Bank Julius Bär schüttelt die Vergangenheit ab

Logo von Julius Bär an einer Filiale
Julius Bär geht gestärkt in den neuen Strategiezyklus. (Bild: muula.ch)

Das Zürcher Bankhaus Julius Bär räumt gleichzeitig Altlasten auf und stellt die Weichen für die Zukunft. Eine pikante Personalie sorgt allerdings für Unruhe.

Am Ende zeigt sich der Erfolg an einer einzigen Kennzahl.

Es ist die Marktkapitalisierung an der Börse, die den Wert einer Firma verdeutlicht.

Eine Milliarde mehr wert

Beim Zürcher Bankhaus Julius Bär trat Anfang 2025 der neue CEO Stefan Bollinger an und musste viele Altlasten aufräumen. Der damit verbundene Gewinneinbruch kam bereits im vergangenen Geschäftsjahr immer wieder zum Vorschein.

Doch an der Börse war Julius Bär nach einem Jahr des Aufräumens statt 12 rund 12,9 Milliarden Franken wert.

Unter Abzug der Kapitalkosten schaffte CEO Bollinger also quasi fast eine Milliarde an Unternehmenswert per Ende 2025.

Asiatische Kunden vertrauen

Der Gewinn 2025 brach zwar insgesamt um 25 Prozent auf 764 Millionen Franken ein.

Trotz des Umbaus und vor allem trotz Sparprogramms stiegen die verwalteten Vermögen um rund 5 Prozent auf den historisch höchsten Wert von 521 Milliarden Franken, wie das Geldhaus am heutigen Montag stolz bekanntgab.

Selbst beim Netto-Neugeld ging es leicht auf 14,4 Milliarden Franken nach oben. Bedenkt man, dass Dollar-Assets deutlich an Wert verloren haben, zeigt es das Vertrauen der Kundschaft.

Besonders Asien laufe prächtig. Viele Kunden schätzten die Dienstleistungen eines Schweizer Geldhauses, hiess es.

Sinkender Zinsüberschuss

Lässt man alle Einmaleffekte unberücksichtigt, wäre der Konzerngewinn vor Steuern laut Julius Bär im vergangenen Geschäftsjahr sogar um rund 17 Prozent auf 1,3 Milliarden Franken gestiegen.

Der tatsächliche Gewinn vor Steuern ging zum Vergleich um 11 Prozent auf 938 Millionen Franken zurück.

Angesichts sinkender Zinsen, die den Zinsüberschuss eines Kreditinstituts belasten, ist eine Milliarde immer noch stattlich.

Sinkende Kosten

CEO Bollinger zeigte sich vor den Medien mit dem Erreichten zufrieden. Julius Bär habe eine starke Performance erzielt, lobte er.

Die Bilanz sei stark und die Kosten am Sinken, führte der neue Konzernchef aus.

Bilanz 2025 von Julius Bär
In Zeiten von Nullzinsen steigen andere Finanztransaktionen. (Sreenshot: muula.ch)

Ein Detail, nämlich dass der Personalbestand quasi konstant geblieben ist, breitete Bollinger dabei besonders genüsslich aus.

Viele Medien hatten von einem Kahlschlag unter den 4000 Schweizer Mitarbeitern der rund 7500 Gesamtbeschäftigten berichtet.

Doch der Level der Belegschaft sei konstant geblieben, erklärte der CEO. In der Jahresrechnung stieg der Personalaufwand sogar leicht.

Konstante Ausschüttung

Das Management werde der Generalversammlung eine unveränderte ordentliche Dividende von 2,60 Franken je Aktie beantragen, hiess es trotz des Gewinneinbruchs freudig.

Julius Bär sei mittlerweile gut aufgestellt in den Strategiezyklus 2026 – 2028 gestartet und auf Kurs, die Mittelfristziele zu erreichen.

Mit anderen Worten: Die Marktkapitalisierung dürfte weiter steigen.

Überarbeiteter Finma-Direktor

In einem separaten Communiqué gab das Zürcher Bankhaus noch eine pikante Personalie bekannt.

Der Ex-Direktor der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht Finma, Urban Angehrn, habe zugestimmt, dem Verwaltungsrat nach der GV 2026 als unabhängiges, nicht exekutives Mitglied beizutreten, teilte Julius Bär mit.

Der eigentlich aus der Versicherungswirtschaft kommende Manager hat quasi den Untergang der Krisenbank Credit Suisse (CS) auf dem Gewissen, wo er auch gearbeitet hatte.

Nach der Notfusion der CS mit der UBS hatte er sich wegen Überarbeitung aus dem Staub gemacht.

Risiken übersehen

Angehrn besitze umfangreiches Fachwissen im Investmentmanagement sowie im Risikomanagement in grossen und komplexen Unternehmen, begründete Julius Bär den Vorschlag an die Generalversammlung.

Doch Angehrn trat seine Finma-Position im November 2021 an und übersah in der Schweizer Bankenlandschaft doch so manches Grossrisiko.

Dies gilt nicht nur bei seinem alten Arbeitgeber CS um Greensill, Archegos und den Milliardenabschreiber in den USA aufgrund einer Strategieänderung, sondern auch mit dem österreichischen Immobilienguru René Benko bei Julius Bär.

Aktienkurs geht zurück

Wenn Angehrn genauso schläft, wie er seinen «Beamtenschlaf» beim Regulator Finma genossen hat, braucht es ihn eigentlich im Aufsichtsgremium der Bank auch nicht.

Eine Untersuchung der Finanzmarktaufsicht gegen Julius Bär läuft zudem noch, weshalb es Interessenkonflikte bei dem Mandat des Ex-Finma-Direktors gibt.

An der Börse kamen die Informationen insgesamt nicht gut an. Der Aktienkurs von Julius Bär brach zum Handelsbeginn um über 2 Prozent ein.

Doch selbst damit liegt die Marktkapitalisierung der Bank schon höher als Ende 2025, namentlich bei 13,1 Milliarden Franken.

02.02.2026/kut.

Bank Julius Bär schüttelt die Vergangenheit ab

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert