
Verschwiegene Rohwarenfirmen der Schweiz wie Glencore, Trafigura, Vitol & Co. treten aus ihrem Schattendasein. Dabei spielen sie in der Weltpolitik mit.
Kupfer, Seltene Erden, Kobalt und Erdöl bestimmen über den wirtschaftlichen Erfolg von Ländern.
Logisch, dass sich die Grossmächte da immer mehr bei den Rohstoffkonzernen einmischen.
Von Trump direkt beauftragt
Die USA führten unlängst «Inspektionen» bei Schweizer Rohwarenhändlern durch und lernten dabei die Geschäftsmodelle.
Mit dem Wissen übertrugen die USA nun im Konflikt mit Venezuela und beim Panamakanal sogar Sonderaufgaben.
Die Genfer Rohwarenfirmen Trafigura und Vitol würden Logistik- und Marketingdienstleistungen für den Verkauf von Erdöl Venezuelas erbringen, teilte Trafigura am späten Freitagabend überraschend mit.
Diese Services würden im Auftrag der US-Regierung übernommen, hiess es weiter.
Globale Präsenz hilft
Die Unternehmen würden aber alle geltenden Sanktionen beachten, beteuerten die Verantwortlichen.
Trafigura sei aber als einer der wenigen Konzerne in der Welt in der Lage, eine Operation dieser Grössenordnung und Komplexität effizient durchzuführen, erklärten die Rohwarenhändler weiter.
Zugute käme dabei, dass Trafigura über eine globale Schiffsflotte und ein weltweites Logistiknetzwerk verfüge.
Rohstoffhändler Vitol verlade bereits an diesem Wochenende die erste Ladung des Stoffes Naphtha aus den USA nach Venezuela, berichteten Medien am heutigen Sonntag. Mit Naphtha wird das dickflüssige Erdöl des südamerikanischen Landes flüssiger und damit transportfähig gemacht.
Russen verlieren ihren Einfluss
Doch nicht nur in Venezuela spielen Schweizer Rohstoffkonzerne ganz vorne in der Weltpolitik mit.
Gunvor wurde unlängst von den Amerikanern gekapert, wie muula.ch berichtete.
Als die Russen einige ihrer Auslandsvermögen von Lukoil an den Genfer Rohwarenkonzern verkaufen wollten, mischten sich die USA ein und wechselten das Russland-hörige Management und sogar den Besitzer Torbjörn Törnqvist kurzerhand aus.
Blackrock will Panamakanal
Selbst bei der Übernahmeschlacht um den Panamakanal, wo der US-Vermögensverwalter Blackrock die Terminals von dem chinesischen Unternehmen CK Hutchison kaufen will, spielt die Schweiz eine grosse Rolle.
Die USA haben bei Panama ein strategisches Interesse, weil der Kanal die Transportkosten von der Ost- zur Westküste stark beeinflusst.
Für 23 Milliarden Dollar soll nun der Genfer Konzern MSC die Steigbügel für Blackrock halten.
Als Schweizer Unternehmer unlängst bei US-Präsident Donald Trump im Oval Office waren, wurde im Beisein von Milliardären um MSC, Richemont, Rolex, Mercuria & Co. alles in die Wege geleitet.
Zeitdruck erzeugt Zugzwang
Und Verkauf ist auch das richtige Stichwort beim Zuger Rohstoffgiganten Glencore. Konkurrenz Rio Tinto will das Unternehmen kaufen und verhandele über eine Fusion, teilten die Konzerne erneut in knappen Statements zu Marktgerüchten mit.
Bis zum 5. Februar muss der anglo-australische Bergbauriese Rio Tinto aber bereits dem Zuger Rohstoffkonzern ein Übernahmeangebot unterbreiten, hiess es weiter.
Das fusionierte Unternehmen hätte eine Marktkapitalisierung von über 250 Milliarden Dollar und wäre einer der wichtigsten Lieferanten von Kupfer, Kohle, Aluminium, Lithium und Nickel.
Sie haben auf der ganzen Welt ihre Rohstoffminen, wie muula.ch unlängst über das gut diversifizierte Portfolio berichtete.
UBS-CS-Fusion lässt grüssen
Die Schweizer Rohwarenkonzerne spielen da also bei der Energiewende und der industriellen Produktion eine grosse Rolle.
Zuvor waren Fusionsgespräche zwischen Glencore und Rio Tinto zwar schon mal gescheitert, weil solche Mega-Übernahmen die Unternehmen auf Jahre lähmen.
Dies ist eventuell sogar die Strategie von so mancher Grossmacht. Einfach mal eine Fusion, wie bei der Grossbank Credit Suisse und UBS machen – schon ist die Konkurrenz ausgeschaltet und die besten Mitarbeiter wandern rasch ab.
Doch Kupfer, Seltene Erden, Kobalt und Erdöl bestimmen künftig in der Welt um Künstliche Intelligenz, Computerchips und hohen Energiebedarf noch viel mehr über den wirtschaftlichen Erfolg ganzer Volkswirtschaften.
11.01.2026/kut./Meldung ausgebaut





