
Die Schweiz trägt das Etikett als Hochpreisinsel. Nun zeigen Statistiker an einem einfachen Vergleich, woran dies hauptsächlich liegt.
Einen Cappuccino für 6 Franken, eine Milch für 2,50 Franken und eine Bodylotion so teuer, wie sonst wohl nirgends in Europa.
Die Schweiz ist als Hochpreisinsel weltbekannt.
Günstiges Nordmazedonien
Doch hinter teuren Einkäufen in Zürich, Bern, Genf oder Luzern steckt mehr als nur ein starker Schweizerfranken und das hohe Schweizer Lohnniveau mit einer höheren Zahlungsbereitschaft.
Dies verdeutlicht der Preisniveauindex zur EU27, welcher im Jahr 2024 bei 158,8 Punkten lag, und den das Bundesamt für Statistik BFS kurz vor dem Jahreswechsel publizierte.
Der Durchschnittspreis der EU27 beträgt dabei 100 Zähler und die Schweiz liegt da also deutlich drüber.
Das Land wies auf Ebene Bruttoinlandsprodukt BIP das höchste Preisniveau bei diesem Ländervergleich auf.

Die Schweiz lag vor Island mit 151,4 Zählern und Luxemburg bei 130 Punkten.
Das tiefste Preisniveau fand sich in Nordmazedonien mit 50,7 Punkten, gefolgt von der Türkei mit 51,2 Zählern sowie von Bosnien-Herzegowina mit 55,1 Punkten.
Gesundheit, Bildung und Fleisch
Dabei weichen einzelne analytische Kategorien des BIP deutlich von den Durchschnittswerten ab.
Die höchsten Werte der Schweiz im Vergleich zum Referenzwert EU27 = 100 wiesen die stationären Gesundheitsdienstleistungen (Preisniveauindex 321,3), die Dienstleistungen des Bildungswesens (259,5) sowie Fleisch (225,9) auf.
Die Gemeinsamkeit in diesem Bereich ist, dass es kaum Wettbewerb gibt. Die Spitäler und die Bildung sind kantonal geregelt.
Für Fleischimporte gelten zudem hohe Einfuhrrestriktionen, was die Preise eben hochhält und die heimische Landwirtschaft vor Konkurrenz schützt.

Deutlich teurer als der EU-Wert sind in der Schweiz mit 215,5 Punkten auch Wohnungen, Energie, Gas und Wasser – alles Bereiche, wo der Staat stark eingreift, und es nur wenig Konkurrenz beim Angebot gibt.
Dies treibt eben die Preise, wenn Verbraucher keine oder nur wenig Alternativen haben.
Handelbare Güter gleichen Preise aus
Den niedrigsten Wert zur Schweiz wies die Position Informations- und Kommunikationsgeräte auf, welche mit 96,6 Zählern sogar leicht unter dem europäischen Durchschnitt lag.
Bei solchen handelbaren Gütern spielt der Wettbewerb und schon sehen die Schweizer, dass sie mit «Tradeables» sogar billiger als der EU27-Referenzwert sind.
Auch bei Software, die sich besonders leicht über Landesgrenzen transportieren lässt, ist der Preisniveauindex interessant.
Hier liegen die Werte etwa zwischen der Schweiz und den Nachbarländern Österreich, Frankreich, Deutschland und Italien relativ nah beieinander, wie die Grafik illustriert.
Allenfalls Schweizer Support rechtfertigt da eine kleine Preisdifferenz, und genau dies verdeutlicht der Statistik-Index.
Ausschalten von Konkurrenz
Mit vollständigem Wettbewerb würden sich die niedrigeren Preisniveaus in Europa sowie in der Türkei erhöhen und die hohen Preisniveaus, wie in der Schweiz, reduzieren.
Dabei wirken aber viele Interessen als Gegenkräfte, weshalb der Wettbewerb mit allerlei Begründungen auf vielfältige Weise behindert wird.
Die Schweiz hat beispielsweise den Einkaufstourismus gerade erschwert und Online-Händler wurden unlängst bei der Mehrwertsteuer an die kürzere Leine genommen.
All solche Massnahmen zementieren die hohen Preise in der Schweiz weiter.
Wenn ein Fleischimporteur aus den USA für die Schweiz seine Warenetiketten in den vier Schweizer Landessprachen anbringen muss, lohnt es sich für den kleinen Schweizer Markt meist nicht.
Mit solchen «Regeln» hält sich die Schweiz elegant den Wettbewerb vom Leib.


Dass die Eigenschaft als Hochpreisinsel keinesfalls in Stein gemeisselt ist, verdeutlicht Norwegen.
Der Preisindex weicht zum Durchschnitt mittlerweile nur auf 125,3 Punkte ab. Im Jahr 2017 lag das nordische Land noch bei 152,2 Zählern.
Die Schweiz hatte damals einen Wert beim Preisniveauindex von 155,6. Während die Preise in Norwegen im Vergleich zur Gesamt-EU also binnen weniger Jahre stark purzelten, zogen sie in der Schweiz weiter an.
03.01.2025/kut.





