit sind selbstverständlich.
Die Gangreserve beträgt 68 Stunden.

Seit einigen Wochen ist das zweite Projekt am Markt erhältlich, nachdem das erste Projekt mit Leucht-Nobben in den verschiedensten Varianten schrittweise auf den Markt gebracht worden war.
Geheime Zugangscodes vor Lancierung
Auffällig ist auch die Preisstrategie. Die Preise werden stückweise erhöht und dennoch bleibt die Nachfrage hoch – genau im Rhythmus der wachsenden Community.
In Sammlerkreisen gelten die Modelle in allen Ausführungen schon als ausgesprochen begehrt. Logisch, sind die limitierten Auflagen oft schnell vergriffen.
Dieses Zusammenspiel aus Verknappung, Markenaufbau und konsequenter Positionierung erinnert eher an etablierte Luxusmarken als an einen Newcomer.
Verkauft wird oft über Direktansprache, meist mit geheimen Zugangscodes vor der Lancierung, ohne grosses Filialnetz auf der ganzen Welt.
Lösungen für Kundschaft suchen
Vertreten ist Kollokium allenfalls in Edelboutiquen in der arabischen Welt und in Asien, um die Luxuskundschaft mit dem Newcomer vertraut zu machen.
In Bern lancierte die Uhrenmarke gerade einen exklusiven Uhren-Event mit einem Pop-up-Store. So macht man sich selbst hierzulande Freunde.
Aber auch für US-Kundschaft wurde eine Lösung gefunden, um die US-Strafzölle von 39 Prozent auf die bestehenden Importduties je nach US-Gliedstaat von 4 bis 6 Prozent zu verringern.
Die amerikanische Community dankt es sicher.
LVMH steigt bei Manufaktur ein
Kollokium zeigt, dass es möglich ist, am Schweizer Uhrenhimmel zu existieren, ohne eine Historie zu haben und Begehrlichkeiten bei Uhrensammlern zu wecken, vorausgesetzt, das Produkt stimmt.
Uhrenliebhaber wissen, dass sie für ein paar Tausend Franken wirkliche Qualität erhalten und keine Gewinnmargen grosser Konzerne finanzieren.
Wie wichtig der Hersteller der Uhrwerke, die Schweizer Manufaktur La Joux-Perret, schon ist, zeigt sich daran, dass Ende 2025 der französische Luxusgüterkonzern LVMH mit einem Besitzanteil eingestiegen ist.
Selbstgestaltung möglich
Unter Sammlern hört man über Kollokium praktisch nur, dass das Armband für den aktuellen Nettopreis von 3666.66 Franken hochwertiger sein könnte, obwohl sie auch von Uhren-Enthusiasten, nämlich der asiatischen Firma Delugs, liebevoll gefertigt werden.
Doch auch dieses Problem ist ein Stück weit gelöst, denn mittlerweile können Armbänder in anderen Ausführungen nachgekauft werden.
Über die Abverkäufe sehen Emch & Co. sogar wieder, was die Uhrensammler genau wollen.
Preis-Leistung stimmt
Der Beweis ist mit Kollokium erbracht, dass es in der taumelnden Schweizer Uhrenbranche durchaus auch anders geht.
Die Marke aus Wollerau im Kanton Schwyz steht für einen Wandel, den viele grosse Uhrenmarken nicht wahrhaben wollen.
Es ist eine neue Form des Luxus, weg von Tradition, aber dafür hin zu Topqualität mit Extravaganz zu einem absolut günstigen Preis.
05.04.2026/kut.





