
Die Swatch Group kommt kaum auf einen grünen Zweig. Für Investoren rücken daher vor allem die Tonnen an Gold in den Büchern in das Interesse.
Die Bieler Swatch Group hat unter der Führung der Familie Hayek erneut grottenschlechte Geschäftszahlen vorgelegt.
Der Umsatz sank im abgelaufenen Geschäftsjahr um 5,9 Prozent auf 6,3 Milliarden Franken.
Weiterer Rückwärtsgang
Der Gewinn der Swatch Group um Uhrenmarken wie Tissot, Omega, Blancpain, Mido, Breguet & Co. brach 2025 sogar um 90 Prozent auf nur noch 25 Millionen Franken ein, wie die Swatch Group am heutigen Freitag bekanntgab.
Rund 10 Millionen Franken kamen da vom «betriebsfremden Ergebnis», wo Firmen etwas Manövriermasse haben. Die Gewinnmarge implodierte aber auf 0,4 von 3,3 Prozent.
Im Jahr 2024 war der Umsatz allerdings bereits um 1,2 Milliarden Franken beziehungsweise um 15 Prozent zurückgegangen.
Der Konzerngewinn war damals schon um 75 Prozent auf 219 Millionen Franken geschrumpft, wie muula.ch berichtete.
Festhalten am Personal
Im Geschäftsjahr 2025 entwickelten sich nicht nur die Verkäufe schleppend, wie der weitere Umsatzrückgang verdeutlicht. Auch das Festhalten an den Produktionskapazitäten für bessere Zeiten drückte auf die Geschäfte.
Der deutlich geringere Umsatz im Produktionsbereich, bedingt durch den Rückgang der Aufträge von Dritten und der Konzernmarken, habe zu einem stark negativen Betriebsergebnis geführt, erklärte der von Nick Hayek geführte Konzern.
Das Bieler Unternehmen halte aber bewusst an der Strategie fest, keine Entlassungen vorzunehmen, und habe auf die Beantragung von Kurzarbeitsentschädigungen verzichtet, hiess es weiter.
Der Personalbestand sank nur durch natürliche Fluktuation um 2,1 Prozent auf 31.800 Mitarbeiter.
Boom bei Online-Verkäufen
Nordamerika, angeführt von den USA, habe ein Rekordjahr mit einem Umsatzwachstum von fast 20 Prozent in Lokalwährungen verzeichnet, unabhängig vom Chaos der US-Zolltarife, hob die Swatch Group zu positiven Entwicklungen hervor.
Mehrere wichtige Märkte steigerten sich 2025 erheblich. So legten Indien, der Mittlere Osten, Mexiko und Polen zweistellige Umsatzzuwächse in allen Preissegmenten hin.
Die Umsatzentwicklung sei in der zweiten Jahreshälfte in Europa und Asien positiv gewesen, machte die Hayeks klar.
Im Gesamtjahr war laut Firmenangaben auch die Entwicklung der Online-Verkäufe spektakulär und übertraf in vielen Regionen und bei allen Marken, die in diesem Vertriebskanal vertreten sind, die Rekordwerte der Covid-Jahre.
Verpasste Verkaufschancen
Die katastrophale Entwicklung verdeutlicht allerdings, dass es ein Umdenken in der Bieler Konzernzentrale braucht.
Wer beispielsweise die neue Moonswatch vor Weihnachten kaufen wollte, bekam sie nicht, weil sie entweder nicht verfügbar war oder es in der Schweiz nicht schneite, was Swatch sich selbst als Verkaufsbedingung auferlegt hatte.
Auch zum Eurovision Song Contest ESC 2025 in Basel oder zur Frauen-Fussball-EM der UEFA in der Schweiz gab es keine Sondereditionen.
Beobachter bezeichneten dies als verpasste Verkaufschancen für Swatch & Co. und Teilnehmer wie Besucher kauften sich eben andere Souvenirs.
Realitätsferne Euphorie
Auch zeigt ein Vergleich der neuen positiven Äusserungen, die praktisch genau wie der positive Ausblick auf das Geschäftsjahr 2025 lautet, dass die tatsächlichen Entwicklungen in einen weiteren Rückschritt münden können.
Der Uhrenverband FHS gab am Vortag bekannt, dass besonders das günstige Preissegment von einer Exportflaute besonders betroffen sei, was Swatch mit seinen Plasticuhren beziehungsweise Tissot im Günstig-Segment stark treffen dürfte.
Der chinesische Markt kommt einfach nicht in Fahrt.
Breguet feiert gebührend
Doch nicht alle Ideen der Hayeks waren 2025 schlecht.
Breguet sorgte beispielsweise mit zahlreichen Neueinführungen anlässlich seines 250-jährigen Jubiläums für eine starke Entwicklung.
Die Manufaktur enthüllte dabei die Classique Souscription, die beim GPHG mit dem Grand Prix de l’Aiguille d’Or ausgezeichnet wurde und den Dialog zwischen Erbe und Moderne verkörpert.
Dabei lebte auch die alte Idee wieder auf, von der Kundschaft eine Anzahlung beziehungsweise ein «Abo» zu bekommen, bis die Uhren eigentlich gefertigt sind.
Kapazitätsauslastung soll anziehen
Angesichts des sehr positiven Momentums der zweiten Jahreshälfte 2025 erwarte die Swatch Group für das Jahr 2026 ein substanzielles Wachstum in allen Preissegmenten.
So werde sich die Auslastung der Produktionskapazitäten in den kommenden Monaten deutlich verbessern und dürfte zu einer Reduktion oder sogar Beseitigung des negativen Ergebnisses für den Produktionsbereich führen, gab sich der Uhrenkonzern überzeugt.
Gold in den Büchern
Die Dividenden beider Aktienformen sollen konstant gehalten werden. So lautet jedenfalls der Vorschlag an die Generalversammlung.
Für Investoren dürften die zwei Dutzend Tonnen an Gold, welche der Konzern besitzt, wahrscheinlich mehr Interesse auf sich ziehen, denn der Goldpreis hat – anders als die Swatch Group – historische Höhenflüge erreicht.
An der Börse stiegen die Swatch-Papiere dennoch um über 7 Prozent. Entweder waren da Leerverkäufer am Werk, die auf noch schlimmere Entwicklungen spekuliert hatten und sich nun mit Aktien eindecken müssen.
Oder aber die Investoren sind von den ganzen Rückschritten nicht beeindruckt.
30.01.2026/kut.





